Do., 26.05.2016

Das Quälen will sie von ihrem Mann gelernt haben Angelika B. wehrt sich

Verteidiger Peter Wüller

Verteidiger Peter Wüller

Von Christian Althoff

Höxter (WB). Das »Horror-Paar« von Höxter: Während Angelika B. (47) bei der Kripo reinen Tisch macht und sich schwer belastet, stellt Wilfried W. (46) sie als Haupttäterin dar und spielt den Unbeteiligten . Dagegen wehrt sich die 47-jährige jetzt.

»Ich bin kein Monster«, zitierte die Bild-Zeitung am Mittwoch Wilfried W., und im WESTFALEN-BLATT erklärte Anwalt Dr. Detlev Binder, sein Mandant sehe sich nicht als treibende Kraft der Quälereien. »Solche Aussagen sind für meine Mandantin unerträglich«, sagte Verteidiger Peter Wüller am Mittwoch, nachdem er Angelika B. im Bielefelder Gefängnis besucht hatte.

»Was meine Mandantin den eingesperrten Frauen angetan hat, hat sie von ihm gelernt und übernommen«, sagte Wüller. Angelika B. sei 17 Jahre misshandelt worden. Der Anwalt: »Auch wenn es vielleicht schwer zu ertragen ist, spreche ich jetzt mal Klartext: Wilfried quälte sie mit einem glühenden Schürhaken, mit einer Lötlampe, mit Feuerzeugen und einer Herdplatte. Bei Autofahrten hatte er eine Thermoskanne mit heißem Tee dabei, den er ihr in den Schoß goss, wenn sie angeblich etwas falsch machte. Er drosselte sie mit Kabeln, Gürteln und Decken. Er zog ihr Tüten über den Kopf, bis sie ohnmächtig war, und trat sie in den Unterleib und ge­gen den Kopf.« Nur wenn fremde Frauen im Haus gewesen seien und sich die Gewalt des Paares gegen sie gerichtet habe, sei Angelika B. verschont worden. »Das ging so bis zur Festnahme des Paares.«

Wüller sagte, vor etwa zehn Jahren sei seine Mandantin zu ihrer Mutter geflohen. »Ihr Mann hat sie aber am Telefon dazu gebracht, zurückzukommen. Er hat versprochen, sich zu ändern und ihr nichts mehr zu tun. Daran hat er sich genau einen Tag gehalten.«

Wilfried W. habe ihr gedroht, wenn sie ihn noch einmal verlasse, werde er sie überall finden und ihr mit einem Baseballschläger die Knie zertrümmern. »Er drohte ihr außerdem, ihr Verbrecher auf den Hals zu schicken, die er in den 90ern im Gefängnis kennengelernt haben wollte.« Damals saß Wilfried W., weil er seine erste Ehefrau eingesperrt und gefoltert hatte. »Angelika erzählte er, er sei in Haft gewesen, weil er ohne Führerschein gefahren sei.«

Bei allen Misshandlungen von Frauen sei Wilfried W. im Haus gewesen, sagte der Anwalt. »Zuweilen ging er aus dem Zimmer und sagte: ›Ich bin draußen, ich weiß von nichts‹«. Er halte Wilfried W. für debil, erklärte Wüller. Dafür spreche auch, dass er immer darauf bestanden habe, dass die Opfer Erklärungen unterzeichnen mussten, sie seien freiwillig bei ihm gewesen und nicht misshandelt worden. Wüller bestätigte, das Paar habe 2012 eine solche Erklärung »zum Gegenzeichnen« ei­nem Polizisten in Uslar vorgelegt, der Angelika B. aber fortgeschickt habe. »Hätte der Polizist anders reagiert, hätte das vielleicht die beiden später gestorbenen Frauen gerettet.«

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Im Allgemeinen wird es Zeit den "Frauenbonus" aus unseren Köpfen zu verbannen. Frauen wollen Gleichberechtigung, können sich aber auch sehr gut als schwache bemitleidenswerte Opfer verkaufen, als "das schwache Geschlecht" und zwar dann wenn es ihnen gut passt. Sowas darf keine Früchte mehr tragen, denn wir haben Gleichberechtigung. Und wir dürfen uns nicht mehr von solchen Klischees beeindrucken lasen. Darum auch nicht automatisch in der Hauptrolle den Mann als Bösewicht ansehen.


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