Sa., 21.05.2016

Autorin aus Höxter rät Frauen bei Kontaktanzeigen zur Vorsicht Aus der Einsamkeit in die Falle

Die Ermittlungen um das Folterpaar laufen auf Hochtouren. Was hat die Frauen dazu gebracht, sich mit Wilfried W. zu treffen? Warum ist Angelika B. (Foto, hier mit Jacke über dem Kopf bei einer Tatortbesichtigung) bei ihm geblieben?

Die Ermittlungen um das Folterpaar laufen auf Hochtouren. Was hat die Frauen dazu gebracht, sich mit Wilfried W. zu treffen? Warum ist Angelika B. (Foto, hier mit Jacke über dem Kopf bei einer Tatortbesichtigung) bei ihm geblieben? Foto: Harald Iding

Von Ingo Schmitz

Höxter (WB). Der Fall des Folterpaares aus Höxter-Bosseborn lässt die Menschen nicht los. Was bringt Frauen dazu, sich mit Männern wie Wilfried W. zu treffen? Für die Höxteraner Autorin Andrea Micus, die sich auf das Gebiet der Partnersuche spezialisiert hat, gibt es nur eine Antwort: Einsamkeit. Und die trügerische Nähe durch das Internet.

Autorin Andrea Micus. Foto: Micus

Neben ihrer journalistischen Tätigkeit schreibt die Autorin Ratgeber. »Partnersuche Ü40« und »Partnersuche Ü60« lauten zum Beispiel zwei Titel. Seit Jahren begleitet sie Frauen auf der Suche nach dem »richtigen Mann«. Was diese erleben und wie leichtsinnig sie sind, macht Micus selbst manchmal sprachlos.

Die Frauen fielen oft auf Männer herein, die verheiratet seien und ein Abenteuer suchten. Oder ihnen gehe es um Geld. Ein solch abscheulicher Fall wie der des Folterpaares ist dennoch einmalig und beschäftigt Andrea Micus intensiv – nicht zuletzt auch deswegen, weil der Tatort nur wenige Kilometer von ihrem Wohnort entfernt ist.

»Sie haben das Flirten verlernt«

Andrea Micus weiß: Viele Frauen über 40 haben es schwer bei der Suche nach einem Partner. »Sie sind geschieden, gehen nicht raus. Manche sind arbeitslos und haben keine Kontakte. Sie haben das Flirten verlernt. Daher wählen sie den Weg über das Internet, um Bekanntschaften zu machen. Dabei machen sie fürchterliche Fehler.«

Viel zu schnell geben sie intime Dinge preis. Und: Sie glauben blind das, was der Gegenüber schreibt oder sagt.

Noch schwerer hätten es Frauen über 60. »Sie sind verwitwet und häufig wollen die Kinder nicht, dass sie sich einen neuen Partner suchen. Deswegen halten sie ihre Suche geheim.« In dieser Situation werde der gesunde Menschenverstand leider ausgeschaltet, wenn es darum gehe, jemand Neues kennenzulernen.

Feiertage für Alleinstehende ein Problem

»Gerade die Feiertage wie jetzt im Mai sind für Alleinstehende ein Problem«, sagt Micus. An solchen Tagen beginne die Suche im Internet. Und der Eindruck, der dort vermittelt werde, sei fatal: Frauen hätten häufig angesichts des großen Angebots das Gefühl »Alle Männer wollen mich«.

Micus: »Dabei rennen Frauen Illusionen nach. Denn: Die Männer, die sich melden, lügen häufig, dass sich die Balken biegen. Ich begleite seit Jahren eine Frau, die immer Männer kennenlernt, die vorgeben, wohlhabend zu sein. Dass das gelogen ist, will sie nicht wahrhaben.«

Viele Betroffene sehr leichtsinnig

Viele Betroffene sind in ihrer verzweifelten Einsamkeit sehr leichtsinnig, sagt Micus. Manche Frauen verabredeten sich mit Männern gleich zu einem Urlaub, obwohl sie sich vorher nie gesehen haben. »Es gibt Männer, die sehr gut schmeicheln können. Es reicht manchmal schon, wenn sie einfach zuhören und Interesse zeigen. Auch Wilfried W. soll ja anfangs immer sehr freundlich und charmant gewesen sein. Bei einsamen Frauen genügen ein paar schöne Worte, um sie zum Schmelzen zu bringen«, sagt die Höxteranerin.

Wie das Folterpaar es geschafft habe, dass ihre Opfer blieben, kann sie sich nicht erklären. Micus: »Wie eine solche Gehirnwäsche funktioniert, kann ich mir nicht vorstellen.«

Situation selbst erlebt

Die beängstigende Situation des Gefangenseins, so wie es in Bosseborn mehreren Frauen passiert ist, hat Andrea Micus übrigens schon selbst erlebt. In einer Interview-Situation in einem Haus habe der Mann plötzlich alle Türen verriegelt und ihr seinen geheimen Folterraum offenbart. »Ich wollte keine Angst zeigen, das hätte ihn sicher beflügelt.«

Nach einiger Zeit sei es ihr gelungen, das Haus wieder zu verlassen. Es sei ihr zum Glück nichts passiert, dennoch sei sie völlig aufgelöst gewesen. »Ich habe daraus gelernt. Seither treffe ich mich nicht mehr in den Wohnungen meiner Gesprächspartner«, berichtet sie.

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