Mi., 15.02.2017

Vernehmungsbeamte schildern im Bosseborn-Prozess am Landgericht Paderborn, wie sie Wilfried W. erlebt haben »Jetzt wird’s irre!«

Wilfried W., hier mit seinen Anwälten Dr. Carsten Ernst und Dr. Detlev Binder, will am 28. Februar sein Schweigen brechen.

Wilfried W., hier mit seinen Anwälten Dr. Carsten Ernst und Dr. Detlev Binder, will am 28. Februar sein Schweigen brechen. Foto: Althoff

Von Christian Althoff

Paderborn (WB). Wie tickt Wilfried W. (46)? Einen kleinen Einblick in seine Psyche bekamen die Zuschauer im Landgericht Paderborn, als zwei Vernehmungsbeamte der Mordkommission aussagten.

Es war der elfte Verhandlungstag im Mordprozess um das »Horror-Haus« von Höxter-Bosseborn. Wilfried W. und seine Ex-Frau sollen Frauen in dem Haus derart misshandelt haben, dass zwei von ihnen starben.

Am 27. April nahm Hauptkommissar Norbert Freier Wilfried W. gegen Mittag in dessen Haus am Saatweg 6 fest. »Er stand da in Unterhose und T-Shirt. Er hat sich angezogen und ist mitgekommen.« Wilfried W. sei nicht überrascht gewesen. »Er schien vorbereitet, und die Strategie war wohl, dass er aus allem herausgehalten werden sollte«, sagte der Kriminalbeamte.

»Das war alles Angelika «

Schon auf der Fahrt zur Polizei nach Höxter habe Wilfried W. erklärt, er brauche keinen Anwalt, er habe mit dem Tod von Susanne F. nichts zu tun »Er sagte: ›Das war alles Angelika‹.« In seiner Vernehmung habe er erklärt, im Haus lägen in einer weißen Plastikdose Zettel, die seine Unschuld bestätigten (Anm. d. Red.: In diesen Schreiben schildern Opfer Gewalt durch Angelika W. und entlasten Wilfried W.).

»Er sagte, er habe die Zettel zwar nie gesehen, habe aber von ihrer Existenz durch Angelika erfahren. Angelika habe sich mit den Frauen immer gekebbelt und sich in Gewalt hineingesteigert, er selbst sei aber nicht gewalttätig«, sagte der Zeuge.

Hauptkommissar Freier weiter: »Sobald ich nachbohrte, kam Wilfried W. aus dem Konzept und wurde nervös. Seine Augenlider klimperten, und seine Hände verkrampften sich. Als ich den Tod seiner Frau Anika ansprach, reagierte er erkennbar plump und sagte: ›Ach was! Die ist tot?‹ Ich hatte den Eindruck, dass er intellektuell minderbemittelt ist und versuchte, sich hinter seiner Dummheit zu verstecken.«

Wilfried W. schien stolz, sein Haus im Fernsehen zu sehen

Drei Tage später holte Hauptkommissar Burkhard Kropp den Untersuchungshäftling zu einer weiteren Vernehmung aus der Justizvollzugsanstalt Bielefeld. »Als erstes bat er mich, mit einfachen Worten zu sprechen«, erinnerte sich der Polizist. »Im Auto erzählte er mir dann stolz, er habe in der JVA sein Haus im Fernsehen gesehen. Er genoss es sichtlich, ein Teil des Falls Bosseborn zu sein, über den alle sprachen.«

In der Vernehmung habe Wilfried W. zunächst von seiner Kindheit mit einem prügelnden, alkoholtrinkenden Vater erzählt und einer Mutter, die dem allen nicht gewachsen gewesen sei. Er habe Schwierigkeiten mit dem Lesen und dem Schreiben gehabt und die Sonderschule nach der neunten Klasse ohne Abschluss verlassen müssen.

Voller Stolz erzählte er dann, dass er bei der Rheinarmee eine Ausbildung zum Hundeführer begonnen habe.« Die habe er aber nach zwei Jahren abbrechen müssen, um auf dem Hof der Eltern zu helfen. »Er sagte, dass er zwei Kinder habe, wollte aber nicht weiter darüber sprechen.«

Angelika habe ihm imponiert

Hauptkommissar Kropp: »Als ich Wilfried W. darauf ansprach, dass das Opfer Susanne F. starke Fesselspuren gehabt habe, sagte er, er könne ja gar keinen Knoten machen, dazu sei er zu doof. Deshalb müssten ihm die Beamten in der JVA Bielefeld auch die Schuhe zubinden.« Über Angelika W. habe er gesagt, sie sei nicht sehr ansehnlich, aber es habe ihm imponiert, dass sie einen Realschulabschluss und einen Gesellenbrief als Gärtnerin habe.

Sie habe die Hosen angehabt und über ihn bestimmt. »Er sagte, seine Mutter habe ihn deshalb einen Pantoffelhelden genannt. Sie habe zu ihm gesagt, Angelika mache sein Leben kaputt.« Das Zusammensein mit Angelika W. habe Wilfried W. als WG beschrieben.

Mimik, Gestik und Stimme völlig verändert

Weiter sagte der Vernehmungsbeamte, so manches Mal, wenn er Wilfried W. mit einem Vorwurf konfrontiert habe, habe der Mimik, Gestik und Stimme völlig verändert. »Er schaltete um auf den Schauspieler Louis de Funès, um sein vermeintliches Erstaunen über die Vorwürfe auszudrücken. Da dachte ich: Jetzt wird’s irre.«

Auf Nachfragen der Nebenklageanwälte sagte Burkhard Kropp: »Ich glaube, der Angeklagte hat das Ausmaß des Falls Bosseborn nicht verstanden. Er ist einfach strukturiert und davon überzeugt, dass das, was geschehen ist, nicht sein Werk war.«

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