Di., 15.08.2017

Bosseborn-Prozess, Tag 29: Polizeibeamte schildern erste Vernehmung von Angelika W. Zeuge: »Sie hat es genossen, zu reden«

Angelika W. und ihr Verteidiger Alexander Strato.

Angelika W. und ihr Verteidiger Alexander Strato. Foto: Ludmilla Ostermann

Von Ludmilla Ostermann

Höxter/Paderborn (WB). Nach der Sommerpause im Prozess um das »Horror-Haus« von Höxter werden am 29. Verhandlungstag zwei Polizeibeamte gehört. Sie hatten Angelika W. im Frühjahr 2016 über Wochen vernommen.

Der Polizeibeamte F. und Angelikas Redeschwall 

Der schon zuvor gehörte Polizeibeamte F. äußert sich zur Vernehmung von Angelika W. F. soll den Eindruck schildern, den die Angeklagte auf ihn gemacht hat, erklärt Richter Bernd Emminghaus. Er lässt sich den Ablauf der Vernehmungen zwischen Ende April und Mitte Juni 2016 genau erklären.

»Sie wollte reden«, sagt Zeuge F. »Schon auf der Fahrt zum Polizeipräsidium war sie kaum zu stoppen.« Es sei zu Beginn um ihre persönliche Lebenssituation gegangen. F.: »Ich hatte den Eindruck, sie hat es genossen, zu reden.« 

In den ersten Vernehmungen habe die Angeklagte alles verharmlost. Mehr als »schuppen« (schubsen) sei nicht gewesen. Sie habe sich irgendwann im Verlauf der Vernehmungen dann dazu durchgerungen, ganz auszupacken, vermutet der Zeuge. Damals habe sie beteuert, Wilfried habe gar nichts damit zu tun. Es habe geheißen, sie allein sei schuldig, und dass sie ihn noch liebe. 

Das habe sich im Laufe der Ermittlungen geändert. Mehr und mehr Informationen seien zutage gekommen: Anika W.s vermeintlicher Umzug nach Holland, Zettel mit Informationen zum Verbleib des Opfers Anika W.

Nachdem Angelika W. vom Tode Anika W.s erzählte, habe sich ein regelrechtes Ratespiel entsponnen. »Ich sollte raten, wie sie die Frau ums Leben gekommen sei«, erzählt der Beamte. »Als ich die Antwort gehört habe, musste ich erst einmal nach Luft schnappen«. Angelika W. habe damals keine Gefühle gezeigt. »Ich schätze sie so ein, dass wenn sie etwas macht, will sie es ordentlich machen«, sagt F.

Die Inhalte, die Angelika W. geschildert habe, hätten ihn irgendwann nicht mehr gewundert, sagt der Polizeibeamte. Im Laufe der Vernehmung sei er abgestumpft. Sehr detailreich etwa habe die Angeklagte von der Zerteilung der Leiche Anika W.s berichtet.

Nach der Glaubwürdigkeit von Angelika W. gefragt, sagt der Polizeibeamte: »Ich habe den Eindruck gehabt, dass sie zuletzt schon die Wahrheit gesagt hat.« Es habe keinen Widerstand gegeben. »Sie hat nicht versucht, zu lügen«, verstärkt F. seine Aussage. Lediglich die Darstellung von Wilfrieds Tatbeteiligung habe sich geändert. Sie komme aus einem behüteteten Elternhaus. Mit dem Kennenlernen von Wilfried W. sei ihr Leben aus den Fugen geraten, glaubt der Zeuge.  

Polizeibeamtin B. und Angelikas Aussage

Gemeinsam mit dem zuvor gehörten Polizeibeamten F. hat die Zeugin Angelika W. vernommen.Bei der Festnahme habe Angelika W. nicht überrascht gewirkt. Als emotionslos beschreibt sie die Angeklagte während der Vernehmungen.

Auch diese Zeugin beschreibt den Wandel in den Aussagen von Angelika W. Nachdem sie mitbekommen habe, dass Wilfried W. sie zum Teil belastet hatte, habe sie damit begonnen, Wilfrieds Nichtbeteiligung revidiert.

Die letzte Version halte sie für sehr glaubhaft, sagt die Zeugin. Wohingegen bei der ersten Vernehmung vieles nicht gepasst habe. »Da hat man schon ein Gespür für.«

In der kommenden Woche, am 22. August, soll das Schriftstück verlesen werden , dass Wilfried W. an seinen Gutachter Professor Ostereier geschrieben hat. Ab dem 2. Oktober beginnt die Vernehmung der beiden Psychiater.  

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