Mi., 05.04.2017

Gericht befragt frühere Freundinnen von Wilfried W. »Horror-Haus«-Prozess: »Er war sehr liebevoll«

Wilfried W. hatte viele Frauen, zwei haben nun vor dem Landgericht Paderborn ausgesagt.

Wilfried W. hatte viele Frauen, zwei haben nun vor dem Landgericht Paderborn ausgesagt. Foto: Lüke

Von Christian Althoff

Paderborn (WB). »Er hat mich von oben bis unten belogen«, sagte die Zeugin (66). Aber sie sagte auch: »Ich habe mich in seinen Armen wohlgefühlt. Er war sehr liebevoll.«

Im Mordprozess um das »Horror-Haus« von Höxter hat das Gericht am Dienstag Frauen befragt, die mit dem Angeklagten Wilfried W. (47) ein Verhältnis hatten.

Eine Witwe (66) aus Höxter hatte 2015 ein Inserat aufgegeben, weil sie nicht mehr alleine sein wollte. »Wilfried meldete sich, und wir haben uns gleich gut verstanden. Allerdings hat er mich belogen. Er sagte, er hätte Abitur, hätte studiert und besitze einen Pilotenschein.« Das alles habe nicht zu seiner einfachen Ausdrucksweise gepasst.

Sie habe aber nicht nachgebohrt, denn Wilfried habe auch andere Seiten gehabt. »Er war ein sehr gefühlvoller und liebevoller Partner«, sagte die Zeugin und meinte damit ihre intimen Stunden mit dem fast 20 Jahre jüngeren Mann. »Unser Altersunterschied war für ihn aber nie ein Thema.«

Herz ausgeschüttet

Wilfried W. habe ihr seine Ex-Frau Angelika als seine Schwester vorgestellt. »Sie fuhr ihn immer zu mir. Er wollte nicht, dass wir uns bei ihm in Bosseborn treffen. Er sagte, sein Haus sei unaufgeräumt und nicht so sauber, weil seine Schwester faul sei.«

Wilfried W. habe ihr oft erzählt, dass er mit Angelika Streit habe. »Er hat mir sein Herz ausgeschüttet und immer schlecht über Angelika geredet. Sie war für ihn ein rotes Tuch. Er hat mir sehr leid getan.« Sie habe ihn gefragt, warum er seine Schwester nicht einfach rauswerfe. »Er meinte: ›Die weiß doch nicht, wohin. Die nimmt doch keiner.‹ Mein Eindruck war, dass er nicht mit ihr leben konnte, aber auch nicht ohne sie.«

Leben nicht in den Griff bekommen

Unternommen habe sie mit Wilfried W. nie etwas, sagte die Zeugin. »Er meinte, er habe Gicht, und das Laufen tue ihm weh. Deshalb wollte er nie mit mir spazierengehen.« Das sei schließlich einer der Gründe gewesen, warum sie sich wieder von ihm getrennt habe. »Der andere Grund war, dass Wilfried sein Leben nicht in den Griff bekam. Er schlief morgens bis elf Uhr, hatte keine richtige Arbeit und haute sich trotz seiner Gicht fast jeden Tag Schweinefleisch in die Pfanne.«

Nachdem sie mit ihm Schluss gemacht habe, habe Wilfried das nicht akzeptiert. »Er sagte, zu einer Trennung gehörten immer zwei, und für ihn bestünde die Beziehung weiter. Er wurde laut, aber nicht handgreiflich.« Im Zusammenhang mit der Trennung habe sie auch Angelikas hässliche Seite kennengelernt. »Sie beschimpfte mich am Telefon mit schlimmen Ausdrücken. Sie wollte für Wilfried unbedingt eine Frau, bei der er gut aufgehoben ist.«

»Ich kann nichts Schlechtes über ihn sagen.«

Eine andere Ex-Freundin, eine 61-jährige Friseurin aus Holzminden, sagte, Wilfried W. sei immer freundlich gewesen. »Ich kann nichts Schlechtes über ihn sagen.« Das tat sie dann aber doch: »Wilfried hat sich 3500 Euro von mir geliehen, die er mir nicht zurückgegeben hat. Darum habe ich im März 2016 Schluss gemacht.«

Dr. Detlev Binder, einer der Anwälte des 47-Jährigen, war mit dem 16. Verhandlungstag zufrieden. »Das Bild des Sadisten, das die Mitangeklagte von meinem Mandanten gezeichnet hat, haben die Frauen nicht bestätigt.«

Der Prozess geht am 25. April weiter.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Mehr zum Thema

Anzeige


http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4749271?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F4078537%2F