Di., 06.12.2016

Opfer Anika W. ist Thema des vierten Prozesstages Liveticker: Bosseborn-Prozess fortgesetzt

Die Angeklagte Angelika W. mit ihrem Anwalt Peter Wüllner.

Die Angeklagte Angelika W. mit ihrem Anwalt Peter Wüllner. Foto: Ludmilla Ostermann

Von Ludmilla Ostermann

Paderborn (WB). Mit Verspätung hat der vierte Prozesstag um das »Horror-Haus« von Höxter-Bosseborn begonnen. An diesem Dienstag soll es um eines der Todesopfer von Wilfried und Angelika W., Anika W., gehen.

Sie soll im August 2014 nach massiven Misshandlungen gestorben sein. Gegenüber der Mordkommission hatte Angelika W. (47) ausgesagt, sie habe die Leiche der Frau im Keller zerteilt und eingefroren.

9.35 Uhr. Angelika W. schildert, wie sie zum ersten Mal Anika W. begegnet sind. Das sei im Sommer 2013 gewesen. Auf eine Annonce von Wilfried W. hin habe sie sich gemeldet. Es kam zu einem Treffen. »Ich war froh, dass er eine hatte. So war ich aus dem Spiel und hatte zuhause wieder mehr Ruhe«, sagt die Angeklagte.

9.41 Uhr. Es folgten zunächst Besuche bei Anika W. Doch irgendwann sei sie neugierig auf Wilfried, sein Haus und seine Tiere gewesen. »Er legte Wert auf eine schnelle Verlobung, damit er die Frau sicher hat«, sagt Angelika W. Also habe er beim Drogeriemarkt in Höxter einen Verlobungsring für 21 Euro besorgt. Für Anika W. war Angelika W. stets die Schwester von Wilfried.

9.49 Uhr.  Am 18. Oktober heiratete Anika den Angeklagten Wilfried W. Sie zog mit einigen Sachen, mit zwei Hunden und Meerschweinchen nach Bosseborn in die Wohnung der beiden Angeklagten.

9.53 Uhr. Angelika W. schildert ihre Angst, von Wilfried W vor die Tür gesetzt zu werden, sollte die Beziehung der Frischverheirateten harmonisch verlaufen. Am Tag der Hochzeit sei sie »heulend rumgelaufen«, sagt sie. 

10.03 Uhr. Dann änderte sich das Verhältnis zwischen Anika und Wilfried W. Wenn sie ihm nicht geantwortet oder genuschelt habe, ihm aus Versehen auf den Fuß getreten war, ihm im Licht gestanden sei oder wenn sie ihm den Sex verweigerte - dann wurde er wütend, berichtet Angelika W.

10.05 Uhr.  Die Angeklagte wollte, dass Anika W. bleibt, damit sie sich um ihr Leben kümmern konnte. Sie habe sich also mit gutem Zureden eingeschaltet. Doch irgendwann wurde auch Angelika W. sauer. »Sie hat durch ihre Unartigkeit meine Pläne kaputt gemacht«, so die Angeklagte. Vor Weihnachten habe sie ihr in einer Situation schließlich an den Haaren gezogen.

10.14 Uhr. Oftmals sei es in der folgenden Zeit zu Handgreiflichkeiten zwischen den beiden Frauen gekommen. »Doch körperlich kam sie nicht gegen mich an«, sagt Angelika W. Wilfried W. habe in diesen Situationen daneben gestanden. Er habe sich Sorgen gemacht, dass seine Frau im Gesicht blaue Flecken bekam. Das sei seine Angst gewesen. 

10.39 Uhr. In der Nacht sei Anika W. oft laut gewesen. Das habe Wilfried W. gestört. Schließlich habe das Paar die Frau in der Nacht mit einer Kette an den Heizkörper gekettet, sagt die Angeklagte. Wenn sich Anika W. einnässte, sei Wilfried W. wütend geworden.

11.12 Uhr. Schließlich habe Anika W. in der Badewanne im Keller schlafen müssen, an Händen und Füßen gefesselt. Irgendwann seien die Handgelenke von Anika W. wund gewesen. Auf Nachfrage des Richters, ob dies die einzigen Verletzungen geblieben seien, berichtet Angelika W., wie sie das Opfer mit heißem Wasser verbrüht habe.

12.17 Uhr. Der Richter will wissen, wie es schließlich zu den tödlichen Verletzungen von Anika W. kam. Sie habe wenig gegessen, sagt Angelika W. Sie habe über Schwindel geklagt, habe geschwollene Gelenke gehabt. Drei, vier Tage vor ihrem Todestag im August 2014 sei Anika sehr kraftlos gewesen, berichtet Angelika W. Die Verletzungen zu dieser Zeit stammten fast alle von ihr, so Angelika W. Wilfried  habe sich zurückgezogen.

12.40 Uhr. In der Nacht vom 2. August habe Angelika W. ihr angeboten, zu gehen. Das habe sie auch gewollt. »Der Weg nach draußen war frei«, sagt die Angeklagte. Doch als sie aus der Scheune des Hofes in Höxter-Bosseborn getreten sei, habe es sich Anika W. anders überlegt. Angelika W. habe sie stützen wollen. Auf dem Weg zurück ins Haus sei sie gestürzt und mit dem Kopf auf den Boden aufgeschlagen. 

12.47 Uhr. Am nächsten Morgen habe sie über Kopfschmerzen geklagt. Wilfried W. habe ihr aus der Wanne helfen wollen, doch Anika W. sei kraftlos gewesen. »Die nippelt uns ab«, habe Wilfried W. zu ihr gesagt, berichtet die Angeklagte. Als Angelika W. zur Wanne eilte, sei Anika W. tot gewesen. 

12.53 Uhr. Angelika W. schildert, wie das Paar beschloss, die Tote nicht zu melden. Gemeinsam habe man verschiedene Möglichkeiten der Entsorgung überlegt. Schließlich sei ihnen die Idee gekommen, die Leiche zu zerteilen und zu verbrennen.

13.04 Uhr. In der Zeit nach dem Tod habe Angelika W. weiterhin SMS an die Mutter verfasst. 

14.04 Uhr. Nach dem Tod von Anika W. wollte Wilfried W. nicht mehr im Haus in Bosseborn schlafen, sagt Angelika W. nach der Mittagspause. Das Paar übernachtete in Hotels in unterschiedlichen Städten der Umgebung.

14.13 Uhr. Das Paar habe nach einiger Zeit eine Bügelsäge gekauft, dazu eine große Maler-Abdeckplane und Latexhandschuhe. Dann habe sie alleine begonnen, die Leiche zu zerteilen, sagt die Angeklagte.

14.22 Uhr. Nachdem sie alles zerstückelt hatte, habe sie begonnen, die Teile im Ofen zu verbrennen. Nicht verbrannte Teile wie etwa Zähne habe sie aussortiert.

14.31 Uhr. Aus dem Baumarkt habe das Paar Streugranulat besorgt und die Asche damit gemischt.

14.36 Uhr. In der Nacht habe das Paar dann Asche und Granulat am Straßenrand verteilt. Später habe sie dann auch die Truhe zerschnitten und entsorgt sowie Teile des Ofens zerstört.

14.44 Uhr. Auf die Frage des Richters, wer die treibende Kraft gewesen sei, antwortet Angelika W.: »Ausgeführt habe ich es«. 

14.54 Uhr. Kurz nach dem Tod von Anika W. habe Wilfried W. eine Kiosk in Brakel angemietet, erzählt Angelika W. Doch habe er selbst sich kaum darum gekümmert. Sie habe sich wieder kümmern müssen. »Ich wurde für alles hergenommen, ich musste all die Arbeit machen.« 

15.08 Uhr. Nun können die anderen Parteien Fragen stellen. Auf Nachfrage von Detlev Binder, Verteidiger von Wilfried W., warum sie aus freien Stücken das Opfer angekettet und geschlagen habe, erklärt die Angeklagte: »Er hat das wohl von mir erwartet«, das Opfer zu besserem Verhalten anzuhalten.

15.40 Uhr. Eifersüchtig sei sie nie gewesen auf Anika W., sagt Angelika W. Sie habe lediglich genervt, dass sie ihr die Zeit gestohlen hat.

15.50 Uhr. Der Wunsch, trotz all der Streitereien bei Wilfried zu bleiben, fuße auf ihrer großen Loyalität ihm gegenüber, sagt Angelika W. 

15.54 Uhr. Während sie das Opfer misshandelte, habe Wilfried W. sogar Fotos und Videoaufnahmen gemacht, sagt die Angeklagte. Er habe ihr nie befohlen, damit aufzuhören.

Der Prozess wird am 13. Dezember fortgesetzt.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Mehr zum Thema

Anzeige


http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4481230?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F4078537%2F