Mi., 11.10.2017

Im »Horror-Haus« entstanden mehr als 15.000 Videos und Tonmitschnitte Die Handykamera lief meistens mit

Angelika W. und ihr Verteidiger Peter Wüller am 32. Verhandlungstag.

Angelika W. und ihr Verteidiger Peter Wüller am 32. Verhandlungstag. Foto: Althoff

Von Christian Althoff

Paderborn (WB). Im »Horror-Haus« von Höxter haben Wilfried W. (47) und seine Ex-Frau Angelika (48) mit ihren Handys weit über 15.000 Videos und Audiodateien aufgenommen. Die Kripo hat alle ausgewertet – die meisten dokumentieren Auseinandersetzungen der beiden mit Opfern.

Das Schwurgericht spielte am Dienstag auf einem Laptop am Richtertisch zwei Videos ab . Sie entstanden im Februar und April 2014 in der Küche des »Horror-Hauses« und geben Anfeindungen zwischen dem Paar und Wilfrieds damaliger Frau Anika W. (33) wieder.

Überwiegend ist Angelika W. zu hören. Sie herrscht die Frau in einem aggressiven Ton an, beleidigt sie und wirft ihr immer wieder vor, Wilfrieds Regeln zu missachten – ihn beim Reden nicht anzusehen, ihm keinen Tee hinzustellen und ihn nicht ans Trinken zu erinnern. Gebetsmühlenartig wiederholt sie ihre Angriffe.

Nuschelnde Bestätigung

Wilfried W.s nuschelnde Stimme ist seltener zu hören, aber er bekräftigt Angelika W. in ihrem Tun. Nur ganz vereinzelt kommt Anika W. zu Wort, die sich aber nur zaghaft zur Wehr setzt. Ein paar Monate später, im August 2014, ist sie tot.

Die Angeklagte sah sich das Video zeitweise sichtlich amüsiert an. Rechtsanwalt Roland Weber, der die Mutter der toten Anika W. vertritt, verließ nach einiger Zeit genervt den Gerichtssaal. »In den Videos wird nicht inhaltlich gestritten, sondern nur geschimpft, beleidigt und gedroht, und das ohne Unterlass. Interessant ist aber, dass Wilfried sich nicht vor seine Frau Anika stellt, wie er es uns weismachen wollte. Er ist nicht der Kuschelbär, als der er sich im Prozess darstellt«, sagte Weber.

Fehler festhalten

Gefragt, warum man tausende von Aufnahmen gemacht habe, sagte die Angeklagte Angelika W.: »Wenn eine Frau zugab, einen Fehler gemacht zu haben, wollte ich das auf dem Handy haben.«

Den Verteidigern von Wilfried W. genügen die beiden am Dienstag gezeigten Videos nicht. Dr. Detlev Binder und Dr. Carsten Ernst beantragten, alle 12.817 Audiodateien, die auf einem Handy von Wilfried W. gespeichert sind, zu hören. Binder: »Man wird erfahren, dass mein Mandant den Charme eines kleinen Jungen zeigt, der auf der Suche nach Liebe und Anerkennung ist. Man bekommt den Eindruck eines verunsicherten und hilflosen Mannes.«

Es werde deutlich, dass Wilfried W. ein Träumer sei, der andere Menschen nicht lenken könne. Gegen diese Bewertung protestierte Peter Wüller, Verteidiger von Angelika W.: »Wilfried W. ist ein brutaler, sadistischer Mörder. Dass er als hilfloses Kind dargestellt wird, empfinde ich als Zumutung.«

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