Mi., 03.05.2017

Erste Zeugin beschreibt ihn als Gewalttäter Ein schwarzer Tag für Wilfried W.

Wilfried W. (MItte) wurde schwer belastet

Wilfried W. (MItte) wurde schwer belastet Foto: Oliver Schwabe

Von Christian Althoff

Paderborn  (WB). Im Mordprozess um das »Horror-Haus« von Höxter hat sich der Angeklagte Wilfried W. (47) bisher als Mitläufer dargestellt, der selbst keiner Frau etwas angetan haben will. Dieses Bild ist am Dienstag in sich zusammengefallen.

Seit mehr als sechs Monaten stehen Wilfried W. und seine Ex-Frau Angelika (48) vor dem Paderborner Schwurgericht. Sie sollen in ihrem Haus in Höxter-Bosseborn Frauen eingesperrt und gequält haben. Zwei Opfer starben schwer misshandelt und entkräftet.

Katharina O. aus Detmold war 23 Jahre alt, als sich die Rewe-Mitarbeiterin auf eine Kontaktanzeige von Wilfried W. meldete. »Ich hatte nie viele Freunde. Mir reichte meine Familie. Aber irgendwann wollte ich einen Mann kennenlernen.« Das war 2008, und Wilfried W. wohnte damals ebenfalls in Detmold. »Meine Eltern wollten nicht, dass ich einen so viel älteren Mann treffe«, sagte die Zeugin. Sie sei trotzdem mit ihm spazierengegangen. »Gegen Abend rief meine Mutter an und bat mich, nach Hause zu kommen.« Das habe sie getan und sei deshalb am nächsten Tag von Angelika W. am Telefon beschimpft worden. »Sie gab sich als seine Schwester aus und warf mir vor, ich hätte Wilfried stehengelassen.« Dann habe sie ihr Anweisungen gegeben: »Ich sollte Wilfried immer genau zuhören, ihn anschauen und keine Widerworte geben.«

»Er schickte unter meinem Namen SMS an meine Eltern«

Nachdem ihre Eltern Ende 2008 nach Cuxhaven gezogen seien, habe Wilfried W. sie ihrer Familie entfremdet. »Er schickte unter meinem Namen SMS an meine Eltern und tat so, als wollte ich keinen Kontakt mehr haben. Das habe ich aber erst viel später erfahren«. Ihre Post habe er an seine Adresse weiterschicken lassen.

Was es bedeuten konnte, Wilfrieds Regeln nicht zu befolgen, erfuhr die Frau nach eigenen Angaben nach einigen Wochen. »Ich öffnete ihm die Tür, und er schlug mir ins Gesicht.« Das sei die Strafe dafür gewesen, dass sie ihm kurz vorher beim Telefonieren nicht richtig zugehört habe, sagte die Zeugin. Auf Nachfragen erklärte sie, Wilfried W., der täglich Hanteltraining gemacht habe, habe sie »zwei, drei Mal in der Woche« geschlagen. »Mit voller Wucht, und nicht nur mit der flachen Hand, sondern auch mit der Faust. Wenn ich mir die Hände vors Gesicht hielt, wurde er erst recht wütend. Zweimal hatte ich richtige Todesangst.«

Die Anlässe für die Gewalt seien Nichtigkeiten gewesen. Oft habe er hinterher mit ihr ins Bett gewollt. »Ich glaube, die Schläge haben ihn angetörnt.« Bei den Gewalttaten sei Angelika W. nie dabeigewesen.

Zeitweise in Wohnung eingeschlossen

Die Zeugin sagte weiter, Wilfried W. habe sich ihre persönlichen Papiere geben lassen (»mein Abitur, mein Ausbildungszeugnis und meinen Führerschein«) und sie zeitweise in ihrer Wohnung eingeschlossen. »Ich hätte Hilfe herbeirufen können, aber ich habe es nicht getan. Heute kann ich mir das nicht mehr erklären.« Irgendwann habe sie geglaubt, sie sei schuld an der Gewalt, weil sie Wilfrieds Regeln nicht immer befolgt habe.

Nachdem ihr mehrmals schwarz vor Augen geworden sei, habe Wilfried W. ihr Tabletten gegeben. »Er meinte, ich hätte Epilepsie.« Das Mittel habe sie willenlos gemacht. »Ich stand neben mir. Mir war alles egal.« Auf Wilfrieds Drängen habe sie ihre Oma um Geld gebeten und einen Kredit für ihn aufgenommen. »Ich denke, Wilfried hat etwa 10 000 Euro von mir bekommen.«

Erst als er ihr im Juli 2009 am Telefon gedroht habe, vorbeizukommen und sie totzuschlagen, sei sie zu einer Nachbarin geflohen. »Ich bin dann zu meinen Eltern gezogen.«

Trotzdem beteuerte Katharina O. zwei Monate später in einem Chat ihre Liebe zu Wilfried W. »Das passt doch nicht«, meinte der Vorsitzende Richter Bernd Emminghaus, und die Zeugin sagte: »Irgendwie habe ich wohl gehofft, ihn ändern zu können.«

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Mehr zum Thema

Anzeige


http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4808144?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F4078537%2F