So., 03.12.2017

»Horror-Haus«: Gericht prüft Rechnung des Gutachters Prof. Michael Osterheider Kein Hinweis auf Betrug

Prof. Michael Osterheider ist krankgeschrieben.

Prof. Michael Osterheider ist krankgeschrieben. Foto: Mazhiqi

Paderborn (WB/ca). Der Verdacht, der psychiatrische Gutachter Prof. Michael Osterheider aus Regensburg habe einen Besuch im Detmolder Gefängnis abgerechnet, obwohl er nicht dort gewesen sei, hat sich nicht bestätigt. Das haben Recherchen des Paderborner Schwurgerichts ergeben.

Osterheider ist als Gutachter im »Horror-Haus«-Prozess für den Angeklagten Wilfried W. (47) zuständig. In seinem schriftlichen Gutachten zur Schuldfähigkeit beschreibt Osterheider ein Gespräch, das er am 5. April 2017 in der JVA Detmold geführt haben will. Nach Unterlagen des Gefängnisses und der Aussage eines Mitarbeiters Osterheiders war der Gutachter an dem Tag aber überhaupt nicht im Gefängnis.

Das Schwurgericht prüfte daraufhin, ob der Gutachter den »Besuch« gegenüber dem Gericht abgerechnet hat. »Dafür fand sich aber kein Anhaltspunkt«, sagte der Vorsitzende Richter Bernd Emminghaus am Freitag.

Osterheider weiter krankgemeldet

Im Raum steht allerdings noch die Frage einer möglichen Falschaussage. Denn Osterheider hatte vor Gericht erklärt, er sei am 5. April bei Wilfried W. gewesen.

Ob das Gericht den Gutachter überhaupt noch einmal zu den Vorwürfen befragen kann, ist ungewiss. Osterheider hatte sich an den vergangenen beiden Prozesstagen krankgemeldet, und jetzt liegt dem Gericht ein Attest vor, in dem von einer längeren Erkrankung die Rede ist.

Angeblich heißt es in dem Attest sinngemäß, es solle alles vermieden werden, was Osterheider Stress bereite. Das schließt eine gerichtliche Befragung des Gutachters, die letztlich zu einer Beschuldigtenvernehmung hätte werden können, aus.

Schlüsselzeugen könnten erneut befragt werden

Wie geht es nun im »Horror-haus«-Prozess weiter? Das Gericht wird Prof. Michael Osterheider in Kürze entpflichten – offiziell aus gesundheitlichen Gründen. Dann wird Gutachterin Dr. Nahlah Saimeh, die bisher für die Angeklagte Angelika W. (48) im Prozess sitzt, seine Aufgabe übernehmen.

Ob das Gericht einige Schlüsselzeugen noch einmal lädt, damit Dr. Saimeh sie befragen kann, um ihr Gutachtern über Wilfried W. zu schreiben – darüber ist noch nicht entschieden. Das Gericht will die Gutachterin erst fragen, was sie für notwendig erachtet.

Der nächste Verhandlungstag am kommenden Dienstag wird sehr kurz werden, weil Dr. Saimeh entschuldigt fehlt und es keine Zeugen mehr gibt, die noch nicht gehört wurden.

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