Mi., 21.12.2016

Angelika W. sagt weiter im »Horror-Haus«-Prozess aus Hielten Liebe und Angst das Paar zusammen?

Angelika W. mit ihrem Anwalt Peter Wüller.

Angelika W. mit ihrem Anwalt Peter Wüller. Foto: Besim Mazhiqi

Von Christian Althoff

Paderborn (WB). Angelika W. (47) hat nach eigenen Angaben während ihrer Zeit mit Wilfried W. (46) mehrere Nahtoderfahrungen gehabt.

Im Mordprozess um das »Horror-Haus« von Höxter sagte die Angeklagte am sechsten Verhandlungstag : »Dieses Licht am Ende eines Tunnels, das man aus Filmen und Büchern kennt – das habe ich auch gesehen. Vier oder fünf Mal.«

Auslöser sei zum Beispiel die Foltermethode »Decken-Alte spezial« gewesen, sagte die 47-Jährige mit unbewegter Stimme. »Dabei hat Wilfried mir eine Alditüte über den Kopf gezogen, den Kopf in Bettzeug gewickelt und sich draufgesetzt.« Wenn sie es geschafft habe, mit ihren Fingernägeln ein Loch in die Tüte zu reißen, habe er eine neue Tüte geholt.  »Deshalb habe ich keine Löcher mehr reingerissen, sondern mir gesagt: ›Halt’ aus und hoffe – auf wen auch immer.‹«

»Ich wusste nicht, wo ich war«

Sie habe dann das Bewusstsein verloren und »das Licht gesehen«. Nachdem sie wieder zu sich gekommen sei, sei sie orientierungslos gewesen. »Ich wusste nicht, wo ich war, und ich wusste auch nicht, wer Wilfried war.« Viel »humaner«, sagt die Angeklagte, sei es gewesen, wenn Wilfried W. sie mit einem aufgerollten Frotteehandtuch gedrosselt habe. »Da leidet man nicht lange. Da wird einem nach Sekunden schwarz.« Das habe sie »vielleicht 20 Mal« durchgemacht. Trotz dieser Erlebnisse hatte Angelika W. nach der Festnahme des Paares Ende April fast die gesamte Schuld auf sich genommen und betont, sie wolle nicht, dass Wilfried W. ihretwegen »in den Knast« müsse.

Der Vorsitzende Richter Bernd Emminghaus wollte wissen, warum Angelika W. den Mitangeklagten damals geschützt habe. Doch eine schlüssige Antwort gab Angelika W., wie schon an früheren Verhandlungstagen, auch gestern nicht. Angst und Liebe scheinen aber eine Rolle gespielt zu haben. Zur Angst erklärte Angelika W.:  »Ein paar Wochen nach unserer Hochzeit erzählte mir Wilfried, seine frühere Freundin sei eifersüchtig auf seine erste Ehefrau gewesen und habe die Frau gequält. Er habe davon nichts mitbekommen, aber damals im Prozess die ganze Schuld auf sich genommen, um seine frühere Freundin zu schützen. Er sagte, wenn er nochmal wegen einer Alten in den Knast müsse, werde er ihr mit einem Baseballschläger die Kniescheiben zertrümmern. Und das wollte ich nicht.« In Wahrheit war Wilfried W. 1995 verurteilt worden, weil er seine erste Ehefrau unmittelbar nach der Hochzeit wochenlang eingesperrt mit unvorstellbar brutalen und erniedrigenden Methoden gequält hatte.

Wilfried W. bis zur Festnahme geliebt

Angelika W. erklärte aber auch, sie habe Wilfried W. zum Zeitpunkt der Festnahme noch geliebt. »Es hat mich nie gestört, dass andere Frauen bei uns lebten. Ich bat Wilfried nur darum, mich abends einmal in den Arm zu nehmen.« Er sei ja ihr »erster Mann« gewesen – »wenn man mal von Achmad absieht«, einem verheirateten irakischen Saisonarbeiter und Kollegen der Gärtnerin.

Erst in der Untersuchungshaft habe sie Zeit zum Nachdenken gehabt, sagte die Angeklagte. Sie griff zu einem Zettel und las vor: »Wilfried hat mich manipuliert, mich zu seinem Werkzeug gemacht, mich bedroht, mich ausgenommen, mich in Todesangst versetzt, mich erniedrigt, mich müde geredet und meine Leichtgläubigkeit ausgenutzt.«

Der Prozess wird am 10. Dezember fortgesetzt.

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