Di., 30.05.2017

Tag 22 im Prozess um das »Horror-Haus« von Höxter: Zeugin spricht über die Beziehung zu Wilfried W. und Geldgeschenke an die Angeklagten Zeugin im Bosseborn-Prozess: »Ein ganz liebevoller Mann«

Wilfried W.mit seinen Verteidigern.

Wilfried W.mit seinen Verteidigern. Foto: Ludmilla Ostermann

Von Ludmilla Ostermann

Höxter/Paderborn (WB). Am 22. Tag im Prozess um das »Horror-Haus« von Höxter-Bosseborn sagt am Dienstag unter anderem eine Zeugin aus, die Wilfried und Angelika W. über Jahre mehrere zehntausend Euro gegeben hat. Sie beschreibt den Angeklagten als »faszinierend«. 

Zeugin H. und die 50.000 Euro 

Kennengelernt habe sie den Angeklagten im November 2011 über eine Kontaktanzeige. Auf ihr Schreiben habe sich zunächst Angelika gemeldet. »Ich hatte mich auf eine Anzeige für einen Mann gemeldet. Das kam mir alles komisch vor«, sagt die Zeugin. Als Angelika sie dann abholen will, hadert die Zeugin, wie sie erzählt: »Ich habe gedacht: Pass auf. Doch die Neugier war zu groß.«

Im Haus in Bosseborn sei Wilfried ihr aufgeregt vorgekommen. man habe sich ins Wohnzimmer gesetzt und Angelika sei gefahren (Zu diesem Zeitpunkt hat die Angeklagte noch in Godelheim gewohnt). Im Gespräch habe Wilfried schüchtern gewirkt, aber sie sei »total fasziniert von ihm«.  Es sei zu Umarmungen und Küssen gekommen. Sie habe sich sogar vorstellen können, dort zu leben, sagt Zeugin H.

Am nächsten Tag habe Wilfried sich erneut gemeldet. Ein weiteres Treffen habe sich jedoch hingezogen. »Auch, weil ich skeptisch war.« Erst im Mai 2012 kam es zu einem Wiedersehen. In der Zwischenzeit sei Angelika ins Haus nach Bosseborn gezogen. Nach einem gemeinsamen Abendessen sei man intim geworden. »Ein ganz liebevoller Mann«, sagt die Zeugin schwärmerisch. Angelika jedoch sei ein Störfaktor gewesen, weshalb Zeugin H. auch nicht nach Bosseborn zurückkehrte. »Sie hat sich immer eingemischt«, sei aggressiv gewesen und habe sie am Telefon beschimpft. 

Heiratsantrag auf Band

2013 habe es einen Heiratsantrag von Wilfried gegeben. »Den hat er auf Band gesprochen«, ergänzt Richter Bernd Emminghaus. Den habe sie aber abgelehnt, sagt die Zeugin. 

Die Zeugin habe den Angeklagten auch Geld gezahlt. Angelika habe zunächst danach gefragt. Als Grund sei Futterkauf für die Tiere genannt worden. Später hätten die beiden auch nach Geld für Autos und Autoreparaturen gefragt. 2014 sollte die Zeugin Geld für einen Kiosk geben. »Das habe ich gut gefunden, also habe ich Geld gegeben«, sagt die Zeugin. Bis zu 15.000 Euro habe sie nach eigenen Angaben dazugegeben. Insgesamt 50.000 Euro seien so an die Angeklagten gegangen. »Total blöd«, bewertet Kirstin H. ihr Verhalten heute.

Vor allem Angelika sei fordernd gewesen. »Du hast doch das Geld«, habe es geheißen. Sogar Drohungen habe es gegeben. Treibende Kraft dabei sei Angelika gewesen. Ihr sei es schlecht damit gegangen. »Aber ich wollte meine Ruhe haben, deshalb habe ich das Geld gegeben«, sagt die Zeugin. 

Wilfried habe ihr erzählt, Angelika würde sie quälen - vor allem aber seelisch. Wohl wegen all der Arbeit, die Angelika mit Wilfried hatte, begründet die Zeugin. Etwa habe er sich nie um den Kiosk gekümmert, sondern Angelika. »Sie musste doch alles machen.«  

Familie O. sagt aus

Das Gericht hat an diesem Dienstag auch die Familie von Kati O (heute K.). Die Frau trat 2008 in das Leben des Paares. 16 Monate sei sie mit Wilfried - der damals noch alleine in Berlebeck lebte - zusammen gewesen.

Zeuge Frank O. 

Der Vater von Kati O. erzählt aus dem Jahr 2008, in dem seine Tochter Wilfried W. kennengelernt hatte. Damals habe die Tochter ihre Ausbildung für den Angeklagten abgebrochen. »Sie sagte uns, sie habe den Mann ihres Lebens kennengelernt«, sagt Frank O. Nach einiger Zeit, nachdem die Tochter aus dem elterlichen Haus in Lichtenau (Kreis Paderborn) ins lippische Schlangen gezogen war, habe die Familie SMS bekommen. »Sie wolle nichts mehr mit uns zu tun haben, stand da«, sagt der Zeuge.

Im Juni 2009 habe es einen Anruf von Kati gegeben. Sie wolle abgeholt werden aus Berlebeck. Dort sei sie aus dem Fenster einer Wohnung geflüchtet. Die beiden Brüder hätten sie dann abgeholt. In der Nacht hätte die Familie dann die Wohnung noch ausgeräumt. Dort sei dann auch Angelika aufgetaucht und habe sie am Wegfahren hindern wollen. Schließlich sei die Polizei gekommen.

Zeugin Sabine O. 

Die Mutter von Kati O. berichtet von vielen Kennenlernversuchen, die sie und ihr Mann angestrebt hätten. »Er will das nicht«, habe Kati dann gesagt. Stundenlang habe sie in der Nacht mit Wilfried W. telefoniert.

Nachdem Kati nach der Episode in Berlebeck wieder bei den Eltern eingezogen war, habe sich die Tochter zu einer Anzeige überreden lassen. Darin heißt es laut Richter Emminghaus: »Ich wurde von ihm mehrfach geschlagen und verletzt.« Ihr gegenüber habe sie nicht viel erzählt, habe sich geschämt, sagt die Zeugin.

Angesprochen auf liebevolle WhatsApp-Nachrichten, die Kati O. auch nach der Flucht aus Berlebeck noch an Wilfried W. gerichtet hat, regiert die Zeugin mit Unverständnis. Das könne sie sich nicht erklären. »Sie will, dass er seine gerechte Strafe bekommt«, sagt die Mutter. Heute gehe es ihr gut.

Detlev Binder, Verteidiger von Wilfried W., beanstandet die Vernehmung der Familie. Die hatte offenbar zu dritt stattgefunden. »Ich finde, das ist eine unmögliche Vernehmungssituation.« Es könne nicht sein, dass alle drei Zeugen eine komplett gleiche Antwort gegeben haben. So aber sei es im Protokoll vermerkt. Richter Emminghaus und Staatsanwalt Ralph Meyer begründen dies mit der Randbedeutung der Zeugenaussagen. 

Zeuge Martin O. 

Als Bruder von Kati habe er sich während der Beziehung zu Wilfried W. ebenfalls um Kontakt bemüht. Aber den habe sie stets abgeblockt. Martin O. erinnert sich an die Nacht, in der die Schwester sich meldete: »Ich brauche Hilfe, bitte holt mich hier raus«, habe Kati geschrieben. Die Familie sei sofort losgefahren. Vor der Wohnung in Berlebeck seien zwei Personen gewesen. »Wir haben vermutet, dass es die beiden Angeklagten waren«, sagt der Zeuge.

Heute wolle Kati nichts mehr von der Geschichte wissen. »Sie bekommt die nackte Panik und will nichts mehr hören«.

Verteidiger Binder konfrontiert den Zeugen mit einer Anzeige gegen den zweiten Bruder. Darin wirft Kati O. ihm sexuellen Missbrauch vor. Der Zeuge will davon nichts gewusst haben. 

Das Gericht macht zwei Wochen Pause. Am 20. Juni wird der Prozess fortgesetzt. Dann sollen die Gerichtsmediziner gehört werden. 

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