Di., 12.09.2017

»Horror-Haus« in Bosseborn: Umbau beginnt – weniger Medienrummel um Dachdecker Schotte Macleod will selbst einziehen

Dachdecker Dave Macleod mit seinem Handwerker-Kleinlaster vor dem Haus Saatweg 6 in Bosseborn: Lange hat sich am »Horror-Haus« nichts getan, jetzt will der 50-Jährige endlich mit dem Renovieren beginnen, kündigt er gestern an.

Dachdecker Dave Macleod mit seinem Handwerker-Kleinlaster vor dem Haus Saatweg 6 in Bosseborn: Lange hat sich am »Horror-Haus« nichts getan, jetzt will der 50-Jährige endlich mit dem Renovieren beginnen, kündigt er gestern an. Foto: Michael Robrecht

Von Michael Robrecht

Höxter/Bosseborn (WB). Die Sanierungsarbeiten am »Horror-Haus von Höxter-Bosseborn« sollen noch in diesem September beginnen. Der neue Hauseigentümer , der Dachdecker Dave Macleod, hat bereits an einer Hausseite ein Gerüst aufgebaut und will mit dem Dach starten.

Sein Umbauprogramm habe sich verzögert , weil es im Sommer Nachuntersuchungen der Staatsanwaltschaft auf dem Gelände im Saatweg gegeben habe, berichtet Macleod. Erdarbeiten seien notwendig gewesen und Platten hochgenommen worden, nachdem neue Hinweise zum Verbrechen aufgetaucht seien. Jetzt habe die Polizei alles wieder frei gegeben. Dave Macleod will nun selbst in das durch die unfassbaren Verbrechen weltbekannt gewordene Haus einziehen. Für ihn sei das keine Belastung, sagte der Schotte dem WESTFALEN-BLATT. Vermieten wolle er das Haus aber entgegen erster anderer Überlegungen doch nicht.

Das »Horror-Haus von Höxter« steht wegen des noch bis weit in den Herbst vor dem Landgericht Paderborn laufenden Mordprozesses gegen die Angeklagten Wilfried W. und Angelika W. weiter im medialen Fokus. Er sei froh, dass es wenigstens um seine Person ruhiger geworden sei, nachdem er nach Bekanntwerden des Kaufs im Februar von internationalen TV-Teams, Magazin- und Zeitungsreportern sowie Talkshowredakteuren belagert worden sei. Auch die Problematik der Exklusiv-Bildrechte von Bild und RTL sei für ihn keines mehr: »Ich habe nie einen Vertrag über solche Abmachungen mit den Vorbesitzern gesehen, daher interessieren sie mich nicht«, spricht er ein kritisch diskutiertes Thema an.

Dachdecker Dave Macleod, der von sich gerne als »verrückter Kerl« spricht, will die Außensanierung zügig in Angriff nehmen und dann die Innenräume renovieren. Einige Vorarbeiten seien bei dem 80 Jahre alten Gebäude noch notwendig, da sei vieles sehr marode.

Er verwies auch Gerüchte ins Reich der Spekulation, er wolle das »wohl zeitweise bekannteste Haus der Welt« weiterverkaufen oder er habe Angebote von Auswärtigen bekommen. Auch der Garten werde bald in Ordnung gebracht, darum hätten ihn einige Nachbarn gebeten.

Zum Schnäppchenpreis hat der Schotte das  Siedlungshaus erworben. Die Alteigentümerfamilie hatte ihren ursprünglichen Plan aufgegeben,  das seit 2010 an Wilfried W. und Angelika W. vermietete 1930er-Jahre-Haus abzureißen,  und dem 50-jährigen Dachdecker die Immobilie Saatweg 6 für   5000 Euro überlassen. Nahezu ausgeräumt war das verlassene Haus schon, nachdem die Polizei die Freigabe erteilt hatte. »Das  belastete Interieur   ist abgefahren  worden«, erklärte Macleod.

Macleod wird oft auf das Haus angesprochen

Seit Februar werde er bei Kunden und anderswo oft auf seinen Hauskauf angesprochen: »Doch nicht das Haus ist schlecht, sondern die Menschen, die darin andere gequält oder getötet haben sollen«, sagt der Schotte überzeugt.  Deshalb habe er auch kein Problem mit dem Umbauprojekt. »Ich erzähle auch immer die Geschichte von meiner weisen alten Tante in Schottland, die ich angerufen und ihr von meinen Plänen erzählt habe: Die sagte sofort, dass es in so einem Mörder-Haus sicher böse Geister oder andere merkwürdige Dinge geben könne. Ich solle auf jeden Fall vorsichtig sein. Doch ich bin gläubig – und nicht abergläubisch.«

Dave Macleod bleibt auch dabei, dass er eine kleine Erinnerungstafel für die Verbrechensopfer am Haus anbringen möchte, sobald der neue Anstrich fertig ist. Über eine angemessene Form der Erinnerung am schaurigen Ort wird schon länger gesprochen, die Meinungen sind geteilt. Die Bosseborner ahnen, dass zu Jahrestagen oder bei ähnlichen Verbrechen in Zukunft der »Horror-Haus«-Fall immer wieder thematisiert werden wird. Viele sind froh, wenn der Prozessmarathon in Paderborn vorbei ist und die Urteile gesprochen sind.

Bürger aus dem Kreis berichten, dass sie im Sommerurlaub wegen HX-Kennzeichen und Höxter-Herkunft auf den spektakulären Fall Bosseborn angesprochen worden seien.

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