Do., 23.11.2017

Gerichtspsychiater aus Regensburg wohl nicht länger zu halten Betrugsvorwürfe gegen Gutachter Osterheider

Prof. Michael Osterheider.

Prof. Michael Osterheider. Foto: Besim Mazhiqi

Von Christian Althoff

Paderborn/Höxter (WB). Prof. Michael Osterheider (61) von der Universität Regensburg, der im »Horror-Haus«-Prozess den Angeklagten Wilfried W. (47) begutachten soll, wird des Betrugs verdächtigt. Er scheint als Gutachter im Paderborner Prozess nicht mehr haltbar.

Dienstagabend informierte Osterheider das Schwurgericht, dass er aus Krankheitsgründen  an der Verhandlung am Mittwoch nicht teilnehmen werde. Sein Fernbleiben ersparte dem Psychiater, die Vorwürfe zu hören, die gegen ihn laut wurden.

 Bereits vergangene Woche hatte Osterheider die Schwurgerichtskammer schwer verstimmt. Er hatte ausgesagt, Wilfried W. habe ihm gegenüber gestanden, außer der Mitangeklagten noch weitere Frauen fast bis zur Bewusstlosigkeit erstickt zu haben, um sich sexuell zu erregen.

Diese Behauptung Osterheiders taucht jedoch in seinem schriftlichen Gutachten nicht auf, und Osterheider nahm sie nach ein paar Minuten auch wieder weitgehend zurück. Über sein Verhalten sei die Kammer entsetzt gewesen, war zu hören.

»Auf eigener Exploration«

Nun besteht nun der Verdacht, dass Prof. Osterheider einen Besuch bei Wilfried W. in der Justizvollzugsanstalt Detmold abgerechnet hat, den es nie gegeben haben soll.

Auf Seite 3 seines vorläufigen Gutachtens über Wilfried W. vom 7. Juli 2017 schreibt Osterheider, sein Gutachten basiere »auf eigener Exploration«, also Untersuchung, des Beschuldigten, unter anderem »am 5. April 2017 von 9 Uhr bis 12.45 Uhr in der JVA Detmold«.

Verteidiger Dr. Detlev Binder, wegen Osterheiders Auftritt am letzten Verhandlungstag misstrauisch geworden, fragte vor einigen Tagen im Gefängnis nach und erfuhr, dass Osterheider am fraglichen Tag nicht dort war. Das wollte das Gericht genau wissen und befragte den Psychologen Maximilian Wertz (29) aus Regensburg. Er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter Osterheiders und war ebenfalls mit der Untersuchung von Wilfried W. befasst. Wertz: »Am 5. April war ich alleine im Gefängnis und habe den Angeklagten untersucht. Professor Osterheider war nicht dort.«

Nicht mehr tragbar?

Der Vorsitzende Richter Bernd Emminghaus fragte den Psychologen, der die Sitzungen Osterheiders in der JVA protokolliert hatte, ob denn die Angaben Prof. Osterheiders von letzter Woche zuträfen, dass nämlich Wilfried W. weitere Beinahe-Erstickungen gestanden und als Motiv sexuelle Erregung angegeben habe. Der Psychologe gab an, dass Wilfried W. diese Aussagen »nicht getätigt« habe.

Im Gegenteil: »Er sagte, dass ihn Gewalt nicht errege und er Gewalt im Zusammenhang mit Sex ablehne, weil er als Kind missbraucht worden sei.«

Der Vorsitzende Richter erklärte, aus Gründen der Fairness müsse Osterheider die Möglichkeit zur Stellungnahme bekommen. Allerdings wurde am Rande des Prozesses bekannt, dass die Kammer den Gutachter wohl für nicht mehr tragbar hält.

Gericht prüft

Es soll die Überlegung geben, Wilfried W. von Dr. Nahlah Saimeh begutachten zu lassen, die als Gutachterin für die Mitangeklagte Angelika W. im Prozess sitzt.

Deren Anwalt Peter Wüller sagte vor Gericht, Osterheider habe »gelogen und gefälscht«. Verteidiger Dr. Detlev Binder erklärte, im Falle einer Verurteilung dürften den Angeklagten die mindestens fünfstelligen Kosten des Gutachters nicht aufgehalst werden. »Vielmehr muss die Landeskasse versuchen, das Geld von ihm zurückzubekommen.«

Das Gericht prüft nun, ob Osterheider für den 5. April eine Rechnung geschrieben und Geld bekommen hat. Sollte das so sein, will der Vorsitzende Richter die Staatsanwaltschaft einschalten. 

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