Di., 04.04.2017

Ehemann von Susanne F und weitere Frauen sagen als Zeugen am Landgericht Paderborn aus »Horror-Haus«-Prozess: »Sie war eine liebe Frau, eine liebe Mama«

Zeugenaussagen stehen an Tag 16 an.

Zeugenaussagen stehen an Tag 16 an. Foto: Ann-Christin Lüke

Paderborn/Höxter (WB/acl). Nachdem der 15. Prozesstag um das »Horror-Haus« von Höxter-Bosseborn endete, bevor er überhaupt richtig beginnen konnte, werden nun Zeugen vor dem Langericht Paderborn befragt.

Nachdem Wilfried W. in der Vorwoche überraschend angekündigt hatte, seine nicht weniger überraschende Aussage nicht fortsetzen zu wollen, musste das Gericht umdisponieren. Am 16. Verhandlungstag geht es insbesondere um das Opfer Susanne F. das an den Folgen mutmaßlicher Folterungen in Bosseborn gestorben sein soll.

Zeuge F. und die Ehe mit Susanne

Der erste Zeuge ist der Ehemann des zweiten Opfers. Das Paar hatte 2005 geheiratet und eine gemeinsame Tochter. 2015 erfolgte die Trennung. »Es war alles soweit in Ordnung«, sagt der Zeuge über die Beziehung. »Sie war eine liebe Frau, eine liebe Mama. Ich habe immer gehofft, dass sie zurückkehrt.«

In der Ehe kriselte es aber. Susanne F. habe ihn betrogen und die Tochter unbeaufsichtigt zu Hause gelassen. Er habe ihr dann gesagt, dass es besser sei, sie würde das Haus verlassen. F. zog mehrfach um und schließlich nach Bad Gandersheim (Niedersachsen).

Zuletzt gesehen habe er seine Frau am 10. Oktober 2015, sagt F. Danach habe er nur wenig Kontakt zu ihr gehabt. Sie habe auf seine Nachrichten nicht mehr reagiert. Von Wilfried W. habe er nur einmal ein Foto gesehen. Ansonsten habe es keinen bewussten Kontakt zu den Ws. gegeben, so der Zeuge. Susanne F. starb schließlich Ende April. Ihr Tod brachte die Geschehnisse im Haus in Bosseborn ans Licht.

Auf Nachfrage berichtet F. von zwei Anrufen einer Frau, die sich erstmals im Februar 2016 bei ihm gemeldet habe. Diese Frau habe sich als Bekannte von Susanne F. ausgegeben und wollte sich nach deren Verfassung erkundigen. Sie habe von ihm wissen wollen, warum Susanne immer Selbstgespräche führe. Er habe das Telefonat aber schnell beendet.

Der zweite Anruf erfolgte, kurz bevor die Polizei bei ihm vor der Tür gestanden habe, um ihn über den Tod seiner Frau zu informieren. Die Anruferin habe sich erkundigt, wie es Susanne gehe.

Angelika W. bestätigt in der Verhandlung, dass sie diese Anruferin gewesen sei. Sie habe mehr über den Zustand von Susanne erfahren wollen, weil Wilfried sie immer wieder danach gefragt habe.

Zeugin B. und Wilfrieds Lebenswandel

Durch eine Zeitungsanzeige habe die Zeugin B. aus Holzminden Wilfried W. Anfang 2015 kennengelernt. Sie habe die Anzeige aufgegeben und W. habe sie dann besucht. Angelika W. habe sie als seine Schwester kennengelernt. Mit ihr habe sie aber nur telefoniert.

Die Zeugin beschreibt den Angeklagten als »liebevoll«. Der Lebensstil von Wilfried sei aber »überhaupt nicht mein Ding« gewesen. Er habe ständig ausschlafen wollen, anstatt sich um seinen Kiosk zu kümmerrn. Mit Autoverkäufen habe er sich über Wasser gehalten. Deshalb habe sie die Beziehung im Herbst 2015 beendet.

Deshalb habe es auch immer wieder Streit gegeben. »Er war nie handgreiflich oder hat mich um irgendwas gebeten«, betont die Zeugin. Vielmehr habe Angelika sie telefonisch bedrängt, wenn es zu Auseinandersetzungen zwischen den Beiden kam. »Es kam mir sehr suspekt vor, dass Angelika immer mit im Spiel war.«

Über Angelika habe er immer schlecht geredet, »aber ohne sie ging gar nichts«.

Zeugin K. und das geliehene Geld

Die Zeugin K. aus Holzminden hatte Wilfried W. ebenfalls durch eine Anzeige im Dezember 2015 kennengelernt, die er aufgegeben hatte. Zunächst habe es telefonischen Kontakt gegeben. Man sei sich gleich sympathisch gewesen. Die Treffen hätten immer bei ihr in Holzminden stattgefunden.

Mit Angelika habe sie nur dann Kontakt gehabt, wenn sie etwas »falsches« gesagt habe. »Dann hatte ich sie am Hals«, so K. Angelika sei ihr als Wilfrieds Schwester vorgestellt worden.

»Er war sehr freundlich zu mir. Im Nachhinein kann ich nichts schlechtes über ihn sagen«, hatte die Zeugin bereits bei der ersten Vernehmung ausgesagt und dies nun bestätigt.

Die Beziehung habe sie aber im März 2016 beendet. Der entscheidende Grund sei gewesen, dass sie Wilfried W. 3500 Euro geliehen habe – für ein Auto. Das Geld habe sie aber nicht zurückbekommen.

Angelika habe sie stattdessen danach angerufen und noch mehr Geld für das Auto gefordert. »Sie war wie eine Furie.« Zudem habe sie behauptet das Geld sei eine Geschenk gewesen.

An vieles könne sie sich nicht mehr erinnern. »Ich versuche das zu verdrängen.«

Zeugin F. und die schönen Blumen

Vor Gericht sagt auch Frau F. aus, die sich an eine Begegnung mit Susanne F. erinnern kann. Diese habe sie im Beisein von Angelika W. auf dem Hof in Bosseborn gesehen. »Sie hatte ein graues Gesicht und einen leeren Blick«, erinnert sich die Zeugin. Ihr sei das Haus bereits 2010 aufgefallen, wegen der schönen Blumen um Blumenkübel.

Heute müsse sie weinen, wenn sie an das Schicksal der Frauen denke, die mutmaßlich im Haus gefoltert wurden. »Aber siie hätte Hilfe rufen können«, sagt die Höxteranerin mit Blick auf die Begenung mit Susanne F.

Zeugin S. und die Zeit in der JVA

Nach der Mittagspause wird die Vernehmung fortgesetzt mit der Zeugin S. aus Bad Driburg. Diese hatte sich mit der Angeklagten Angelika W. 2016 für eine Woche eine Zelle in der Untersuchungshaft geteilt.

W. habe ihr erzählt, sie sei in Haft wegen des Verdachts auf Totschlag. Angelika W. habe ihr aus ihrem Leben erzählt, und dass ihr Mann ebenfalls in Haft sei. »Sie sagte, sie mache sich Sorgen um ihn.« Aber er, Wilfried W. habe sie auch immer genervt. »Sie hat sich manchmal beschwert und ihn manchmal in Schutz genommen.«

Auch die Brandverletzung (durch Verbrühen mit heißem Wasser) Angelikas kam zur Sprache. Dass es ein Unfall gewesen sei, habe sie nicht glauben können, sagt S. aus.

Aber sie habe Angst gehabt weiter nachzubohren. »Bei all dem bekommt man ja so ein Bild im Kopf.« Sie habe immer gefragt: »Wieso bist du bei ihm geblieben?« Aber W. habe gesagt, dass es nicht so einfach sei. »Sie hat einen ganz ruhigen, ausgeglichenen Eindruck auf mich gemacht«, sagt S. Für W. sei die Haft wie Urlaub gewesen.

Auf die Notizen, die W. Während der Haft für ihre Aussage angefertigt hat, habe sie einen Blick werfen können. »Das waren ganz schreckliche Sachen«, so S. weiter. Darüber habe sie mit der Angeklagten aber nicht mehr sprechen können, da diese in eine andere Zelle verlegt wurde. »Ich dachte, dass sei ihr Mann gewesen.« Ihr Eindruck sei gewesen, dass Angelika W. das Opfer ist.

Zeugin L. und Susannes Suche nach der Liebe

Zeugin L., eine Bekannte von Susanne F., aus Bad Gandersheim sagt aus. Sie dreht sich demonstrativ weg von der Anklagebank. »Sie hatte das Bedürfnis nach Liebe und Geborgenheit«, beschreibt sie das spätere Opfer.

Susanne F. habe darunter gelitten, ihre Tochter nicht sehen zu können. »Sie war euphorisch und wollte sich mit ihrer Tochter ein Leben aufbauen«, sagt die Zeugin aus. Sie habe ein Zuhause gesucht, erinnert sich die Zeugin weiter. Die Beziehung zu Wilfried W. habe sich von Januar 2016 schnell entwickelt. »Sie war gar nicht mehr zu stoppen.«

Wilfried W. habe sie nie persönlich kennengelernt. Das habe W. nie gewollt. Er habe immer vermieden, sich mit Susanne F. zu treffen, wenn sie, dei Zeugin, dabei gewesen sei.

Susanne sei Wilfried W. sehr hörig gewesen. Sie habe sich isoliert und sei beeinflusst worden, sowohl von Wilfried als auch von Angelika. »Das ist alles ganz merkwürdig«, habe sie damals gedacht.

Nach einem Telefonat mit Wilfried W habe Susanne F. die Zeugin aus der Wohnung verwiesen. Danach sei der Kontakt abgebrochen. Den Inhalt des Telefonats habe sie aber nicht mitbekommen.

Prozess pausiert über Ostern

Um kurz vor 15 Uhr endet der 16 Prozesstag. Über die Osterfeiertage wird pausiert. Der nächste Termin ist für den 25. April angesetzt. Dann sollen weitere Zeugen angehört werden.

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