Mi., 10.01.2018

Gericht will Wilfried W.s erste Ehefrau und ihre damalige Peinigerin hören Was geschah vor 24 Jahren?

Wilfried W.: Das Gericht will sich mit seiner Verurteilung von 1995 befassen und Opfer und Täterin von damals hören.

Wilfried W.: Das Gericht will sich mit seiner Verurteilung von 1995 befassen und Opfer und Täterin von damals hören. Foto: dpa

Von Christian Althoff

Paderborn (WB). Nach fast einem Vierteljahrhundert werden zwei Frauen jetzt mit ihrer Vergangenheit konfrontiert. Die eine wurde 1994 schwer misshandelt und gequält, die andere war damals die Gehilfin des Täters.

Am 38. Verhandlungstag des »Horror-Haus«-Prozesses hat das Paderborner Schwurgericht am Dienstag bekanntgegeben, die erste Ehefrau des Angeklagten Wilfried W. (47) sowie seine damalige Geliebte als Zeuginnen zu hören. Sie werden voraussichtlich am 20. Februar befragt.

Im März 1994 lernte Wilfried W. in Paderborn seine spätere erste Ehefrau kennen, die ihn für ihre große Liebe hielt. Deshalb ertrug sie es auch, dass er immer wieder mit Boxhandschuhen auf sie einprügelte. Trotz großer Bedenken ihrer Eltern heiratete die Frau den arbeitslosen Gelegenheitsjobber im Juli 1994.

Ehe als Martyrium

Die Ehe wurde zum Martyrium. Bereits einen Monat nach der Hochzeit war die Frau nicht nur mit blauen Flecken übersät, Wilfried W. verbrannte ihr auch mit einem Föhn einen Oberarm und einen Unterschenkel. Später quälte er sie mit einem heißen Bügeleisen. Er biss sie, er schlug sie, er bedrohte sie mit einer Pistole und missbrauchte sie. So steht es in dem Urteil, mit dem das Amtsgericht Paderborn Wilfried W. 1995 zu 33 Monaten Gefängnis verurteilte. Mit demselben Urteil wurde gegen seine damalige Geliebte ein Jahr Haft auf Bewährung verhängt. Denn Wilfried W. hatte wenige Wochen nach der Hochzeit Kontakt zu dieser früheren Freundin aufgenommen und sie in die eheliche Wohnung geholt. Laut Amtsgericht Paderborn verstand er es, die Frauen gegeneinander aufzubringen. Die Ehefrau wurde gedemütigt und von beiden verprügelt, bis ihr die Flucht gelang.

Wilfried W. akzeptierte Urteil nicht

Das Urteil von 1995 wird im aktuellen Prozess wichtig, wenn es um die Gefährlichkeitsprognose für Wilfried W. und seine Rolle in Dreierbeziehungen geht. Er bestreitet bis heute die Feststellungen des Gerichts von 1995. Im »Horror-Haus«-Prozess äußerte sich Wilfried W. dahingehend, dass die Geliebte damals die Haupttäterin gewesen sei, er aber ihr zuliebe alles auf sich genommen und das Urteil akzeptiert habe. Auch der Umstand, dass Wilfried W. das Urteil von 1995 bis heute nicht akzeptiert, könnte das Schwurgericht veranlasst haben, die beiden Frauen von damals als unmittelbare Beteiligte des Geschehens nach 24 Jahren zu befragen. Möglicherweise wird die Öffentlichkeit für einen Teil der Aussagen ausgeschlossen.

Der Prozess wird am 23. Januar fortgesetzt.

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