Di., 07.11.2017

Das Urteil könnte im ersten Quartal 2018 gesprochen werden Ein Jahr »Horror-Haus«-Prozess

Bundesweit beachtet: Am 26. Oktober 2016 begann der Prozess in Paderborn.

Bundesweit beachtet: Am 26. Oktober 2016 begann der Prozess in Paderborn. Foto: Besim Mazhiqi

Von Christian Althoff

Paderborn (WB). Mittlerweile ist es ein Jahr her, dass vor dem Paderborner Schwurgericht der Mordprozess gegen Wilfried W. (47) und seine Ex-Frau Angelika (48) aus Höxter-Bosseborn begonnen hat.

Nach 33 Verhandlungstagen geht das Verfahren langsam auf die Zielgerade: Am 14. November möchte der Vorsitzende Richter Bernd Emminghaus den Gutachter Prof. Michael Osterheider hören, der Wilfried W. untersucht hat.

An einem der folgenden Prozesstage wird dann Dr. Nahlah Saimeh gehört, die Gutachterin für Angelika W. Stellen die Verteidiger anschließend nicht noch unablehnbare Beweisanträge, kann die Beweisaufnahme geschlossen werden. Ein Urteil im ersten Quartal erscheint damit möglich.

Großer Ansturm ebbt ab

Noch immer kommen viele Zuschauer, der große Ansturm der ersten Monate ist aber abgeebbt. Vor allem aus dem Mund von Angelika W. hörten die Besucher viele Grausamkeiten, vorgetragen in einem gleichgültigen, manchmal amüsiert scheinenden Ton. Wilfried W. sagte dagegen so gut wie nichts.

Die vielleicht überraschendste und für den Prozessausgang mitentscheidende Aussage hörten Zuschauer und Prozessbeteiligte im Juli, als Prof. Dr. Wolfgang Grellner, der Leiter der Rechtsmedizin an der Universität Göttingen, befragt wurde.

Er hatte Susanne F. (41) obduziert, die im April 2016 an einer Hirnblutung gestorben war – zwei Tage nachdem Angelika W. sie gegen einen Küchenschrank gestoßen haben soll.

Mordvorwurf wohl nicht haltbar

Gericht und Staatsanwaltschaft waren vor Prozessbeginn davon ausgegangen, dass die Frau hätte gerettet werden können, hätten Wilfried und Angelika W. sie rechtzeitig ins Krankenhaus gebracht. Der Rechtsmediziner erklärte aber, die Rettung sei keinesfalls sicher gewesen. »30 bis 80 Prozent der Menschen, die eine Hirnblutung haben, sterben daran – selbst wenn sie sofort behandelt werden«, sagte Prof. Grellner.

Die Bandbreite von 30 bis 80 Prozent begründete er mit der unterschiedlichen Qualität von Krankenhäusern.

Mord durch Unterlassen – der Vorwurf scheint nach dieser Expertenaussage nicht mehr haltbar, auch nicht im Fall des ersten Opfers Anika W. (33).

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