Fr., 16.09.2016

Prozessbeginn Ende Oktober »Horror-Paar« erwartet Mordanklage

Angelika B. (47) verbirgt am Tatort ihr Gesicht.

Angelika B. (47) verbirgt am Tatort ihr Gesicht. Foto: Harald Iding

Von Christian Althoff

Höxter (WB). Das »Horror-Paar« von Höxter-Bosseborn muss mit einer Anklage wegen Mordes rechnen. Die Verteidiger Dr. Detlev Binder und Peter Wüller sagten am Freitag, sie rechneten im Laufe der kommenden Woche mit einer entsprechenden Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Paderborn.

Auch Wilfried W. (46) wird angeklagt.

Sie könne auf »Mord durch Unterlassen« lauten. Das bedeutet, dass Wilfried W. (46) und seine frühere Ehefrau Angelika B. (47) 2014 und 2016 wohl über Wochen zugesehen haben, wie in ihrem Haus in Höxter-Bosseborn zwei schwer misshandelte und entkräftete Frauen immer mehr abbauten und auf den Tod zusteuerten – ohne dass das Paar Hilfe für die Opfer holte. Als Höchststrafe droht den beiden lebenslange Haft.

2014 starb Anika W. (33) im »Horror-Haus«, sie war damals die Ehefrau von Wilfried W. Das Paar verbrannte die Leiche und erweckte beim Einwohnermeldeamt den Eindruck, Anika W. sei in die Niederlande gezogen. Angehörige wurden getäuscht, indem sie weiterhin vermeintliche SMS von Anika bekamen – die aber Angelika B. schrieb.

Wilfried W. stellt sich weiter als Unbeteiligter dar

Im April dieses Jahres versuchte das Paar, die sterbende Susanne F. (41) aus dem »Horror-Haus« in ihre Wohnung nach Niedersachsen zu bringen. Doch der Opel von Wilfried W. blieb unterwegs liegen, und das »Horror-Paar« flog auf.

Während sich Angelika B. in der Untersuchungshaft mit ihren Verbrechen auseinandergesetzt und reinen Tisch gemacht hat, stellt sich Wilfried W. weiter als Unbeteiligter dar. Der einschlägig vorbestrafte Mann bestreitet, an Misshandlungen mitgewirkt zu haben, schiebt alles auf seine Ex-Frau und geht angeblich davon aus, mit einer kurzen Haftstrafe davonzukommen.

Prozessbeginn vorraussichtlich am 26. Oktober

Dagegen sprechen die Ermittlungsergebnisse der Mordkommission. So belastet zum Beispiel eine Frau aus Sachsen-Anhalt, die nach zahlreichen von ihr beschriebenen Quälereien 2012 nach Hause durfte, Wilfried W. Die Frau sagte aus, sie sei, wohl weil sie panische Angst vor Schweinen habe, nur mit einem Slip bekleidet mit Handschellen im Schweinestall angekettet worden. Dort habe ihr Wilfried W. eine Schaufel gegen den Kopf geschlagen.

Der Prozess beginnt voraussichtlich am 26. Oktober vor dem Landgericht Paderborn. Verteidiger Peter Wüller sagte, seine Mandantin werde auch vor Gericht alles sagen, was sie wisse. Verteidiger Dr. Detlev Binder erklärte, das Verfahren werde zeigen, ob sein Mandant tatsächlich die Rolle gehabt habe, die ihm von Angelika B. zugeschrieben werde. Die Frau hatte sich selbst, aber auch ihren Ex-Mann unterschiedlichster Folterungen bezichtigt. Zum Teil sei auch sie Opfer gewesen.

Wilfried W. hatte bereits in den 90er Jahren im Gefängnis gesessen, weil er seine erste Ehefrau eingesperrt und gefoltert hatte – zusammen mit der damaligen Geliebten.

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