Mi., 22.03.2017

»Horror-Haus«-Prozess: Wilfried W. beschreibt seine Ex-Frau als kalt und brutal »Sie hat sich selbst verbrüht«

Wilfried W. stand im Zentrum des 14. Verhandlungstages. Er beschrieb sich als Mitläufer und sagte, die Gewalt sei von seiner Ex-Frau ausgegangen.

Wilfried W. stand im Zentrum des 14. Verhandlungstages. Er beschrieb sich als Mitläufer und sagte, die Gewalt sei von seiner Ex-Frau ausgegangen. Foto: Christian Althoff

Von Christian Althoff

Paderborn (WB). Es gab einen Satz, der am Dienstag im »Horror-Haus«-Prozess ungezählte Male fiel. »Das hat sie erfunden«, sagte Wilfried W. wieder und wieder, wenn ihm belastende Aussagen seiner Ex-Frau vorgehalten wurden.

Wilfried (47) und Angelika W. (48) stehen seit Oktober unter anderem wegen zweifachen Mordes vor dem Landgericht Paderborn. Sie sollen Frauen in ihrem Haus in Höxter-Bosseborn eingesperrt und misshandelt haben. Zwei Opfer überlebten die Quälereien nicht.

Über Anzeige kennengelernt

Nun erzählte Wilfried W. zunächst, wie sich die beiden im Januar 1999 kennengelernt hatten. »Ich hatte eine Anzeige aufgegeben: ›Er sucht Sie für eine gemeinsame Zukunft‹. Wir trafen uns in Detmold, und es hat gleich gefunkt. Wir haben Eis gegessen, sind spazierengegangen, und sie hat bei mir übernachtet. Am nächsten Tag haben wir über unsere Hochzeit gesprochen.«

Er habe damals eine Teilzeitstelle gehabt und auf Bahnhöfen für Ordnung gesorgt, Angelika habe als Gärtnerin gearbeitet.

Schnelle Hochzeit, schnelle Ernüchterung

Der schnellen Hochzeit folgte die schnelle Ernüchterung. »Angelika war eifersüchtig und wollte mich ständig kontrollieren. Sie gab ihren Job auf und begleitete mich zur Arbeit. Sie wollte die Bestimmerin sein – auch in meinem Job. Ich glaube, sie hat mich nur geheiratet, weil sie von ihrer Mutter und ihre Schwester weg wollte. Sie wurde immer kälter.« Er habe sich aber nicht von ihr getrennt, weil er Angst vor dem Alleinsein gehabt habe.

»Wenn ich alleine bin, muss ich immer an die Misshandlungen durch meinen Vater denken. Das wollte ich nicht.« Auf Nachfrage des Vorsitzenden Richters Bernd Emminghaus räumte Wilfried W. dann aber ein, dass ihn wohl auch die 165.000 Mark, die Angelika mit in die Ehe gebracht hatte, von einer Trennung abgehalten hätten.

»Ich bin doch nicht geisteskrank«

Konfrontiert mit der Aussage seiner Ex-Frau, er habe ihren Kopf immer wieder in Decken gewickelt und sich draufgesetzt, bis sie fast erstickt sei, sagte Wilfried W.: »Es stimmt, ich habe Angelika Decken-Alte genannt. Aber nur, weil sie immer so leicht fror und sich mit vier, fünf Decken zudeckte.« Sie habe ihn zwar aufgefordert, ihr aus sexuellen Gründen die Luft abzuschnüren, aber das habe er nie gemacht. »Ich bin doch nicht geisteskrank!«

Dann sprach der Vorsitzende Richter das Beißen in die Brüste an, das Angelika W. als Quälerei beschrieben hatte. »Das was anderes«, sagte der Angeklagte. »Ich fand das ekelig, aber Angelika wollte das unbedingt. Sie mochte Schmerzen. Sie hat mir auch mal erzählt, dass sie sich als Kind gefreut hat, wenn ein anderes Kind hingefallen ist.«

Angelika W. lächelt viel

Angelika W. lächelte viel, während sie die Aussagen hörte, und tuschelte ab und zu mit ihrem Anwalt Alexander Strato. Das Lächeln blieb auch, als Wilfried W. sie als gefühlslose, brutale Frau beschrieb.

»Wir hatten Hunde, aber sie hat alle getötet, weil ihr das Gassigehen zu viel war. Unserem Schäferhund hat sie die Kehle durchgeschnitten, unseren Rottweiler hat sie erdrosselt, und die beiden Pudel ertränkt.« Auch mit den Frauen, die im Laufe der Jahre zu ihm gezogen seien, sei sie rabiat umgegangen.

»Sie machte ihnen Vorschriften und bestrafte sie, wenn sie nicht gehorchten.« Er habe eine der Frauen allenfalls mal an den Haaren gezogen, sie geschubst oder geohrfeigt, antwortet Wilfried W. auf eine entsprechende Frage von Oberstaatsanwalt Ralf Meyer.

Aus Versehen den heißen Hahn aufgedreht

Zu der schweren Verbrennung eines Arms, die Angelika W. als Quälerei durch Wilfried beschrieben hatte, sagte der Angeklagte: »Sie hat sich selbst verbrüht. Die Arge Höxter hatte Angelika einen Ein-Euro-Job angeboten, aber sie wollte nicht arbeiten. Sie sagte, sie geht jetzt in den Stall und verbrüht sich den Arm mit der Dusche. Als ich sie schreien hörte, bin ich hingelaufen. Ich wollte sie mit kaltem Wasser abduschen, aber ich habe aus Versehen den heißen Hahn aufgedreht. Die Hähne waren nicht markiert.«

Keine Erinnerungen

Alexander Strato, einer der beiden Verteidiger von Angelika W., nahm dem Angeklagten seine Selbstdarstellung als Mitläufer nicht ab. »Wissen Sie noch, warum Sie 1995 verurteilt wurden?«, fragte er. »Ja, wegen Körperverletzung«, antwortete Wilfried W. An das, was er damals konkret getan habe, könne er sich aber nicht erinnern.

Wilfried W. hatte 1994 seine erste Ehefrau kurz nach der Hochzeit eingesperrt und mit Methoden gefoltert, die hier nicht beschrieben werden können.

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