Do., 16.06.2016

Frauen: »Wir waren keine Opfer« – Verbindung zum Fall Liebs? Die zwei Seiten des Wilfried W.

In diesem Haus in Höxter-Bosseborn wurden Frauen misshandelt.

In diesem Haus in Höxter-Bosseborn wurden Frauen misshandelt. Foto: Ingo Schmitz

Von Christian Althoff

Höxter (WB). Die  Ermittlungen gegen das »Horror-Paar« von Höxter zeigen, dass Wilfried W. (46) zwei Seiten hat – die eines Sadisten und die eines unauffälligen Mannes.

Diese Einschätzung stützt sich auf die Aussagen zweier Frauen. Sie sollen nach Angaben von Angelika B. (47) Opfer des Paares gewesen sein. Die Mordkommission machte die Frauen ausfindig und befragte sie eingehend. Dabei gaben sie an, mit Wilfried W. eine ganz normale Beziehung gehabt zu haben. Sie seien nicht misshandelt worden, gaben die beiden sinngemäß zu Protokoll.

Angelika B. und Wilfried W. sitzen wegen zweifachen Totschlagsverdachts in Untersuchungshaft.  Sie sollen innerhalb von fünf Jahren acht Frauen in ihrem Haus in Höxter-Bosseborn gefangengehalten und misshandelt haben. Zwei Frauen starben.

Wilfried W. spricht nicht mit Mordkommission

Wilfried W. spricht nicht mit der Mordkommission

Auf die Aussagen der beiden Frauen angesprochen, sagte Dr. Detlev Binder, der Anwalt von Wilfried W.: »Das zeigt doch, dass nicht alles, was Angelika B. behauptet, wahr ist.« Im Gegensatz zu Angelika B., die sich und Wilfried W. schwer belastet, spricht Binders Mandant allerdings überhaupt nicht mit der Mordkommission. Er will sich in der U-Haft auch nicht von einem Psychiater untersuchen lassen.

Eingesperrte Frauen, die später sterben – das erinnert an das Schicksal von Frauke Liebs (21). Doch die umfangreichen Recherchen der Mordkommission Bosseborn haben bisher keine Verbindung zu dem Fall ergeben. Die Schwesternschülerin verschwand vor zehn Jahren am 20. Juni in Paderborn.  In den folgenden Tagen wurde ihr Handy sieben Mal benutzt – fünfmal nachweislich von ihr, zweimal wurden SMS geschickt. Nach acht Tagen brach der Kontakt ab, und Frauke Liebs wurde getötet.

Spur über Funkmaststandorte

Damals ermittelte die Mordkommission die Funkmaststandorte, an denen das Nokia-Handy der 21-Jährigen eingeloggt war – und an denen möglicherweise zeitgleich das Handy des Täters eingebucht war, der die Frau in seiner Gewalt hatte. Die Daten:

22. Juni 2006, 22.26 Uhr, Hövelhof-Dreihausen. Frauke Liebs ruft ihren Freund an. »Ich komme bald nach Hause.«

23. Juni 2006, 23.04 Uhr , Paderborn-Benhausen: Vom Handy geht eine SMS an den Freund.

23. Juni 2006, 23.06 Uhr : Fraukes älterer Bruder erreicht seine Schwester auf dem Handy, aber sie weicht seinen Fragen aus.

24. Juni 2006, 14.22 Uhr : Paderborn-Mönkeloh: Frauke Liebs meldet sich bei ihrem Freund. »Ich komme heute Abend nach Hause.«

25. Juni 2006, 22.28 Uhr : Frauke Liebs ruft ihren Freund an und sagt, sie komme nach Hause.

Mittwoch, 28. Juni 2006: 23.29 Uhr, Gewerbegebiet Paderborn-Dören: Frauke Liebs meldet sich ein letztes Mal (siehe »Der letzte Anruf«).

Wegen der vielen Standorte hält es die Kripo für möglich, dass die Frau in einem mobilen Versteck eingesperrt war (einem Wohnmobil oder Lkw) oder der Täter sie abends aus einem Versteck holte und mit ihr herumfuhr (sechs Handykontakte fanden nachts statt). Die Polizei hat Listen mit tausenden von Handys, die damals an den genannten Sendemasten eingebucht waren. Doch bisher wurde keines der mehr als zehn Handys, die im »Horror-Haus« gefunden wurden, auf diesen Listen entdeckt. 

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