Mi., 11.01.2017

»Horror-Haus«: Gericht setzt Befragung von Angelika W. fort Blick in eine eisige Seele

Angelika W. scheut keine Details im Prozess rund um die Geschehnisse im »Horror-Haus«

Angelika W. scheut keine Details im Prozess rund um die Geschehnisse im »Horror-Haus« Foto: Christian Althoff

Von Christian Althoff

Paderborn (WB). Für einen Moment konnten die Zuschauer im Schwurgerichtssaal den Eindruck haben, Angelika W. (47) sei doch zu ganz normalen, menschlichen Gefühlen fähig. Doch dieser Moment ging ganz schnell vorbei.

Das Landgericht Paderborn hat am Dienstag, 10. Januar, den Mordprozess gegen Wilfried W. (46) und seine Ex-Frau fortgesetzt. Das Paar soll im »Horror-Haus« von Höxter zwei Frauen so schwer misshandelt haben, dass diese 2014 und 2016 starben.

Am siebten Verhandlungstag ging es noch einmal um den Tod der gequälten Anika W. (33), die am 3. August 2014 ums Leben gekommen sein soll. »Die nippelt uns ab«, soll Wilfried W. an jenem Morgen gesagt haben, als die schwerverletzte Frau nicht mehr die Kraft gehabt habe, aus der Badewanne im Keller zu steigen, in der sie die Nacht habe verbringen müssen. Kurz darauf sei sie tot gewesen, sagte Angelika W. »Ich bin Gärtner und kein Doktor, aber ihre Augen waren offen und starr.«

Angelika W.: »Ein Problem von vielen«

»Eine tote Frau im Haus – war das für Sie nicht der Super-Gau?«, fragte der Vorsitzende Richter Bernd Emminghaus. »Nein«, sagte Angelika W. unbewegt. »Das war für mich ein Problem von vielen.«

Ob dieses denn nicht der Moment für Wiederbelebungsversuche gewesen sei, wollte die Gutachterin Nahlah Saimeh wissen. Und die Angeklagte antwortete fast schon empört: »Ich hätte ja wohl kaum in Wilfrieds Gegenwart eine Frau auf den Mund küssen können!«, womit sie wohl die Mund-zu-Mund-Beatmung meinte.

Und dann beschrieb Angelika W. jene Szene, die im ersten Moment einen Anflug von Mitgefühl erahnen ließ. »Die Leiche musste weg. Ich holte eine Säge und setzte sie am Unterschenkel an. Aber ich konnte es nicht tun. Ich bin heulend nach oben gelaufen.«

Die Gutachterin fragte: »Warum haben sie geweint?« Nein, nicht aus Mitgefühl oder einer anderen nachvollziehbaren Regung. »Ich habe geheult, weil ich mein Versprechen, Anika zu beseitigen, nicht gehalten habe«, sagte Angelika W., und im Gerichtssaal wurde es für einen Moment totenstill.

Zerteilen der Toten dauerte Wochen

Später hatte das Paar die Tote eingefroren, was Angelika W. das Zerteilen, das Wochen dauerte, erleichterte. Die Gutachterin wollte wissen, was Angelika W. dabei empfunden habe. »Für mich war das Stress pur. Ich wollte bei meinen Sägearbeiten Ruhe haben, aber Wilfried rief mich immer wieder hoch, weil ich irgendwelchen Frauen SMS schreiben sollte.«

Diese Gefühlskälte rief schließlich Anwalt Roland Weber auf den Plan, der die Mutter der Toten vertritt. »Wir reden hier, als ginge es um Bastelarbeiten!«, sagte er kopfschüttelnd.

Wilfried W. und sein Hang zu Friedhöfen

Angelika W. überraschte die Prozessbeteiligten anschließend mit ihren Aussagen, Wilfried W. habe sie mehrmals beinahe ertränkt, und er habe einen Hang zu Friedhöfen. »Jeder hat sein Hobby. Ich mag Pflanzen und Tiere, er Autos und Friedhöfe.« Er interessiere sich weniger für die Verstorbenen, als für das Technische.

»Wir haben auch mal das Krematorium in Bielefeld besucht. Wilfried wollte alles ganz genau wissen. Die Temperaturen und so.« Da habe man aber noch nicht geahnt, dass man selbst mal Leichenteile verbrennen werde, sagte Angelika W.

Der Prozess wird am Dienstag, 17. Januar, fortgesetzt.

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