Di., 25.04.2017

Tag 17 im »Horror-Haus«-Prozess: Landgericht Paderborn setzt Zeugenbefragung fort Zeugin: »Sie kam mir immer garstig vor«

Wilfried W. am 17. Verhandlungstag mit seinen Verteidigern.

Wilfried W. am 17. Verhandlungstag mit seinen Verteidigern. Foto: Ludmilla Ostermann

Von Ludmilla Ostermann

Paderborn/Höxter (WB). Im Mordprozess um das sogenannte »Horror-Haus« von Höxter haben am Dienstag weitere Zeugen vor dem Landgericht Paderborn ausgesagt. Auch mehrere Frauen, die ein Verhältnis mit dem Angeklagten Wilfried W. hatten, kamen zu Wort.

Der Prozess startet eine halbe Stunde später als gewohnt, da eine für 9 Uhr geladene Notärztin, die das Opfer Susanne F. vor ihrem Tode behandelt hatte, keine Vertretung finden konnte. Doch kaum begonnen, muss auch schon wieder pausiert werden.

Zeugin K. - nicht da

Die Zeugin K., die aus dem niedersächsischen Regburg-Loccum geladen war, ist nicht aufgetaucht. Der Vorsitzende Richter Bernd Emminghaus versucht, sie telefonisch zu erreichen, landet aber nur auf der Mailbox. Darauf habe er einige »geschliffene Worte« hinterlassen, sagt er. Die Staatsanwaltschaft beantragt ein Ordnungsgeld von 200 Euro gegen die Zeugin. 

Zeuge G. und die Unterschrift

Der Zeuge sei Anfang 2016 auf einem Supermarktparkplatz einer keinen, etwas korpulenten Dame begegnet. Sie sei auf ihn zugekommen mit einem Schriftstück und habe ihn gebeten, dies zu unterschreiben. Er sei genervt gewesen vom langen Arbeitstag und habe schließlich unterschrieben. Der Frau sei eine Blondine gefolgt. Sie habe einen betrunkenen Eindruck gemacht. Auch ein Mann in einem Auto habe zu dem Duo gehört, sagt der Zeuge.

Im Weggehen habe er einem Streitgespräch gelauscht. Die kleine Frau habe der großen gesagt, sie solle ruhig sein, erklärt Zeuge G.

Worum es inhaltlich ging, habe er nicht gelesen. Erst bei der Polizei sei ihm der Inhalt erklärt worden. Susanne F. bestätigt darin, dass es zu keinerlei Streitigkeiten, Körperverletzungen oder Vergewaltigungen gekommen sei. 

Zeugin M. und die Gespräche auf Band

Zeugin M. aus Neunkirchen-Vörden hatte im Herbst 2010 für ein halbes Jahr Kontakt zu Wilfried W. Über Friendscout24 habe er sie angeschrieben. Er habe damals an einer Tankstelle gearbeitet, so hätten sich die beiden zumeist nur abends getroffen. Merkwürdig gewesen sei, dass die Telefonate über einen Anrufbeantworter liefen. Er habe darum gebeten, um beim Sprechen nicht unterbrochen zu werden. Sie habe das doof gefunden.

Das Zusammensein habe sich ausschließlich bei ihm in der Wohnung (damals noch in Berlebeck) stattgefunden. Andere Aktivitäten habe er nicht gewollt. Sie habe ihm nicht widersprochen. Schlecht behandelt habe er sie aber nie. »Sie (Angelika W.) kam mir immer garstig vor«, sagt die Zeugin.

Recht früh nach dem Kennenlernen habe sich  die vermeintliche Schwester Angelika W. bei der Zeugin gemeldet. Die Angeklagte habe ihr Vorhaltungen bezüglich der Haushaltsführung gemacht. Am Ende der Beziehung zu Wilfried W. sei die Angeklagte richtig widerlich geworden gegenüber der Zeugin, die zu dem Zeitpunkt im Krankenhaus lag und sich selbst ein schönes Leben und mir einen schönen (oder schnellen, die Zeugin kann sich nicht exakt erinnern) Tod gewünscht.

Oftmals habe sie ihm Geld gegeben, sagt Zeugin M., unter anderem für einen Führerschein, den er in Thailand machen wollte, oder ein Auto. Dafür habe sie einen Kredit aufgenommen und persönlichen Schmuck veräußert. Bis zu 16.000 Euro seien es insgesamt gewesen.

Zeuge K. und die Beziehung zu Anika

Der Zeuge hatte 2005 eine mehrjährige  Beziehung zum ersten Opfer des »Horror-Paares« von Höxter, Anika W. Als nette, hilfsbereite Person beschreibt der Zeuge Anika W. Zugleich sei sie zu leichtsinnig gewesen, habe sehr schnell Vertrauen zu Fremden gefasst. Zudem habe sie sich immer untergeordnet.

Am Ende hatte der Zeuge die Beziehung aufgrund einer neuen Freundin beendet. Anika sei enttäuscht und traurig gewesen. Der Kontakt sei wieder aufgenommen worden, allerdings nur freundschaftlich. Der Kontakt sei dann wiederum beendet worden, als Anika eine neue Beziehung begann. Einmal habe er eine SMS mit einer Drohung bekommen. Zeuge K. solle seine (Wilfried W.) Freundin gefälligst in Ruhe lassen.

Später habe Angelika W. Kontakt zu ihm aufgenommen, um ihn zu fragen, ob Anika schon immer »so faul« gewesen sei. 

Zeugin S. und die drei Tage in Bossborn

Im August 2012 hatte sich die Zeugin aus Warburg auf eine Kontaktanzeige bei Wilfried W. gemeldet. Zu einem ersten Treffen nach einer Woche sei sie abgeholt worden. Angelika habe damals das Auto gefahren, Wilfried habe hinten im Auto gesessen. 

In Bosseborn hätten sich beide nett verhalten. Geplant sei gewesen, eine Woche zu bleiben. Dann sei Angelika von Tag zu Tag unfreundlicher geworden. Sie sei herrschsüchtig gewesen und habe ihre Kinder verbal angegriffen. Wilfried hingegen habe sich ruhig verhalten. 

Einmal habe sie ihm beim Füttern der Tiere geholfen, als er die Tür zum Hühnerstall zugeworfen habe. Sie habe sich gefangen gefühlt. Später habe der Angeklagte die Tür auch wieder geöffnet. Angesprochen habe sie den Vorfall nicht. »Ich habe schon gemerkt, dass da etwas nicht stimmt.« Sie habe Angst vor beiden gehabt. Da habe sie beschlossen, frühzeitig abzureisen.

Zeugin B., und die drei Jahre mit Wilfried

Von 2009 an hatte die Zeugin drei Jahre lang eine Beziehung zu Wilfried W. Die gemeinsamen Aktivitäten hätten sich auf das Haus in Berlebeck beschränkt, sagt die Zeugin aus. Ab und zu seien sie zum Flughafen Paderborn gefahren. Auch Detmold habe das Paar einmal besucht.

Zu körperlichen Misshandlungen sei es in dieser Zeit nicht gekommen. Die seelischen Misshandlungen allerdings »gehen auf keine Kuhhaut«. Der Anfang der Beziehung sei gut gewesen. Doch nach einem bis eineinhalb Jahren habe sich das geändert. Jede halbe Stunde habe sie sich melden sollen. Habe sie dies nicht getan, habe es Beschimpfungen per Telefon gehagelt. Übernachten habe sie nie gedurft. Der Intimverkehr habe zwar trotzdem stattgefunden, »doch danach durfte ich wieder gehen«.

Auch diese Zeugin berichtet von Mailbox-Gesprächen während der Beziehung mit dem Angeklagten. Direkte Gespräche am Telefon habe es nie gegeben.Dann sei Wilfried nach Bosseborn gezogen. Auch sie habe dort wohnen sollen, unter einer Bedingung: »Wenn ich einziehe, sollte ich all mein Geld den beiden geben«. Da habe sie abgelehnt. Auch, weil sie nicht mit einem Ex-Ehepaar zusammenleben wollte. Denn das Angelika nicht Wilfried W.s Schwester war, habe die Zeugin nach einem Jahr von Wilfried erfahren.

Wilfried habe einmal zu ihr gesagt, Angelika würde ihn quälen. Anzeichen dafür habe sie nicht erkennen können, sagt die Zeugin aus. Wohl aber habe sie von einer Verbrennung am Arm Angelikas gewusst. Wilfried habe das mit einem Unfall erklärt.An ihrem Geburtstag hätten die beiden ihr vorgegaukelt, Wilfried sei in Kassel im Krankenhaus. Das habe sie aber rausgefunden und die beiden zur Rede gestellt. Sie habe nichts mehr mit den beiden zu tun haben wollen.

Die Telefonanrufe von Angelika seien nach der Trennung noch über Monate weitergegangen. Doch seien nur Beschimpfungen ausgesprochen worden. Eine Facebook-Freundschaftsanfrage seinerseits habe sie blockiert.

Angelika W.s Verteidiger Peter Wüller will wissen, ob die dreijährige Beziehung über drei Jahre konstant gewesen sei oder es auch eine Pause gegeben habe. Man habe sich nicht in jeder Woche gesehen, antwortet Zeugin B, doch sei die Beziehung über drei Jahre gelaufen. Wüller fragt nach: »Kann es sein, dass sie den Angeklagten auch über mehrere Monate nicht gesehen haben?« Ja, räumt die Zeugin ein.

Der Prozess wird am 2. Mai fortgesetzt. Dann könnte auch die Mutter von Wilfried W. aussagen, sagt Richter Emminghaus. 

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