Di., 17.01.2017

Achter Verhandlungstag im Bosseborn-Prozess: Angelika W. spricht über Opfer Christel P. aus Magdeburg Prozesstag 8: »Sie hatte Angst vor mir«

Angelika W. wird am Dienstag von Alexander Strato vertreten.

Angelika W. wird am Dienstag von Alexander Strato vertreten. Foto: Ludmilla Ostermann

Bielefeld (WB). Am mittlerweile achten Verhandlungstag im Prozess um das »Horror-Haus« geht es um die Opfer Christel P. aus Magdeburg, Kati O. und eine Kirsten. Wie auch in den Sitzungen zuvor schildert die Angeklagte Angelika W. Details zu den Geschehnissen in Höxter-Bosseborn. 

9.25 Uhr. Mit 25 Minuten Verspätung beginnt der achte Verhandlungstag . Mit einer Neuerung: Weil Anwalt Peter Wüller erkrankt ist, wird Angelika W. diesmal von Alexander Strato vertreten.

9.32 Uhr. Richter Bernd Emminghaus will zu Beginn der Verhandlung etwas über das Verhältnis zu  

Der Besucherandrang am achten Verhandlungstag ist groß. Foto: Ludmilla Ostermann

wissen. Sie habe 2011 bei dem Paar gewohnt, sagt Angelika W. 

9.38 Uhr. Über die Weihnachtsfeiertage 2011 habe Wilfried die Frau aus dem Haus haben wollen, sagt die Angeklagte - wohl aufgrund seiner Mutter. Die habe außer ihr nie eine Frau von Wilfried W. kennengelernt, mutmaßt die Angeklagte. Bei Christel habe es wohl auch daran gelegen, dass sie »keine Schönheit« war. 

9.43 Uhr. Das Verhältnis zu Christel P. sei nach Weihnachten schlechter geworden. Weil sie »ihr Ding« machte anstatt im Stall zu helfen. Er sei unzufrieden geworden. 

9.53 Uhr. Wilried W. habe ihr einmal eineinhalb Liter kaltes Wasser eintrichtern wollen, weil sie ihn »auf die Palme gebracht« habe. Weil sie sich wehrte, habe er ihr die Lippe mit dem Wasserbehälter blutig geschlagen. Ein weiteres Mal habe er sie gezwungen, ihre Hände bei Minustemperaturen in eiskaltes Wasser zu halten. 

Ans Schweinegatter gekettet

9.59 Uhr. Beim Ausmisten des Stalles habe sich Wilfried mit Christel gestritten. Sie habe auf dem Boden gelegen, er habe über ihr gestanden und mit einer Schippe ausgeholt. Im letzten Moment habe er jedoch abgebremst, schildert die Angeklagte die von ihr beobachtete Situation. Dennoch habe er sie an der Stirn getroffen. 

10.02 Uhr. Einmal habe Wilfried W. die Frau dazu angestiftet, die Angeklagte anzugreifen, sagt Angelika. Das habe er auch bereitwillig zugegeben. »Das war mir schon komisch vorgekommen, wie sie so auf mich zukam.«

10.09 Uhr. Auch sei Christel P. am Schweinegatter angekettet worden. Die Idee, sie zu den Schweinen zu stecken, sei von ihr gekommen, sagt die Angeklagte. Er habe ihr daraufhin die Handschellen gegeben.. Sie habe sie dann festgemacht, sagt Angelika W. So habe sie eine halbe Stunde verbringen müssen. 

10.18 Uhr. »Sie hatte Angst vor mir«, sagt Angelika W. über die Beziehung zu Christel P.. Das habe sie Wilfried anvertraut, habe sie als »Kampfpanzer« bezeichnet.

10.22 Uhr. Am Ende habe sie zahlreiche blaue Flecken gehabt. Zu diesem Zeitpunkt sei klar gewesen, dass sie nicht die passende Frau für Wilfried gewesen sei. Also habe sie Zettel angefertigt, die die Fau unterschreiben musste. Damit hätten Wilfried und sie sich schützen wollen, sollte eine der Frauen Anzeige erstatten.

10.25 Uhr. Dann sei Christel zurück nach Magdeburg gebracht worden. Am Bahnhof habe man nach einer neutralen Person gesucht, die die angefertigten Zettel unterschreiben sollte. Auf den Treppen zum Bahnsteig habe ein Mann sich schließlich dazu bereit erklärt, dies zu tun.

11.14 Uhr. Nach einer ersten Pause können die Prozessbeteiligten Fragen stellen.

»Kampfpanzer« und »Hase«

11.20 Uhr. Warum Christel P. vor ihr solche Angst gehabt habe, fragt der Vertreter des Opfers. Sie sei der Feldwebel gewesen, sagt Angelika W. Das müsse Christel selbst erklären, sagt die Angeklagte.

11.25 Uhr. Während Angelika W. für Christel P. der »Kampfpanzer« gewesen sei, habe sie ihn »Hase« genannt, berichtet die Angeklagte. 

11.30 Uhr. Wilfrieds Verteidiger Detlev Binder verliest einen Vermerk aus der Akte des Opfer, nach dem der Angeklagte Christel P. beigestanden haben soll. Wie sie sich das erkläre, will er wissen. Angelika W. bestreitet dies. Die Frau aus Magdeburg habe von einer Zäsur im Verhältnis zu den beiden, sagt Binder. Die Angeklagte sieht das auch so. Wilfried sei derjenige gewesen, der die Situation ins Wanken gebracht habe.

11.36 Uhr. Beiläufig erklärt Angelika W., sie kenne Wilfried mit dem heutigen Tag seit 18 Jahren.

11.43 Uhr. Angelika W. berichtet von Wilfrieds Sorgen um den Wasserverbrauch im Haus in Bosseborn . Einmal seien alle drei an eine Raststätte an der A33 bei Paderborn gefahren. In den dort eingerichteten Duschräumen für Lkw-Fahrer habe er allen dreien »eine Runde« spendiert.

11.47 Uhr. Pfefferspray habe sie zwei oder drei Mal gegen Christel P. eingesetzt. Die Idee sei von Wilfried gekommen. Umgesetzt habe sie die Strafe, einmal jedoch habe auch er gesprüht. 

Telefonat mit Morddrohung?

11.55 Uhr. Wilfried und sie hätten das Opfer dazu gebracht, ihr Geld abzuheben und es Wilfried zu geben, sagt die Angeklagte. Christel P. jedoch, so Binder, habe geschildert, dass das Paar ihr sogar die Bankkarte abgenommen habe.

11.58 Uhr. Nachdem Christel P. wieder zuhause in Magdeburg war, sei es noch einmal zu einem Telefonat gekommen. Sie habe damals versucht, sie erneut für Wilfried zu gewinnen, sagt Angelika W. Christel P. hingegen habe ausgesagt, verliest Detlev Binder, die Angeklagte habe ihr damit gedroht, sie umzubringen.

12.09 Uhr. In der Vernehmung soll Christel P. gesagt haben, Angelika und Wilfried W. hätten sich gegenseitig hochgeschaukelt, bevor es zu Gewalt gegen sie kam. Ja, sagt Angelika W., mit Worten. Die körperliche Gewalt soll schließlich von Wilfried ausgegangen sein.

12.15 Uhr. »Urplötzlich waren die beiden andere Menschen«, soll Christel P. ausgesagt haben. Wie sie sich das erkläre, will Wilfrieds Verteidiger Carsten Ernst wissen. Angelika W. wagt einen Erklärungsversuch: Christel sei bei ihrer Rückkehr nach Weihnachten in ein Klima hereingekommen, in dem die Erwartungen ihr gegenüber sehr hochgesteckt waren.

12.23 Uhr. Mittagspause im Bosseborn-Prozess.

13.16 Uhr. Wilfrieds Verteidiger Detlev Binder hat sich in der Pause krankheitsbedingt verabschiedet. Nun geht es weiter um die beiden Opfer Anika W und Susanne F. Was sie gemacht hätte, hätte eine von beiden nach einem Arzt verlangt, will Richter Bernd Emminghaus wissen. Wilfried hätte sie davon überzeugt, dass dies eine schlechte Idee sei, sagt Angelika W.

16 Monate mit Kati O.

Wilfried W sagt weiterhin nicht aus. Foto: Ludmilla Ostermann

13.26 Uhr. Das Opfer Kati O. ist jetzt Gegenstand der Einlassungen von Angelika W. Die Frau trat im April/ Mai 2009 in das Leben des Paares getreten. 16 Monate sei sie mit Wilfried - der damals noch alleine in Berlebeck lebte - zusammen gewesen.

13.30 Uhr. Kati soll besondere gesundheitliche Probleme gehabt haben, leitet Emminghaus ein. Bei einem Spaziergang sei sie gefallen und habe behauptet, mit dem Fuß umgeknickt zu sein, sagt Angelika W. Tatsächlich aber habe sie unter Epilepsie gelitten. 

13.42 Uhr. Gewalt gegen die Frau sei von Wilfried W. ausgegangen, sagt die Angeklagte. Einmal habe der Angeklagte Kati mit einem heißen Bügeleisen bedroht, schildert Angelika W. aus Erzählungen Wilfrieds. In einer früheren Vernehmung hatte Angelika W. jedoch ausgesagt, auch sie habe Kati O. Gewalt zugefügt. »Irgendwann hatte ich auch die Faxen dicke«, erklärt die Angeklagte.

13.52 Uhr. Wilfried habe »Kampfgriffe« an Kati O. ausgeübt. Doch nicht nur das. Einmal habe der Angeklagte die Wohnung des Opfers unter Wasser gesetzt. Das sei eine Strafmaßnahme gewesen.

13.55 Uhr. Während Wilfried die epileptischen Anfälle für vorgetäuscht hielt, habe sie an die Erkrankung geglaubt, sagt die Angeklagte. Sie habe sie sogar zu Ärzten begleitet und Medikamente besorgt.

13.57 Uhr. In einer früheren Vernehmung habe Angelika W. von einer »Martina aus dem Osten« gesprochen. Mittlerweile sei die Frau ermittelt worden, verkündet Richter Emminghaus und werde auch irgendwann im Laufe des Prozesses gehört werden. Die Frau muss laut Angeklagter kurz vor Christel P. in Bosseborn gewesen sein. 

Überlegungen, Wilfried anzuzeigen

14.05 Uhr. Seit einer Woche spiele sie mit dem Gedanken, Wilfried wegen der Misshandlungen gegen sie anzuzeigen, deutet Angelika W. an.

14.17 Uhr. Kati O. habe eine einstweilige Verfügung gegen sie erwirkt, gibt Angelika W. auf Nachfrage zu. Grund dafür seien Anrufe gewesen, die sie nach dem Ende der Beziehung zu Wilfried getätigt hatte.

14.24 Uhr. Richter Emminghaus will nun über das Thema Geld sprechen. Wer die Damen darauf angesprochen habe, will er wissen. Sie habe es in seinem Auftrag getan. Weit über 300.000 Euro will das Paar von den Frauen erhalten haben, sagt Angelika W. - ihr eigenes inklusive. 

14.30 Uhr. 55.000 Euro seien von einer Kirsten aus Detmold gekommen, die laut Angeklagter zuvor als Finanzbeamtin gearbeitet hatte. Kirsten habe zeitgleich mit Anika W. eine Beziehung zu Wilfried gehabt, schildert Angelika W.

15.02 Uhr. Nach einer Pause geht es weiter ums Geld. Ob man nicht einmal ein paar Euro ausgeben hätte können für das Heizen des Hauses, will Richter Emminghaus wissen. »Er hatte doch vor, auszuwandern«, deshalb seien Investitionen wie diese nie Thema gewesen. 

15.08 Uhr. Angesprochen auf das Motiv für die Auswanderungspläne sagt Angelika W.: »Er hat mir gesagt, er würde mit ausländischen Frauen besser klarkommen als mit deutschen.« Ihm gefalle es, wenn die Frau dem Mann gehorche. Für sie sei ein Leben im Ausland nie infrage gekommen.

Zettel zur Absicherung

15.12 Uhr. Erneut kommen nun die Zettel zur Sprache, die das Paar die Frauen hat unterschreiben lassen. Susanne F. hatte in so einem Zettel vom 10. März 2016 Wilfried die Vormundschaft übertragen. Sie sei in einer Psychiatrie gewesen und habe dem tatsächlich zugestimmt, sagt die Angeklagte aus. Bei der Unterschrift sei sie aber nicht dabei gewesen.

15.19 Uhr. Ein weiteres Schreiben vom 8. April 2016 besagt, Angelika W. habe Susanne F. die Haare versengt. Sie sei masochistisch und Wilfried W. habe nichts damit zu tun. Ein weiteres Mal heißt es: »Meine blauen Flecken kommen daher, dass ich gestolpert bin (…) Kater »Mikesch« hat mich am Auge gekratzt, (…) mein Asthma habe ich gespielt (…)«. Die Angeklagte erklärt, dies stimme nicht, die Verletzungen stammten von Menschenhand.

15.38 Uhr. Der achte Verhandlungstag ist beendet. Der Prozess wird am 24. Januar fortgesetzt - dann mit der Vernehmung erster Zeugen. 

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