Di., 07.02.2017

Tag zehn im Prozess um das »Horror-Haus«: Angelika W. spricht weiter über die Opfer Liveticker im Bosseborn-Prozess: »Ich wollte sie erniedrigen«

Die Angeklagten auf der Anklagebank.

Die Angeklagten auf der Anklagebank. Foto: Ann-Christin Lüke

Von Ann-Christin Lüke

Paderborn (WB). Der Prozess in Fall Bosseborn geht weiter: Nachdem erstmals die Nachbarn von Angelika W. und Wilfried W. zu Wort gekommen sind, ist an diesem Dienstag wieder Angelika W. im Zentrum der Befragungen am zehnten Prozesstag vor dem Landgericht Paderborn.

9.08 Uhr: Der Prozess startet mit einer kleinen Verspätung. Die Vernehmung von Angelika W. wird fortgesetzt. Zuletzt waren die Nachbarn aus Höxter-Bosseborn zu Wort gekommen. Nun geht es weiter um die Opfer .

9.12 Uhr: Erneut kommen die Zettel zur Sprache, die das Paar die Frauen hat unterschreiben lassen und die überall im Haus gefunden wurden. Mit diesen Dokumenten wollte sich das Paar stets absichern. Susanne F. hatte etwa am 30. März 2016 unterschrieben, welche Strafen Wilfried W. ausführen dürfen, sollte sie Fehler begehn. Dr. Carsten Ernst, Anwalt von Wilfried W., möchte von der Mitangeklagten Angelika W. wissen, ob Susanne F. dieses aus eigenem Antrieb geschrieben habe, oder ob ihr der Inhalt diktiert wurde.

9.16 Uhr: »Wilfried hat nie was diktiert und ich habe es auch nicht«, sagt Angelika W. dazu. Die Zettel seien das Ergebnis stundenlanger Diskussionen zwischen F. und W. gewesen.

9.25 Uhr: Im Weiteren geht es um ein fingiertes Kündigungsschreiben zur Wohnung von Susanne F. Dazu liegt dem Gericht ebenfalls ein Schriftstück vor. Die Angeklagte sagt, dass Wilfried W. die Kündigung nutzen wollte, um die Frau weiter unter Druck zu setzen. Susanne F. sollte glaubhaft gemacht werden, ihre Wohnung sei weg. Wie die Unterschrift von Susanne F. auf die Wohnungskündigung gekommen ist, bleibt unklar.

Psychopharmaka im Haus

9.33 Uhr: Richter Bernd Emminghaus möchte wissen, warum das Datum bei einem der gefundenen Zettel vom 21. auf den 14. März 2016, also kurz vor dem Tode von Susanne F., geändert wurde. Darin schreibt die Frau, dass sie lieber sterben wolle, als ins Gefängnis zu gehen. Und wie sehr sie Wilfried liebe. Der Brief war als »Mein Abschiedsbrief« tituliert. Angelika W. gibt dazu an, dass Susanne F. sich schlicht im Datum vertan habe. Sie habe sie darauf aufmerksam gemacht, als Susanne F. den Brief am Küchentisch geschrieben habe.

9.39 Uhr: Susanne F. gab in einem Schriftstück auch an, Psychopharmaka einzunehmen. Die verschreibungspflichtigen Tabletten waren bereits im Haus, erklärt Angelika W. Sie stammten noch vom vorherigen Opfer Annika W., das im Haus in Bosseborn nach den Misshandlungen gestorben war und von Angelika W. zerstückelt und verbrannt wurde. Wilfried habe vorgeschlagen, Susanne F. solle die Tabletten versuchsweise nehmen, um ihr »verwirrtes Reden« in den Griff zu bekommen.

Mit Toilettenbürste misshandelt

9.44 Uhr: Richter Emminghaus möchte Details zu einem Schriftstück vom 7. April 2016 wissen. Darin schreibt Susanne F. von Misshandlungen durch Angelika W., die ihre Zahnbürste in die Toilette gesteckt habe, sie in die Badewanne geschubst habe. Sie sei ihr ständig auf die Nerven gegangen, erklärt die Angeklagte. »Als sie einzog, hatte sie ganz normal Zahnbürste und Becher, wie man das so hat. Am Anfang durfte sie auch in Wilfrieds Bad«, sagt Angelika W.

9:50 Uhr: Später durfte Susanne F. auch in das Bad im Erdgeschoss, welches von Angelika W genutzt wurde. Das habe sie immer wieder genervt, so die Angeklagte. Dann beschreibt sie eine konkrete Szene, in der Susanne F. in ihrem Bad gestanden habe. »Sie hatte sich wieder eingenässt.« Susanne sei frech geworden und habe sie aufgehalten. »Da habe ich einmal ihre Zahnbürste genommen und unter dem Toilettenrand hergezogen und ihr dann in den Mund gestopft.« Dies habe aber nicht geholfen, damit Susanne F. sich beeilte. »Da habe ich ihr gesagt, sie solle sich doch die andere Bürste unten reinstecken«, sagt Angelika W. Danach habe Susanne die Toilettenbürste tatsächlich selbst genommen und in ihre Scheide eingeführt.

9.54 Uhr: »Ich wollte sie erniedrigen«, erklärt die Angeklagte. Eine sexuelle Komponente habe es nicht gegeben. Stattdessen wollte sie Susanne F. vor Wilfrieds Augen erniedrigen. Der habe daneben gestanden und zugesehen. Wilfried W., der bisher im Prozess geschwiegen hat, schüttelt den Kopf. »Gelogen.«

Platz für andere Frauen geräumt

9.57 Uhr: Immer wenn eine Frau da gewesen sei, habe sie ihren Platz räumen müssen. Deshalb bezeichnete sie Wilfried und Susanne F. immer als »die Herrschaften«, so die Angeklagte. »Sehen Sie das heute anders?«, fragt Richter Emminghaus. Angelika W.: »Heute würde ich eher sagen. dass sie zu mir gehört haben.« Für Dr. Detlev Binder, Anwalt von Wilfried W., steht das im Kontrast zu ihrer Aussage, sie habe Wilfried immer geliebt.

10.02 Uhr: Binder möchte wissen, ob Angelika W. Beispiele für freche Antworten von Susanne F. nennen kann. Eine konkrete Antwort gibt es nicht. Susanne F. habe sie aufgehalten, wiederholt die Angeklagte mit Blick auf die genannte Bad-Szene. Sie habe noch Eier verkaufen müssen, setzt die Angeklagte hinzu. Susanne habe ihr zwar angeboten für den Schaden aufzukommen, das habe sie aber als frech empfunden. »Das hätte mir ja nichts gebracht«, so Angelika W.

Angst vor Rauswurf

10.11 Uhr: Nun geht es um frühere Aussagen. Angelika W. gibt an, Angst gehabt zu haben, aus dem Haus geworfen zu werden. Wilfried W. habe auch Druck gemacht, dass sie sich eine eigene Wohnung suche. Er habe ihr gesagt, dass es für sie nicht schön sei, ihn mit einer anderen Frau zu sehen.

10.21 Uhr: »Wäre es für Sie denn eine Alternative gewesen auszuziehen?«, fragt der Richter. Die Angeklagte sagt, sie habe ja ein Jahr in Detmold gelebt, aber ihr Handy sei immer griffbereit gewesen. Wilfried habe sie ständig angerufen. Generell sei es auch billiger gewesen, zusammen zu leben. »Richtig gewollt hätte ich es von mir aus auch nie.«

10.23 Uhr: Die Verhandlung pausiert.

Kampf mit Ziegenbock

11.07 Uhr: Es geht weiter. Richter Emminghaus möchte wissen, was es mit Wilfried Ws. Kämpfen mit einem Ziegenbock auf sich hat. Dies hatte Angelika W. in einer früheren Vernehmung geschildert. Die Angeklagte gibt an, dass es W. dabei wohl um das Kräftemessen mit dem Tier ging. »Der arme Bock hat am Ende k.O. am Boden gelegen. Mir war das ganz lieb, er hat ja auch ständig mit mir dieses Boxen gespielt.« Sie habe darauf aber keine Lust gehabt.

11.11 Uhr: »Mir waren Tiere immer lieber als Menschen. Mich haben Tiere noch nie so verletzt wie ein Mann oder eine Frau«, setzt sie hinzu mit Blick auf ihr Verhältnis zu Tieren.

11.13 Uhr: Da der Gutachter Prof. Dr. Michael Osterheider krank ist, wird das Thema vorerst beendet. Der Psychator soll Aussagen zum psychischen Zustand von Wilfried W. treffen. Stattdessen geht es um die finanzielle Situation des Paares in den vergangenen Jahren. Eine der Frauen, die Wilfried zeitweise getroffen habe, namens Kirsten habe Angelika W. regelmäßig besucht, um Geld abzuholen. Wilfried sei im Auto sitzen geblieben. Das Geld sei meist schon in einem Umschlag bereitgelegt worden. Das Geld habe sie immer Wilfried gegeben. Ein Teil sei in einer Geldkassette gelandet, zu der Wilfried W. nur Zugang hatte. Ein anderen Teil habe er direkt an sich genommen.

11.18 Uhr: »Wie sind sie an das Geld gekommen?«, möchte Anwalt Detlev Binder. Er will speziell wissen, ob Drohungen gegenüber den Frauen ausgesprochen wurden. Das Geld sei immer für Wilfried gewesen, betont die Angeklagte. Sie habe Kirsten Druck gemacht. So habe sie ihr gesagt, dass sie ihr die Autoreifen zerstechen würde. »Aber das war alles nur Gerede«, sagt Angelika W. Im Laufe der Zeit habe Kirsten gewusst, dass sie ihr nichts tue. »Aber ich wusste, mit welchen Argumenten ich sie kriege. Sie wollte ja auch, dass es dem armen Wilfried gut geht.«

11.24 Uhr: Es mag sein, dass sie auch mit einem Freund Günther gedroht habe, räumt die Angeklagte ein. Den habe aber Wilfried erfunden. Sie habe nach der Scheidung den Ehering weitertragen sollen. Damit es so aussah, als sei sie verheiratet. »Einen Günther hat es nie gegeben«, sagt Angelika W. schmunzelnd.

Wohnung in Beverungen

11.27 Uhr: Das andere Opfer Annika W. ist nun Thema. Sie war im August 2014 an den Folgen der Misshandlungen durch das Paar gestorben. Für Annika W. hatte das Paar eine Wohnung in Beverungen angemietet, als Wilfried W ihrer überdrüssig wurde. Angelika W.: »Wilfried wollte sie aus dem Haus haben. Meine Vermutung: Platz für die Nächste.« Wohnungen suchen für andere Vorfrauen, habe sie schon vorher gemacht. Annika W. habe sie als ihre Bekannte ausgegeben und sei mit ihr dort hingefahren, um die Wohnung zu besichtigen. Diese habe den Mietvertrag unterschrieben und sich dann bei der Stadt Beverungen angemeldet, im Beisein des Paares.

11.33 Uhr: Die Abmeldung sei am 25. Juni 2014 erfolgt. Ende Juli habe das Paar Annika wieder abgemeldet bei der Stadt Beverungen, als Grund wurde ein Umzug in die Niederlanden angegeben. Zu dem Zeitpunkt habe Annika W. schon schlecht laufen können. Angelika W.: »Die Haare waren da schon ziemlich kurz. Streichholzschnitt.« Der Richter möchte mehr zum damaligen Zustand der Frau erfahren und darüber, ob dies jemandem bei der Stadt aufgefallen war. Dies verneint die Angeklagte. Annika habe wohl noch Blutergüsse gehabt an den Armen und im Gesicht. Immer wenn das Paar mit der Frau in der Öffentlichkeit war, habe Wilfried aber darauf geachtet, dass blaue Flecken überschminkt wurden.

11.39 Uhr: »Es war auf alle Fälle nicht geplant, dass die arme Annika bald nicht mehr lebt.« Sie habe nicht den Gedanken gehabt, dass Annika W. sterben würde. Die Ummeldung sei Wilfrieds Idee gewesen, beteuert Angelika W.

11.43 Uhr: Warum die Wahl auf die Niederlanden fiel, möchte Richter Emminghaus wissen. Die Antwort von Angelika W. fällt lang aus und bleibt vage. Einer der Gründe: Dort hätte Wilfried einen Führerschein machen und nachziehen können. Zudem habe er Druck auf das Opfer ausgeübt, wonach Angelika W. eine Armverletzung Annika W. unterschieben könnte.

11.53 Uhr: Anwalt Detlev Binder möchte wissen, ob Angelika W. jemals behauptet habe, Annika W. sei todkrank. Dies soll gegenüber einer Spielhallenaufsicht geäußert worden sein. Die Angeklagte bestreitet das.

Blick ins Sexualleben

11.56 Uhr: Richter Emminghaus möchte wissen, ob Angelika W. jemals mitbekommen habe, das Annika W. den Urin von Wilfried W. trinken musste. Wenn Wilfried sich erleichtert habe, sei ihr aufgefallen, dass Annika recht schnell hinterher flitzte. Wochen später habe sie ihn dann darauf angesprochen. Seine Antwort: »Die Annika will das ja so.« Sie habe es ihm zudem versprochen. Selber gesehen habe sie den Vorgang aber nicht. Dennoch habe Wilfried ihr Details geschildert. »Da ging kein Tropfen daneben.«

11.59 Uhr: In das Sexualleben habe sie sich nie eingemischt. Sie habe Annika W. nur gut zugeredet, wenn diese ihre Versprechen nicht einhielt und Wilfried unzufrieden wirkte.

12.02 Uhr: Die Mutter des Opfers möchte wissen, ob ihre Tochter den Wunsch geäußert hätte, wieder nach Hause zu können. Dies verneint Angelika W. »So langsam tut es mir selber leid«, sagt die Angeklagte. Aber sie lüge nicht. Sie können noch viel mehr erzählen.

12.12 Uhr: Detlev Binder fragt, ob sie zu Beginn der Beziehung zwischen Wilfried W. und Annika W. sich in Kurznachrichten als Wilfried W. ausgegeben. Waren es längere Nachrichten, sei es vermutlich von ihr gekommen, so die Angeklagte. Binder zitiert aus einer Nachricht, wonach Annika W. ihre Vorliebe »für härtere Männer« kundtat. Sei darüber gesprochen worden? An die konkrete Nachricht könne sie sich nicht erinnern, so die Angeklagte. Wilfried W. wirkt indes unruhig, immer wieder macht er Notizen und sucht das Gespräch mit seinen Anwälten.

12.20 Uhr: Die Verhandlung wird für eine Pause unterbrochen.

Bilder zeigen Verletzungen

13.11 Uhr: Es geht weiter. Richter Emminghaus möchte wissen, was es mit dem Schmuck auf sich hat, der in Bosseborn gefunden wurde. Das waren zum Großteil Wilfrieds Uhren, sagt die Angeklagte. Eine der Uhren habe sie ihrem Vater geschenkt und habe sie dann Wilfried weiter gegeben, damit er sie nicht mehr angreife. Wenn Ohrringe gefunden wurden, dann »sind sie von Susanne oder Annika dageblieben«.

13.17 Uhr: In einer Vernehmung waren Angelika W. Fotos vorgelegt worden, die jetzt Gegenstand der Verhandlung werden. Dabei geht es um Aufnahmen von Verletzungen der Frauen, die vorne am Richtertisch angeschaut werden. Die Bilder wurden demnach im Haus in Bosseborn sichergestellt.

13.22 Uhr: Wilfried W. setzt sich nach wenigen Minuten aber wieder hin. Winkt ab, schreibt weitere Notizen.

13:36 Uhr: Auch ein Bild, das vermutlich Annika W. wartend im Auto zeigt, ist Gegenstand der Begutachtung. Dieses Foto soll Wilfried W. gemacht haben, während Angelika W. mit dem Vermieter in Beverungen gesprochen hat. Annika sei körperlich zu diesem Zeitpunkt nicht in der Lage gewesen, selbst in die Wohnung zu gehen.

13.48 Uhr: Ein Bild zeigte, wie Annika W. in die Badewanne steigt, nachdem sie an einer Heizung fest gekettet war. Laut Angeklagter hatte sie das Foto gemacht, um Wilfried zu zeigen, wie viel Arbeit es gewesen sei, sie wieder »sauber zu machen«. Anwalt Binder: »Wie hat Wilfried auf solche Fotos reagiert?« »Alles was mit übergeben, einnässen oder einkoten zu tun hat, brauchte er mir gar nicht sagen, dass er das nicht machen will«, lautet die Antwort der angeklagten. Wilfried habe keine nennenswerte Reaktion gezeigt.

13.54 Uhr: Die Erlaubnis sich zu melden, wenn sie in der Nacht auf Toilette musste, habe Annika nicht gehabt, so die Angeklagte. Sie habe darüber auch nicht das Gespräch mit Wilfried gesucht. »Für mich war klar, dass es ist seine Frau, sein Haus, seine Regeln.« Warum die Frau angekettet werden musste, möchte Richter Emminghaus wissen. Die Idee kam von der Angeklagten. Angelika W. setzt hinzu, dass das Festbinden eine gemeinsame Entscheidung von Wilfried und ihr gewesen sei. Eine Alternative dazu wollte sie sich nicht überlegen. »Dann hätte ich ja zu ihr gehalten. Das ging doch nicht.«

14.02 Uhr: Weiter geht es mit der Begutachtung von Fotos.

14.06 Uhr: Detlev Binder möchte den Unterschied zwischen Fesseln und Anbinden wissen. Angelika W. erklärt das mit ihrer Kindheit. Sie sei mit Tieren groß geworden. Die seien nie gefesselt worden.

14.20 Uhr: Fotos zeigen diverse Frauen. An manche kann Angelika W. sich nicht erinnern. Andere seien auch in Bosseborn zu Gast gewesen. Manche Fotos seien vermutlich von den Frauen an Wilfried geschickt worden, sagt die Angeklagte.

Panik vor der Verhaftung

14.33 Uhr: Am 25. April 2016 schrieb Angelika W. an Wilfried W.: »Ich, Angelika, garantiere dir, dass ich dich nie wieder nervös mache oder frieren lasse, sonst schneide ich mir die Nippel ab.« Den Zettel habe sie geschrieben, nachdem er wieder mit ihr im ungeheizten Haus diskutieren wollte.

14.38 Uhr: Zuvor war am 22. April Susanne F. an den Folgen der Misshandlungen in einem Krankenhaus verstorben, als das Paar die entkräftete Frau wieder nach Hause bringen wollte. Wilfried habe überlegt, sich gemeinsam ins Ausland abzusetzen. »Mit Annika im Nacken« sei er nervös geworden.

14:42 Uhr: Der Kripo hatte sie nach der Festnahme zunächst erzählt, sie wäre mit Susanne F. alleine unterwegs gewesen, um Wilfried herauszuhalten, so die Angeklagte. Kurz darauf war das Paar dann verhaftet worden.

14.48 Uhr: Dem Gericht liegt zudem eine Vollmacht vom 17. April vor, die Susanne F. Angelika W. erteilte, um sie umzumelden. Auch F. sollte in die Niederlande ziehen. Kurz vor ihrem Tode habe F. aber geäußert sie wolle in ihre Heimat nach Bad Gandersheim zurückkehren. Zum Ende sei Susanne F. »willenlos« gewesen. Zum Einsatz kam das Schriftstück aber nicht.

Rattengift versteckt

14.53 Uhr: »Haben Sie Situationen erlebt, in denen Annika Wilfried dazu aufgefordert habe, sie mit einem Gürtel zu bestrafen?«, fragt Wilfried W.s Anwalt Detlev Binder die Angeklagte. Dies treffe zu, sagt Angelika W. »Kann das Ganze auch einen sexuellen Hintergrund gehabt haben?«, setzt der Richter hinzu. »Kann ich mir nicht vorstellen«, lautet die Antwort.

14.57 Uhr: Wilfried habe sie häufig gefragt, wie er mit den Frauen umgehen sollte. Im Bezug auf die Bestrafung für Annika habe es sie daher nicht gewundert, dass er sie fragte, ob er dies wirklich tun sollte. Generell sei Wilfried bei ersten Treffen vorsichtig. »Er hatte Angst davor, sich etwas einzufangen«, sagt Angelika W.

15.00 Uhr: Auch bei ihrem Essen hatte er Bedenken, sie könnte ihm Rattengift untermischen. Deshalb habe er es irgendwann versteckt, erinnert sich die Angeklagte lachend.

15.02 Uhr: Zur Verhaftung schildert Angelika W., wie Wilfried getobt habe, als man ihn verhaftet hatte. Zuvor waren sie einmal in der Woche an der JVA Bielefeld vorbei gekommen. Da habe Wilfried ihr des öfteren gesagt: »Hier landest du auch mal.« Er sei sich keiner Schuld bewusst gewesen. »Wilfried ist gut darin, sich Dinge einzureden.«

15.12 Uhr: Themenwechsel: Detlev Binder möchte wissen, wie es zur Idee kam, das Haus in Bosseborn zu verkaufen - in dem das Paar zur Miete gelebt hat. Angelika W. sagt, die Idee entstand nach dem Tod von Annika W. als Wilfried W. auswandern wollte. Das Haus in Bosseborn hätte ihm zum 1. Januar 2018 gehören können, wenn er die Miete abbezahlt hätte. Spielte es eine Rolle, dass ein Mensch in dem Haus umgekommen war? »Ja, es war die Geschichte mit Annika.«

15.19 Uhr: Der zehnte Vehrandlungstag ist beendet.

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