Di., 24.10.2017

Richter liest Gesprächsprotokolle an Tag 33 im Fall Bosseborn vor Wilfried W.: »Ich bin kein Sadist, oder?«

Foto: Ann-Christin Lüke

Von Ann-Christin Lüke

Höxter/Paderborn (WB). Tag 33 im Prozess um das »Horror-Haus« von Höxter Bosseborn setzt da an, wo der Prozess zuletzt endete. Mit einem Sammelsurium aus Sprachnachrichten, Audio-Aufnahmen und Gesprächen, die von den Ermittlern ausgewertet wurden.

Die Protokolle dieser Mitschnitte werden vom vorsitzenden Richter Bernd Emminghaus vorgelesen. Dabei gibt es keine bestimmte (etwa zeitliche) Reihenfolge. Manchmal sind es ganze Gespräche, dann wieder nur kurze Einzelsätze (Sprachnachrichten), die eingebracht werden.

Zunächst geht es um Sprachnachrichten, die der Angeklagte Wilfried W. an seine Ex-Frau und Mitangeklagte Angelika W. verschickt hat.

»Denk daran, dass du mein Bild aus ihrem Handy rausmachst. Nicht das jemand erkennt: das ist der Kerl«, heißt es in einer der Nachrichten. Häufig geht es darum, wo Wilfried W. sich gerade in diesem Moment aufhält. Mehrfach fragt er Angelika W. wie es ihr und Susanne F. (dem mutmaßlichen zweiten Todesopfer) geht.

»Angelika, was machen wir mit Susanne jetzt? Willst du sie heute wegbringen, oder...«, möchte er wissen. Seine Sätze wirklen abgehakt und holprig.

»Ich schubse nicht, ich schlage nicht.«

Den größten Redanteil in allen Gesprächen haben die Angeklagten (sowohl bei Susanne F. als auch Wilfrieds dritter Ehefrau Annika W.). In einem Streitgespräches zwischen den Angeklagten und Susanne F. beklagt sich Wilfried W. darüber, dass F. ihm keine Antworten gebe. Immer wieder vergewisstert er sich zudem, dass er nichts gemacht habe. Er überschüttet sie förmlich mit Fragen.

Wilfried W.:»Habe ich dich geschlagen? Misshandelt?« - Susanne F.: »Du hast nie etwas gemacht.«

Wilfried W.: »Ich schubse nicht, ich schlage nicht.« - Susanne F.: »Nein.«

Wilfried W.: »Ich bin kein Sadist, oder?« - Susanne F.: »Nein bist du nicht.«

Es gibt zudem Aufnahmen von März 2016. Darin schildert Susanne F etwa, welche Bestrafungen auf »Fehlverhalten« folgen sollen: »Wenn ich nicht höre, dann darf Wilfried mir Ohrfeigen geben« - oder ihr den Hintern versohlen.

»Ich liebe dich, Schatzi«, beteuert Wilfried W. an anderer Stelle. Er nennt sie auch »Mausi«. Die Antworten von Susanne F. sind teilweise unverständlich.

Immer wieder Vorhaltungen

In Gesprächen zwischen Angelika W. und Susanne F. wird vor allem deutlich, dass die Angeklagte unzufrieden mit dem Opfer ist. Immer wieder hagelt es Vorhaltung. »Da hätte ich mir die 20 Euro für die Anzeige auch sparen können«, heißt es an einer Stelle (die Angeklagten hatten Susanne F. über eine Kontaktanzeige kennengelernt).

Angelika W. beklagt sich über das Verhalten Fs gegenüber Wilfried W. (sie »trampele« auf dessen Leben herum), dass sie im Haushalt nichts mache, zu langsam und »frech« sei. »Du bist gute 40, da kannst du ja wohl nicht erwarten, dass du den Rest deines Lebens füttern lässt? Warum machst du es nicht selber?«, herrscht Angelika W. das Opfer an einer Stelle an. Offensichtlich ist F. zu diesem Zeitpunkt körperlich schon schwer beeinträchtigt. »Ich komme nicht dran«, antwortet sie.

An anderer Stelle gibt sich Wilfried als Vermittler: »Willst du zurück nach Bad Gandersheim (der letzte Wohnort des Opfers, bevor sie nach Bosseborn zog)?«, fragt er F. »Was soll ich denn da?«, gibt diese zurück. Also müsse sie bei ihm bleiben, schließt W. daraus. Ob sie ins Krankenhaus müsse? »Nein.« »Du hast ja auch nichts«, bekräftigt W. »Wenn du und Angelika euch in der Wolle habt und gegenseitig schubst, dann kann da keiner was für. Du musst mal aufstehen, Susanne, dann geht es dir auch besser. Du machst immer auf faul.«

So geht es weiter:

Am 14. November soll der Prozess fortgesetzt werden. Dann sollen die psychologischen Gutachter zu Wort kommen und über die Gespräche mit den Angeklagten berichten und ihre jeweiligen Gutachten vorstellen. Los gehen soll es mit den Aussagen von Prof. Dr. Michael Osterheider.

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