Di., 14.02.2017

Am elften Verhandlungstag vor dem Paderborner Landgericht sagen zwei Kripobeamte aus Bosseborn-Liveticker: Seine Mutter nannte Wilfried einen Pantoffelhelden

Der elfte Verhandlungstag im Prozess um das »Horror-Hus« von Höxter-Bosseborn hat begonnen.

Der elfte Verhandlungstag im Prozess um das »Horror-Hus« von Höxter-Bosseborn hat begonnen. Foto: Ludmilla Ostermann

Von Ludmilla Ostermann

Höxter/Paderborn (WB). Am elften Verhandlungstag im Prozess um das »Horror-Haus« von Höxter-Bosseborn kommen wieder  Zeugen zu Wort. Geladen sind auch zwei Polizisten, die den Angeklagten Wilfried W. (46) nach seiner Festnahme im April 2016 vernahmen. Sie berichten von einem kooperativen Mann, der alle Schuld von sich weist.

9.18 Uhr. Zu Beginn der Verhandlung ist Wilfrieds Kampf mit dem Ziegenbock noch einmal Thema. Auch habe er einmal einer Ziege eine Katze auf den Rücken geworfen oder ein Huhn in den Schweinestall gesteckt. Er habe immer sehen wollen, wie der Kampf zwischen stark und schwach ausgeht, sagt Angelika W.

9.23 Uhr. Auch habe Wilfried eine Katze dem Rottweiler »Luna« vorgesetzt. Dieser habe sie totgebissen. »Und dann hat Wilfried die Katze den Schweinen zum Fraß vorgeworfen«, sagt die Angeklagte. Warum sie dies überhaupt zugelassen habe, fragt Wilfrieds Verteidiger Detlev Binder. Sie habe nichts zu sagen gehabt, lautet ihre Antwort. 

9.28 Uhr. Sobald ihr irgendetwas lieb und teuer war, sei es zerstört worden, sagt Angelika W. 

9.35 Uhr. Nun geht es noch einmal um Wilfrieds Angst, vergiftet zu werden. Angelika W. erzählt vom Haus in Höxter-Bosseborn, in dem es viele Ratten gab. Irgendwann habe Wilfried die Befürchtung gehabt, sie habe ihn mit Rattengift vergiften wollen und habe ihr das Gift weggenommen.

9.44 Uhr. »Um sich selber war er schon immer sehr besorgt«, sagt die Angeklagte. Wenn er neue Damen kennengelernt hatte, so habe er auch immer Bedenken gehabt, was deren Gesundheitszustand angeht. »War eine erkältet, hat er mit einem Treffen gewartet.«

Zeuge F. : Susanne habe sich Angelika zugewandt  

10.07 Uhr. Als erster Zeuge sagt nun Polizist F. aus, einer der Polizisten, die Wilfried W. nach der Festnahme vernommen hat.

10.09 Uhr. Er berichtet zunächst vom Tag der Festnahme: Wilfried W. habe sich widerstandslos festnehmen lassen. Auf der Fahrt ins Polizeirevier habe F. den Angeklagten mit den Mordvorwürfen konfrontiert. Er habe seine Unschuld beteuert und Angelika belastet. 

10.14 Uhr. In der anschließenden Vernehmung habe Wilfried von der Liebesbeziehung zum Opfer Susanne F. gesprochen. Nach wenigen Wochen habe sie das Interesse an ihm verloren und sich Angelika zugewandt. Die späteren Streitereien zwischen den beiden will er nicht mitbekommen haben, sagt Zeuge F.

10.17 Uhr. Die Fesselmale an den Händen von Susanne F. habe er in der Vernehmung mit Fesselspielen begründet. Er habe in seinen Aussagen »herumgeeiert«, sagt der Zeuge aus.

10.22 Uhr. Richter Bernd Emminghaus möchte mehr Details zur Beziehung zwischen Susanne F. und Angelika W. wissen. Der Angeklagte habe von Küssen und Streicheln gesprochen, sich aber in Details nicht geäußert, sagt der Polizist.

10.26 Uhr. Zeuge F.: Angelika habe sich in die Gewaltausbrüche damals hineingesteigert. Das habe Wilfried damals ausgesagt. 

»Die ganze Situation ist nicht nachvollziehbar gewesen für mich«

10.28 Uhr. Er habe vieles nicht glauben können während der Vernehmung, sagt der Zeuge. »Die ganze Situation ist nicht nachvollziehbar gewesen für mich.«

10.34 Uhr. Der Angeklagte habe auf Zettel und Handyvideos hingewiesen, die seine Unschuld belegten. 

10.42 Uhr. Der Angeklagte habe ausgesagt, von der Gewalt im Haus nichts bekommen zu haben, weil er arbeiten gewesen sei. Später habe er wiederum erzählt, arbeitssuchend gewesen sei.

10.48 Uhr. Welchen Eindruck der Zeuge von Wilfried W. gehabt habe, will der Vertreter von Susanne F. wissen. »Er schien überhaupt nicht überrascht zu sein, als wir kamen«. Zunächst sei er auch kooperativ gewesen. Er habe auch den Eindruck gehabt, dass eine Taktik abgesprochen gewesen sei. Derart, dass er »aus der Sache raus« sei, sagt der Zeuge.

10.52 Uhr. Den Intellekt des Angeklagten schätzt der zeuge als unterdurchschnittlich ein. Dahinter habe er sich während der Vernehmung auch versteckt. Ob er sich hätte anders darstellen können, will Psychiater Michael Osterheider wissen. »Nein«, sagt der Zeuge.

10.59 Uhr. Die Tatsache, dass er ruhig und gefasst gewesen sei habe doch auch darauf hindeuten können, dass er unschuldig ist, will Wilfrieds Verteidiger Binder wissen. »Das könnte es«, sagt Zeuge F.

Es habe ihn stolz gemacht, sein Haus im Fernsehen zu sehen

11.42 Uhr. Nach einer Pause sagt nun ein weiterer Polizist aus, der in der Mordkommission Bosseborn mitgearbeitet hat. Er sei mit einer Nachvernehmung beauftragt worden, sagt Zeuge K.

11.46 Uhr. Der Angeklagte habe zuvor darum gebeten, die Vernehmung mit einfachen Worten durchzuführen. Es habe ihn stolz gemacht, sein Haus im Fernsehen zu sehen, sagt der Zeuge. Ihm sei die Reaktion der Mitgefangenen wichtig gewesen, die von dem Fall hörten. Er habe ienen gewissen Stolz gehabt, teilt der Polizist seinen Eindruck mit.

11.50 Uhr. Er habe aus seiner Kindheit und Jugend mit einem prügelnden Vater berichtet, von einer Ausbildung als Hundeführer bei der britischen Armee, von seinem Schulabbruch nach der neunten Klasse auf einer Förderschule. 

11.53 Uhr. In der Vernehmung sei Wilfried W. auf die Beziehung zu Angelika eingegangen. Diese habe sich hin zu einer WG entwickelt, nachdem er die Lust an ihr verloren habe.

11.56 Uhr. Über die Praxis der Kontaktanzeigen sagt der Zeuge K.: Sobald eine Frau eine Familie um sich gehabt hätte oder Kinder sei es über ein Kaffeetrinken nicht hinaus gegangen.

»Dafür bin ich einfach zu doof«

12.01 Uhr. Mit einer Christel B. aus Magdeburg soll sich Angelika gestritten und geprügelt haben. Das habe er sich aber nur angeschaut, erinnert sich der Polizist an eine Aussage Wilfrieds. Dieser habe in der Vernehmung sogar gesagt, körperliche Gewalt würde er nicht einsetzen.

12.11 Uhr. Auf die Frage, ob er Christel P. angebunden hätte, habe er geantwortet: »Dafür bin ich einfach zu doof.« Er könne nicht einmal seine Schuhe zubinden.

12.14 Uhr. Die Frauen in seinem Leben hätten immer die Kontrolle übernommen. Seine Mutter habe ihn einmal als Pantoffelhelden bezeichnet, sagt der Zeuge bezogen auf die Vernehmung aus. 

12.20 Uhr. In der Vernehmung sei es auch um die Fahrt der Angeklagten mit dem Opfer Susanne F gegangen, nachdem alles aufflog. Damals habe er sich dazu nicht weiter äußern wollen. »Er hat gesagt, er sei müde«, sagt Zeuge K.

12.36 Uhr. Wenn er in der Vernehmung seine Unschuld bei den Misshandlungen der Frauen beteuert habe, sei der Angeklagte in eine andere Sprache verfallen. Zeuge K. spricht von Schauspielerei und nennt die Entrüstungs-Szenen des französischen Kult-Schauspielers Louis de Funès als Beispiel.

12.42 Uhr. Wilfried W. sei davon überzeugt, dass das, was im Haus in Bosseborn passiert ist, nicht sein Werk sei, schildert der Polizist sein Gefühl. »Ich brauche keinen Anwalt, ich habe nichts getan« - das habe Wilfried W. bei der Vernehmung gesagt.

12.45 Uhr. Mittagspause im Bosseborn-Prozess.

13.37 Uhr. Nach der Mittagspause wird der dritte Zeuge vernommen. Es handelt sich um einen Taxifahrer, der die Angeklagten im April 2016 gefahren hat.

Taxifahrer: Frau war der dominantere Teil

13.40 Uhr. Er habe einen Anruf bekommen, dass jemand liegen geblieben ist und eine Fahrt nach Hause brauchte, sagt Zeuge H. Am Standort angekommen, hätten die Angeklagten zunächst verneint, und dass sie auf einen Krankenwagen warteten, da eine Bekannte (das Opfer Susanne F.). Wenig später hätte das Paar ihn aber doch wieder angerufen.

13.42 Uhr. Im Taxi sei dann ein Gespräch entstanden. Die Angeklagten hätten von einer oberflächlichen Bekanntschaft mit der Frau gesprochen. Die sei bei einem Besuch in Bosseborn plötzlich krank geworden.

13.46 Uhr. Ungewöhnlich sei gewesen, dass die Frau vorne und der Mann hinten eingestiegen sei und nicht andersherum. Er habe den Eindruck gehabt, dass die Frau der dominantere Part gewesen sei, sagt Zeuge H. Nervös hätten die beiden nicht gewirkt.

13.50 Uhr. Am nächsten Tag habe Angelika W. ihn dann angerufen und sich erkundigt, ob und was er der Polizei gesagt habe.

13.52 Uhr. Nun wird Zeuge J. gehört. Er war für eine kurze Zeit mit dem zweiten Opfer, Susanne F., zusammen. Das sei ungefähr im Oktober 2015 gewesen.

Susanne kam aus dem Frauenhaus

13.58 Uhr. Susanne sei damals aus einem Frauenhaus gekommen. Ihr sei an einer festeren Beziehung gelegen gewesen, ihm eher nicht, sagt der Zeuge.

14.01 Uhr. Zur Trennung sei es letztlich gekommen, weil Susanne F. sich immer mehr in widersprüchliche Aussagen verstrickt hat. Er habe ihr geraten, psychologische Hilfe anzunehmen. Später habe er dann gehört, dass sie einen neuen Freund habe. 

14.11 Uhr. Ob Susanne F. sich jemals selbst verletzt habe, möchte Wilfrieds Verteidiger Detlev Binder wissen. Zeuge J. berichtet, dass die Frau nach eigener Aussage in der Lage gewesen sei, sich durch Luftanhalten selbst in eine Ohnmacht zu versetzen.

14.18 Uhr. Zeugin D., eine Nachbarin aus Bosseborn, tritt nun in den Zeugenstand.

14.20 Uhr. Sie hatte sich selbst bei der Polizei gemeldet, weil ihr an einem Morgen auf dem Weg zum Pferdestall etwas aufgefallen war. Zeugin D. berichtet: Vor dem Haus der Angeklagten habe sie eine junge Frau (das Opfer Susanne F.) gesehen, die vom Hof der Beklagten auf die Straße wankte. »Sie sah furchtbar aus«, sagt D. Haare seien büschelweise ausgefallen, sie habe nicht fest auf den Füßen stehen können.

»Du musst der helfen«

14.24 Uhr. »Du musst der helfen«, habe sie gedacht, doch hatte sie kein Handy dabei. Dann sei Angelika gekommen, habe der Frau den Arm umgelegt und weggebracht.

14.27 Uhr. Die Zeugin sei weitergegangen und habe dann Stimmen gehört. Als sie sich umgedreht habe, habe Wilfried kurz hinter einem Auto hervorgeschaut und sich wieder weggeduckt. Sie habe dann noch gerufen, dass die Frau einen Arzt brauche. Eine Antwort habe sie nicht bekommen.

14.30 Uhr. Als sie nach der Verhaftung einen Zeitungsartikel las, der das Opfer Susanne F. abbildete, sei das für sie der Anlass gewesen, sich bei der Polizei gemeldet.

14.40 Uhr. Detlev Binder, Wilfrieds Verteidiger, weist die Zeugin auf Widersprüche zu ihrer ersten Vernehmung hin. Immer wieder fragt er nach Details., will sogar Wetterverhältnisse und Temperatur am Beobachtungstag wissen. D. lässt sich in ihrer Aussage vor Gericht nicht beirren.

14.50 Uhr. Der elfte Verhandlungstag ist beendet. Der Prozess wird am 21. Februar mit der Vernehmung von Zeugen fortgesetzt. Am 28. Februar will auch Wilfried sich zu den Vorwürfen einlassen.

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