Di., 11.07.2017

Bosseborn, Tag 26: Ex-Mithäftling sagt aus – mit Video »Vor solchen Menschen muss man Angst haben«

Der Bosseborn-Prozess geht in den 26. Verhandlungstag.

Der Bosseborn-Prozess geht in den 26. Verhandlungstag. Foto: Ludmilla Ostermann

Höxter/Paderborn (WB). Am 26. Verhandlungstag sollen weitere Zeugen im Prozess um das »Horror-Haus« von Höxter aussagen. So wird ein Zellengenosse von Wilfried W. gehört, ein Gerichtsmediziner ist geladen.  

Zeuge E. und das Gespräch in der Küche

Zeuge E. traf in der JVA Detmold im Jahr 2016 auf den Angeklagten. »Wir waren in der Küche am Kochen und haben über den Fall geredet«, erzählt der Zeuge. Vom Richter auf den Inhalt des Gesprächs in der Küche angesprochen, sagt der Zeuge im Gerichtssaal plötzlich: »Ich kann mich nicht erinnern«. Das will Emminghaus jedoch nicht glauben und erinnert an ein - im Falle einer Falschaussage - drohendes weiteres Verfahren für den Zeugen.

Der Richter zitiert eine frühere Aussage des Zeugen: »Er hat erzählt, wie er eine Frau zerstückelt hat und dabei gelächelt.« Darauf sei er gar nicht klar gekommen, sagt E. und sei auf Distanz zu Wilfried W. gegangen.

Wilfried habe behauptet, Angelika habe die Leiche von Anika W. alleine zerstückelt. »Aber wie soll das gehen? Da muss doch einer mit festhalten«, macht sich der Zeuge Gedanken. Er berichtet, Wilfried W. sei damals der Überzeugung gewesen, er würde in Therapie kommen oder freigesprochen werden.

»Der Typ ist völlig krank, der hat das mit Lust gemacht«, glaubt Zeuge E. »Vor solchen Menschen muss man Angst haben«, sagt der Zeuge von der Psychiaterin Nahlah Saimeh gefragt, ob er Angst vor Wilfried W. habe. Im Gefängnis habe er damit geprahlt, dauernd im Fernsehen zu sein.

Polizist F. und die Aussage des Häftlings

Der nun gehörte Polzeibeamte F. relativiert die Aussage des zuvor gehörten Zeugen. »Eine klare Linie in der Aussage war nicht zu erkennen«, sagt F. Mal seien laut Aussage zwei Frauen zerstückelt worden, mal eine. Neue Erkenntnisse seien aus der Aussage nicht entstanden.

Gerichtsmediziner Grellner und das Obduktionsprotkoll

Gerichtsmediziner Wolfgang Grellner aus Göttingen trägt nun das Obduktionsprotokoll von Susanne F. vor.  

Ein Body-Mass-Index von 18,5 habe noch nicht auf eine Unterernährung hingewiesen. Ein schweres, stumpfes Schädeltrauma sei hingegen festgestellt worden. 

Unterkühlung habe ebenfalls zum Tode des Opfers beigetragen. Darauf hätten verschiede Befunde hingewiesen. Auch bei er notärztlichen Untersuchung nach der Autopanne sei eine Körpertemperatur von unter 29 Grad Celsius festgestellt worden. Ob die Unterkühlung zum Tod geführt habe, sei nicht zu sagen, berichtet Gerichtsmediziner Grellner. 

Fixierungsmuster seien an beiden Armen ebenfalls zu beobachten gewesen. »Das ist ein sehr prägendes Gewaltmuster«, sagt der Mediziner. Weitere Gewalteinwirkung sei an den Extremitäten zu erkennen gewesen. Hämatome und Schürfwunden habe die Obduktion dort zu Tage gebracht. Ein Druckgeschwür zweiten Grades sei im unteren Rücken festgestellt worden. 

Ein Sturz von Susanne F. - wie er in vorherigen Prozesstagen von den Angeklagten berichtet wurde - sei durchaus plausibel, resümiert Grellner. Ebenfalls nicht auszuschließen seien Schläge und Tritte - vor allem gegen die unteren Extremitäten. Dies sei aber nicht ganz konkret zu belegen.

Von Richter Emminghaus gefragt, ob die Fesselungen auch zum Tode der Frau geführt hätten, sagt der Experte: Die ganze Behandlung der Susanne F. habe zu einer Schwächung der Konstitution des Opfers beigetragen. Fesselungen über mehrere Tage hinweg hätten dazu auch beigetragen. 

Gerichtsmediziner Grellner und die Videoanalyse

Die am Prozess beteiligten Personen schauen sich nun Videos aus dem Haus in Höxter an. Anhand dieser Bilder hat der Gerichtsmediziner sich ein Bild vom körperlichen Zustand des Opfers gemacht.

Er habe erkannt, dass sich der körperliche Zustand des Opfers sich im Laufe der Zeit in Bosseborn verschlechtert habe, sagt der Experte. Als eingeschränkt und  verlangsamt beschreibt Grellner den körperlichen Zustand von Susanne F. hingegen kurz vor ihrem Tode. 

Mit einer Behandlung hätte Susanne F. deutlich höhere Chancen gehabt, dem Tode zu entgehen, sagt der Mediziner. 

Der 27. Verhandlungstag im Bosseborn-Prozess ist beendet. Der Prozess wird am 18. Juli fortgesetzt. Dann soll das frühere Urteil gegen Wilfried W. eingeführt werden.

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