Fr., 05.08.2016

»Horror-Haus«: Frau schildert Kripo Misshandlungen in den 90ern »Wilfried hat mich zu einem Wrack gemacht«

Das Haus in Höxter-Bosseborn.

Das Haus in Höxter-Bosseborn. Foto: Harald Iding

Von Christian Althoff

Höxter (WB). Bei der Mordkommission Bosseborn hat sich eine Frau gemeldet und ausgesagt, sie sei vor etwa 20 Jahren von Wilfried W. schwer misshandelt worden.

Stimmen ihre Angaben, wäre das ein Beleg dafür, dass Wilfried W. zwischen der Misshandlung seiner ersten Ehefrau 1994 und den Taten im »Horror-Haus« in Höxter (2010-2016) seine offensichtlich sadistische Neigung weiter ausgelebt hat.

Die Frau gab an, sie habe Wilfried W. auf Fotos eindeutig wiedererkannt. Die Zeugin sagte weiter, Wilfried W. habe sie ausgepeitscht. Sie habe sich ausziehen müssen und sei nackt mit Ketten gefesselt an einem Haken fixiert worden.

Wilfried W. habe sie im Kofferraum seines Autos eingesperrt, und in Wunden, die sie erlitten habe, Salz gestreut. Als Wilfried W. sie irgendwann freigelassen habe, sei sie zur Polizei gegangen. Die habe ihr die Geschichte aber nicht geglaubt.

Heute im Methadon-Programm

Die Zeugin sagte, Wilfried W. habe sie zu einem körperlichen Wrack gemacht. Sie habe nach ihrer Freilassung begonnen, Drogen zu nehmen, und sei heute in einem Methadon-Programm.

Sollten diese mutmaßlichen Verbrechen tatsächlich 20 Jahre her sein, sind sie verjährt. Wilfried W. würde dafür nicht mehr zur Verantwortung gezogen werden, doch könnte die Aussage der Frau im Prozess, dazu beitragen, ein Bild des heute 46-Jährigen zu zeichnen.

Ausbildung zum Hundeführer

Was ist inzwischen über den Mann bekannt? Wilfried W. kam 1970 in Bochum zur Welt. Wegen einer Lese- und Rechtschreibschwäche wechselte er auf eine Sonderschule, die er erfolgreich absolvierte. Er zog mit seiner Mutter zu deren neuem Lebensgefährten, einem Landwirt, nach Bad Lippspringe.

Bei der britischen Rheinarmee begann er eine Ausbildung zum Hundeführer, die er aber abbrach, um auf dem Hof zu helfen. Mit 21 Jahren, da lebte er von Sozialhilfe, lernte er eine Frau kennen. Diese Beziehung erhielt er aufrecht, als er 1994 eine Paderbornerin traf, seine spätere erste Ehefrau. Obwohl er sie mit Boxhandschuhen immer wieder grün und blau prügelte und mit einem Föhn quälte, heiratete sie ihn im Sommer 1994.

Wilfried W. ließ seine Freundin mit in die eheliche Wohnung einziehen und quälte seine Ehefrau mit Methoden, die hier nicht beschrieben werden können. Dafür wurde er 1995 zu zwei Jahren und neun Monaten Gefängnis verurteilt. Die Ehe wurde geschieden. Im selben Jahr kam sein erstes Kind zur Welt, zu dem kein Kontakt mehr bestehen soll. 1999 wurde das zweite Kind geboren, auch dieses soll keinen Kontakt zu ihm haben.

29 Handys im Haus

1999 heirateten Wilfried W. und Angelika B. Die Gärtnerin, die von einem Bauernhof in Bad Salzuflen stammte, brachte nach eigenen Angaben ihre Ersparnisse von mehr als 160.000 Mark mit in die Ehe. 2013 ließen sich die beiden aus finanziellen Gründen scheiden, blieben aber zusammen.

Im selben Jahr heiratete Wilfried W. erneut. Diese dritte Ehefrau, Anika W. starb nach Misshandlungen im August 2014 im »Horror-Haus«. Sie wurde von Angelika B. zerstückelt und verbrannt.

Von alledem will Wilfried W. nichts mitbekommen haben. Er wird allerdings durch Fotos und Videos belastet, die die Mordkommission auf den 29 Handys entdeckte, die im Haus lagen. Wilfried W. besaß so viele Telefone, damit er in den ungezählten Kontaktanzeigen unterschiedliche Nummern angeben konnte.

Keine 50 Kilogramm mehr

Eines der Handyvideos von 2016 zeigt das Opfer Susanne F. nackt und gefesselt in schlimmer Verfassung in einer Badewanne. Auf dem Video soll zu hören sein, wie Wilfried W. zu der Frau sagt, so wie sie da liege, sei das sexueller Missbrauch an ihm. Am 21. April starb Susanne F. – sie hatte nur noch eine Temperatur von 28 Grad und wog keine 50 Kilogramm mehr. Bei der Obduktion wurden unter anderem eine Kopfverletzung und zehn alte Rippenbrüche entdeckt.

Keine vier Wochen vor ihrem Tod musste die kahl geschorene, schwer misshandelte Susanne F. eine Erklärung unterschreiben: »Die blauen Flecken kommen davon, dass ich mich gestoßen habe. Meine Puschen waren zu groß, und ich bin gestolpert. Die Katze hat mich am Auge gekratzt. Dass ich gewürgt wurde, war Einbildung. Und ich leide an Haarausfall.«

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