So., 18.12.2016

Mordkommission will Arbeit Anfang 2017 beenden – Verbindung zum Fall Frauke Liebs nicht erkennbar »Horror-Haus«: keine weiteren Opfer

Das »Horoor-Haus« in Höxter.

Das »Horoor-Haus« in Höxter. Foto: Harald Iding

Von Christian Althoff

Paderborn (WB). Die jetzt acht Monate dauernden Ermittlungen der Mordkommission Bosseborn haben keinen Hinweis ergeben, dass außer den Opfern Anika W. (33) und Susanne F. (41) weitere Frauen im »Horror-Haus« ums Leben gekommen sind. Das sagte Oberstaatsanwalt Ralf Meyer aus Paderborn am Freitag

»Ich gehe davon aus, dass wir inzwischen alle Frauen kennen, die in dem Haus gelebt haben«, erklärte Meyer. Zwar habe die Mordkommission auf Handys Fotos von Frauen entdeckt, die man noch nicht identifiziert habe: »Aber dabei handelt es sich offenbar um Frauen, die Wilfried W. auf eine Kontaktanzeige hin ein Foto von sich geschickt haben und nicht bei ihm eingezogen sind.«

Der Oberstaatsanwalt sagte, die Ermittlungen im Fall Bosseborn würden bald beendet. Thorsten Stiffel, der Leiter der Mordkommission, geht davon aus, den Abschlussbericht Anfang 2017 an die Staatsanwaltschaft schicken zu können.

Keine Nachtrags-Anklage

Die Ermittlungen der Kripo, die während des seit Oktober laufenden Mordprozesses fortgesetzt werden, haben keine neuen, schweren Vorwürfe gegen Wilfried (46) und Angelika W. (47) erbracht. »Deshalb wird es auch keine Nachtrags-Anklage geben«, sagte Oberstaatsanwalt Meyer. Auch Hinweise auf eine Verbindung zu dem unaufgeklärten Mord an der Paderborner Studentin Frauke Liebs (21), die 2006 mehrere Tage eingesperrt war und dann getötet wurde, hätten sich nicht ergeben.

Im Prozess vor dem Paderborner Schwurgericht geht es ausschließlich um die mutmaßlichen Morde an Anika W. und Susanne F.   sowie um eine Frau, die Wilfried W. in ihrer Detmolder Wohnung eingesperrt und unter Medikamente gesetzt haben soll – als gefährliche Körperverletzung durch »Beibringen von Gift« wird das in der Anklage bezeichnet.

Die Quälereien, die andere Frauen möglicherweise erlitten haben, und die sadistischen Folterungen, die Angelika W. unter ihrem (Ex-)-Mann Wilfried W. jahrelang durchgemacht haben soll – sie werden zwar im Prozess erörtert, sind aber nicht Gegenstand der Anklage und werden darum im Fall einer Verurteilung auch nicht berücksichtigt.

Auch Opfer sollen aussagen

Das hat zwei Gründe: Einerseits soll der im Prozess behandelte Stoff vom Umfang her beherrschbar bleiben, um nicht auf unabsehbare Zeit verhandeln zu müssen. Zum anderen, und das ist der wesentlichere Grund, droht den Angeklagten bei einer Verurteilung lebenslange Haft, Wilfried W. zusätzlich die Sicherungsverwahrung. »Da würden andere Taten nicht zu einer Strafverschärfung führen«, sagt Oberstaatsanwalt Meyer.

In den nächsten Monaten sollen im Prozess auch Opfer aussagen. Christel P. etwa, die im »Horror-Haus«-mit Schlägen, Tritten, Pfefferspray und dem Ausreißen von Haaren gequält worden sein soll. Oder Kati K., die 2008 in ihrer Detmolder Wohnung eingesperrt und misshandelt worden sein soll.

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