Mi., 09.11.2016

Prozess gegen das »Horror-Paar«: Angelika W. behält ihre Rolle in der U-Haft offenbar bei Die Wortführerin

Gärtnerin Angelika W. steht wegen Mordes vor Gericht. Beim Prozessauftakt in Paderborn am 26. Oktober verbarg sie ihre Gesicht.

Gärtnerin Angelika W. steht wegen Mordes vor Gericht. Beim Prozessauftakt in Paderborn am 26. Oktober verbarg sie ihre Gesicht. Foto: Oliver Schwabe

Von Christian Althoff

Bielefeld (WB). Angelika W. (47), die zurzeit in Paderborn wegen der Morde im »Horror-Haus« vor Gericht steht, soll sich im Bielefelder Gefängnis als »Anführerin« aufspielen. Das sagte zumindest eine frühere Mitgefangene, die jetzt im offenen Vollzug ist, dem WESTFALEN-BLATT.

»Angelika will, dass die anderen Respekt vor ihr haben, weil sie so schlimme Sachen getan hat«, sagte die Frau. Sie erinnere sich an einen Vorfall im Gefangenengottesdienst. »Da geriet Angelika mit einer Frau in Streit, weil die eine Kerze anzündete und Angelika das nicht passte. Sie sagte: ›Weißt du nicht, wer ich bin? Ich bin die aus Höxter!‹«

Verteidiger Peter Wüller sagte dazu, im Gefängnis werde »viel erzählt«. Sein Eindruck sei schon, dass sich seine Mandantin in der Untersuchungshaft geändert ­habe.

 Angelika W. als Macherin, als Anführerin – diese Charakterisierung durch die frühere Mitgefangenen passt allerdings zu dem, was die Mordkommission kürzlich erfahren hat. Die Beamten vernahmen im September eine Mitarbeiterin des Kreises Höxter, die im Jobcenter beschäftigt war. Dort hatte sie zunächst mit Angelika und Wilfried W. zu tun, später auch mit dessen neuer Ehefrau Anika W., die 2014 im »Horror-Haus« schwer misshandelt starb.

Die Zeugin sagte aus, die drei seien immer gemeinsam im Jobcenter erschienen. Angelika W. sei aber die einzige gewesen, die ihre Fragen beantwortet habe – auch wenn die Fragen an Wilfried W. oder Anika W. gerichtet gewesen seien. Wilfried W. habe eher einen hilflosen Eindruck gemacht, und Anika W. habe offensichtlich nichts sagen dürfen. Die Zeugin erklärte, auch wenn sie mal am Saatweg 6 in Höxter angerufen habe, um mit Wilfried oder Anika W. etwas zu klären, habe sie immer nur mit Angelika W. sprechen dürfen. Angelika W., die einen überdurchschnittlichen IQ von 120 haben soll, führte nach Ermittlungen der Polizei auch mehrfach Gespräche mit Frauen, um diese an Wilfried W. zu binden. »Sie hatte definitiv die Hosen an«, sagt Dr. Detlev Binder, der Wilfried W. verteidigt.

 Der Prozess gegen das »Horror-Paar« wegen zweifachen Mordes wird am Mittwoch kommender Woche vor dem Landgericht Paderborn fortgesetzt.

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