Do., 19.01.2017

»Horror-Haus«-Prozess: Angeklagter soll auch begutachtet werden Wilfried W. will reden

Wilfried W. mit seinen Verteidigern Dr. Detlev Binder und Dr. Carsten Ernst.

Wilfried W. mit seinen Verteidigern Dr. Detlev Binder und Dr. Carsten Ernst. Foto: Schwabe

Von Christian Althoff

Paderborn (WB). Im Mordprozess um das »Horror-Haus« von Höxter will der Angeklagte Wilfried W. (46) sein Schweigen brechen und sich nun doch psychiatrisch begutachten lassen.

Am Rande des achten Verhandlungstages sagten seine Verteidiger Dr. Detlev Binder und Dr. Carsten Ernst, es führe kein Weg mehr daran vorbei, dass ihr Mandant seine Sicht der Dinge schildere.

Seit Beginn der Verhandlung im Oktober hören die Prozessbeteiligten nur die Version der Mitangeklagten Angelika W. (47). Sie gibt zu, an den Quälereien von Frauen im »Horror-Haus« maßgeblich beteiligt gewesen zu sein, sagt aber auch, Wilfried W. habe das von ihr erwartet und sie in Einzelfällen zu den Misshandlungen aufgefordert.

Wilfried W. wird zunehmend unruhiger

Wilfried W. wird seit einigen Verhandlungstagen zunehmend unruhiger. Immer wieder schüttelt er den Kopf, wenn Angelika W. etwas sagt, und blickt ins Publikum, als wolle er fragen: »Seht Ihr, dass ich nicht einverstanden bin?«

Er schreibt eine DIN-A-4-Seite nach der anderen mit Anmerkungen zu den Aussagen der Mitangeklagten voll und tuschelt immer häufiger mit seinen Verteidigern.

Ob sich Wilfried W. so verhält, weil Angelika W. aus seiner Sicht etwas Falsches sagt, oder ob er es einfach nicht mehr erträgt, dass seine Ex-Frau seit Monaten im Zentrum der Verhandlung steht, ist schwer zu sagen.

Der Angeklagte liebt die Aufmerksamkeit

Klar ist: Der 46-Jährige liebt die Bühne und braucht Aufmerksamkeit. Das hat nicht nur der erste Prozesstag gezeigt, als er sich im Scheinwerferlicht der Fernsehkameras sichtbar wohlfühlte. Auch in der Justizvollzugsanstalt Detmold , wo er in Untersuchungshaft sitzt, genießt er die Aufmerksamkeit der Mithäftlinge und gab dort, wie er einem Bekannten stolz erzählte, »schon 46 Autogramme«.

Wann Wilfried W. sein Schweigen bricht, können die Anwälte noch nicht sagen. Dr. Binder: »Es ist sinnvoll, dass er sich vorher begutachten lässt.« Das hatte der 46-Jährige bisher abgelehnt.

Der vom Gericht beauftragte Psychiater Dr. Michael Osterheider konnte deshalb nur auf Grundlage der Ermittlungsakte und der ersten Verurteilung Wilfried W.s von 1995 ein vorläufiges Gutachten erstatten. Es beschreibt Wilfried W. als voll schuldfähig und empfiehlt, ihn nach Ablauf der Haft in Sicherungsverwahrung zu nehmen.

Schlimmer kann es für den Angeklagten also nicht kommen, wenn er sich jetzt psychiatrisch untersuchen lassen sollte.

Der Prozess wird am kommenden Dienstag fortgesetzt. Der Vorsitzende Richter Bernd Emminghaus kündigte an, das Gericht wolle dann die Nachbarn aus Höxter-Bosseborn befragen.

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