Di., 13.12.2016

Tag fünf im Bosseborn-Prozess Live-Ticker: Angelika W. spricht über das Opfer Susanne F.

Die Angeklagten Wilfried W. und Angelika W. im Gerichtssaal.

Die Angeklagten Wilfried W. und Angelika W. im Gerichtssaal. Foto: Ludmilla Ostermann

Von Ludmilla Ostermann

Paderborn (WB). Am fünften Verhandlungstag im Prozess um das »Horror-Paar« von Bosseborn wird die Angeklagte Angelika W. weiter befragt. Diesmal geht es um das Schicksal von Susanne F. aus Bad Gandersheim. Sie starb im April 2016.

9.22 Uhr. Die Angeklagte beschreibt erneut, wie sie Wilfried W. bei der Suche nach einer Frau unterstützt hat. Konkret geht es an diesem Dienstagmorgen um die 41-jährige Susanne F. aus dem niedersächsischen Bad Gandersheim.

Angelika W. mit ihrem Verteidiger. Foto: Oliver Schwabe

9.31 Uhr. Angelika W. erklärt, wie sie die Frauen, die Wilfried W. über Kontaktanzeigen kennengelernt hatten, über die Wohnverhältnisse im Haus in Bosseborn aufgeklärt habe. Sie sei für die Frauen stets die Schwester gewesen.

9.34 Uhr. Die Angeklagte liest eine Liste mit Punkten vor, die Frauen beachten sollten: »Sie sollte sich pflegen und nicht stinken, durfte nicht nuscheln, hatte ihm zu gehorchen, sollte ihn verteidigen, ihm Trinken hinstellen, durfte ihm nicht widersprechen.« Er habe den Frauen vorgemacht, studiert zu haben, um sich »schlau hinzustellen«.

9.45 Uhr. Im Februar 2016 kam Susanne F. nach Bosseborn. In den ersten Tagen sei es zu langen Diskussionen gekommen. Dabei sei es darum gegangen, was Wilfried W. von ihr erwartete. »Es war von Anfang an dicke Luft.«

9.49 Uhr. Susanne F. sei in der Folge dann sogar für kurze Zeit zurück nach Bad Gandersheim gezogen.

»Ihm ging es nur um den Charakter«

9.53 Uhr. Angelika W. erzählt, Wilfried sei es bei den Frauen nie um Äußerlichkeiten gegangen. »Ihm ging es nur um den Charakter.«

9.58 Uhr. Nachdem Susanne F. versprochen habe, alle Regeln im Haus in Bosseborn zu befolgen, habe sie zurückkommen dürfen. 

10.08 Uhr. Zurück in Bosseborn habe Susanne F. die Angeklagte provoziert, sei ihr körperlich nahe gekommen. Wilfried habe das nicht gepasst. Schließlich habe Angelika W. sie über die wahre Beziehung zum Angeklagten aufklären müssen.

10.15 Uhr. Zu Handgreiflichkeiten sei es als erstes von Wilfried W. gegenüber Susanne F. gekommen. Er habe sie »derbe gewürgt«, weil sie die Regeln nicht befolgt habe.

10.23 Uhr. Wenn Susanne F. sie provoziert habe, habe die Angeklagte sich besondere Strafen ausgedacht. Einmal habe sie Susanne F., die nach Angaben der Angeklagten etwa 50 Kilo gewogen habe, einen 25-Kilo-Sack Hühnerfutter die Treppe hinauftragen lassen.

»Wilfried soll mich erziehen«

11.16 Uhr. Nach einer Pause wird der Inhalt diverser Zettel verlesen, die im Haus in Bosseborn gefunden worden waren. Einige Auszüge: »Ich bleibe, egal, was passiert, bei meinem Schatz Wilfried«, »Wilfried hat mit nichts zu tun, mit den blauen Flecken«, »Ich habe eine psychische Erkrankung und brauche Psychopharmaka, um wieder normal zu sein«, »Wilfried soll mich erziehen«. Alle Zettel sind unterschrieben mit Susanne F.

11.37 Uhr. Angelika W. sagt aus, Wilfried habe sie auch geschlagen, während andere Frauen im Haus waren. Allerdings sei dies nie vor den Augen dieser Frauen geschehen.

11.48 Uhr. Wilfried W. habe den Maßregelungen der Frauen beigewohnt, sagt Angelika W. Zum Teil habe er mit dem Handy Filmaufnahmen gemacht.

11.52 Uhr. Die Angeklagte schildert, wie auch sie von Wilfried W. bis zur Besinnungslosigkeit mit Händen, Gürteln oder Schals gewürgt wurde. »Durch das ganze kann ich sagen, dass ich heute keine Angst mehr vorm Sterben habe«, sagt sie.

12 Uhr. Durch die Misshandlungen der Frauen habe sie in der Gunst von Wilfried W. nicht aufsteigen wollen. »Auf dieses Frauenerziehen hatte ich nie groß Bock«, erklärt Angelika W. 

12.08 Uhr. Angelika W.s Anwalt Peter Wüllner erklärt, dass seine Mandantin die Fragen der Verteidiger von Wilfried W. nicht beantwortet werden. Detlev Binder, Anwalt des Angeklagten, stellt seine Fragen, erhält aber entsprechend keine Antworten.

13.25 Uhr. Nach der Mittagspause will das Gericht auf die erste Vernehmung von Angelika W. durch die Polizei sowie die verfassten Erklärungen mit den Unterschriften der Frauen eingehen.

13.30 Uhr. Auf die Idee, Frauen die Erklärungen unterschreiben zu lassen, sei seine Idee gewesen. Er habe sich absichern wollen, sagt Angelika W.

Susanne F. sollte zurückgebracht werden

13.35 Uhr. Richter Bernd Emminghaus will auf den konkreten Fall der Susanne F. zurückkommen: Auf Nachfrage berichtet Angelika W. von den Verletzungen der Frau an Handgelenken und am Rücken. 

13.43 Uhr. Susanne F. sei im April 2016 in einem schlechten Zustand gewesen. Angelika und Wilfried W. hätten den Plan gefasst, die Frau zurück nach Bad Gandersheim in ein Krankenhaus zu bringen.

13.50 Uhr. Angelika W. habe zu diesem Zweck die Sachen der Frau zusammengepackt und sie ins Auto getragen. »Sie konnte nicht mehr gehen.« 

13.53 Uhr. Auf der Fahrt habe der Wagen zu ruckeln begonnen. Wilfried W. sei rangefahren, Angelika W. habe zunächst ein Taxi bestellen wollen. Weil Susanne F. auf der Rückbank zu krampfen begann, habe Angelika W. schließlich einen Krankenwagen gerufen.

14.08 Uhr. Auf Nachfrage des Richters zum körperlichen Zustand von Susanne F. zu diesem Zeitpunkt erklärt Angelika W., auch Susanne F. habe - wie das erste Opfer, Anika W. - einige Nächte gefesselt in der Badewanne verbringen müssen.

»Lindenstraße« und »The Walking Dead«

14.11 Uhr. Angelika W. beschreibt ihren Ex-Mann in einem Exkurs als einen Menschen, der stets unterhalten werden musste. Lange Fernsehsendungen seien nichts für ihn gewesen. Am liebsten habe er »Lindenstraße« oder »The Walking Dead« geschaut.

14.22 Uhr. Angelika W. hat in einer ersten Vernehmung gesagt, sie habe alle Misshandlungen zu verschulden, Wilfried W. habe nichts damit zu tun. Der Richter will wissen, warum sie dies ausgesagt hat. Angelika W. begründet es mit einer Absprache zwischen den beiden. »halt mich bloß da raus«, habe er gesagt und damit gedroht, Verfehlungen von Angelika W. der Polizei zu melden. 

14.28 Uhr. Sie sei zum Zeitpunkt der Festnahme noch verliebt gewesen in Wilfried W., erklärt die Angeklagte. Deshalb habe sie ihn in Schutz genommen. Das habe sich im Laufe der Zeit geändert. Er habe etwa behauptet, sie sei eine Lesbe. »Da wollte ich aufräumen.«

14.50 Uhr. Bei der Befragung durch Staatsanwalt, Gutachter und Anwälte der Nebenkläger kommt es zu Zeitsprüngen. Nun möchte Oberstaatsanwalt Ralf Meyer wissen, was mit dem Handy von Susanne F. geschah. Eine Woche oder zehn Tage vor dem Tod von Susanne F. habe Angelika W. dies zerstört. Auch um die Frau zu bestrafen: Auf dem Telefon soll Susanne F. Fotos ihrer Tochter gehabt haben, die ihr lieb gewesen sein sollen.

15.15 Uhr. Warum sie Susanne F. ins Krankenhaus bringen wollte, will die Psychiaterin Nahlah Saimeh wiederum wissen. Sie habe nicht erneut »den Stress« mit dem Zerlegen einer Leiche haben wollen, antwortet Angelika W.

Verteidigerfragen laufen ins Leere 

15.30 Uhr. Auch in der zweiten Fragerunde erhält Detlev Binder, Verteidiger von Wilfried W., keine Antworten auf seine Fragen an Angelika W. ...

16.03 Uhr. Noch immer bleiben die Fragen Binders unbeantwortet...

16.09 Uhr. Psychiaterin Saimeh möchte nun wissen, ob Loyalität auch mit dem Verhalten der Angeklagten zu tun habe. »Mehr als Liebe«, sagt Angelika W.

16.13 Uhr. Der fünfte Prozesstag ist beendet. Am 20. Dezember wird der Prozess fortgesetzt.

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