Mi., 26.10.2016

Am Mittwoch beginnt in Paderborn der Prozess gegen das »Horror-Paar« aus Höxter Wilfried W. hofft auf ein Wunder

Ermittler am 3. Mai vor dem Haus in Höxter-Bosseborn, in dem Frauen gequält wurden.

Ermittler am 3. Mai vor dem Haus in Höxter-Bosseborn, in dem Frauen gequält wurden. Foto: Harald Iding/Archiv

Von Christian Althoff

Paderborn(WB). Sechs Monate nach ihrer Verhaftung sehen sich Wilfried W. (46) und seine Ex-Frau Angelika (47) am Mittwoch zum ersten Mal wieder: Um 9 Uhr beginnt vor dem Landgericht Paderborn der Mordprozess gegen das »Horror-Paar« von Höxter.

Peter Wüller, der Verteidiger von  Angelika W., hat darauf gedrungen, dass die beiden Angeklagten getrennt zum Gericht gefahren werden. »Ich möchte auf keinen Fall, dass Wilfried W. die Möglichkeit bekommt, auf meine Mandantin einzuwirken«, sagte der Verteidiger. Er traue dem Angeklagten in dieser Hinsicht viel zu, denn es sei Wilfried W. trotz seines offensichtlich begrenzten Horizonts immer wieder gelungen, Frauen unter seine Kontrolle zu bringen. Auch in Verhandlungspausen sollten die beiden getrennt werden, sagte Wüller.

Drei Nebenkläger haben sich angemeldet

Hintergrund

Die bisherige Berichterstattung des WESTFALEN-BLATTS zum Kriminalfall Höxter-Bosseborn finden Sie hier auf unserer Hintergrundseite: http://bit.ly/2dG3o2Y

Es wird ein aufwendiger Prozess um eine Verbrechensserie, die wohl in die deutsche Kriminalgeschichte eingehen wird.  Der Schwurgerichtsvorsitzende Bernd Emminghaus hat mit den Verteidigern vorsichtshalber Termine bis in den März hinein abgestimmt. Damit nicht eine mögliche Erkrankung eines Prozessbeteiligten das Verfahren gefährdet, gibt es einen Ergänzungsrichter, Ergänzungsschöffen und zwei weitere Verteidiger. Wilfried W. wird nun von Dr. Detlev Binder und Dr. Carsten Ernst vertreten, Angelika W. von Peter Wüller und Alexander Strato.

48 Zeugen hat Oberstaatsanwalt Ralf Meyer in seiner Anklage aufgelistet, drei Nebenkläger haben sich angemeldet. Zwei sind Hinterbliebene der beiden ums Leben gekommenen Frauen Anika W. – die 33-Jährige war Wilfrieds Ehefrau und starb vermutlich im August 2014 – sowie Susanne F., die mit 42 Jahren im April 2016 starb.

Die dritte Nebenklägerin ist eine Frau aus Dessau, die die Quälereien im »Horror-Haus« überlebt hat. Sie hatte sich 2011 auf eine Kontaktanzeige gemeldet, sich in Wilfried W. verliebt und war nach Höxter gezogen. Die Frau stand nach ihrer Freilassung 2012 so unter dem Eindruck der Misshandlungen, dass sie sich erst zur Polizei traute, als sie im Mai dieses Jahres von der Festnahme des Paares erfuhr. Die Frau gab bei der Mordkommission an, sie sei gewürgt worden, habe im Stall angekettet im Schweinemist stehen müssen und sei mit einer Schaufel geschlagen worden. Diese Nebenklägerin wird eine wichtige Zeugin sein – wie eine weitere Frau, die 2008 von Wilfried W. in ihrer Wohnung in Detmold eingesperrt worden sein soll.

Der nächste Prozesstag ist der 16. November

Wilfried W., der in der Justizvollzugsanstalt Detmold in Untersuchungshaft sitzt, soll gegenüber anderen Gefangenen geäußert haben, er hoffe auf eine kurzen Haftstrafe. Der 46-Jährige meint möglicherweise,  er werde durch die zahlreichen Schriftstücke entlastet, die Frauen unterschreiben mussten. Die Mordkommission hat eine Vielzahl dieser handgeschriebenen Erklärungen im »Horror-Haus« gefunden, die Wilfried W. offenbar im Fall einer Festnahme entlasten sollten. So schrieb die im April verstorbene Susanne F. wenige Wochen vor ihrem Tod unter der Überschrift »Fehler und Strafen«: »Wenn ich nicht höre, soll Wilfried mich versohlen«, und »Wenn ich zu faul bin, ihm Antworten zu geben, soll Wilfried an meinen Haaren ziehen«. Die Frau unterschrieb außerdem eine Vollmacht, mit der das Paar Susanne F. nach ihrem Tod beim Einwohnermeldeamt hatte abmelden wollen.

Die Polizisten fanden auch eine Erklärung, in der es heißt: »Die blauen Flecken an meinem ganzen Körper kommen daher, dass ich mich überall gestoßen habe«, und: »Dass ich gewürgt wurde, war nur Einbildung.«

Ermittler nehmen an, dass alle Erklärungen unter Zwang geschrieben wurden und Wilfried W. in keiner Weise entlasten. Im Gegenteil: Wenn er verurteilt wird, muss er nicht nur mit lebenslanger Haft rechnen, sondern auch mit Sicherungsverwahrung. Damit würde sichergestellt, dass Wilfried W., sollte eine lebenslange Haft irgendwann in eine zeitige Strafe geändert werden, erst einmal nicht freikäme.

Bis zum Urteil dauert es aber noch Monate. Am Mittwoch soll erstmal nur die Anklage verlesen werden. Sollten die Prozessbeteiligten keine Anträge stellen, ist der erste Verhandlungstag am Mittag beendet. Der nächste Prozesstag ist der 16. November. Spätestens bis dahin soll auch das psychiatrische Gutachten über Angelika W. vorliegen.

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