Di., 22.07.2014

Gründer der Technischen Fakultät Prof. Ipke Wachsmuth verabschiedet  »Ich bin ein Roboter« 

Prof. Ipke Wachsmuth (rechts) und sein Nachfolger Prof. Stefan Kopp.

Prof. Ipke Wachsmuth (rechts) und sein Nachfolger Prof. Stefan Kopp.

Von Sabine Schulze

Bielefeld (WB). Ganz am Ende lüftete Prof. Ipke Wachsmuth ein Geheimnis: »Ich bin ein Roboter«, outete sich der Gründer der Technischen Fakultät. Vor 25 Jahren ist er an die Universität Bielefeld gekommen, jetzt ist der 64-Jährige verabschiedet worden.

 Zugleich hat sich sein Nachfolger, Prof. Stefan Kopp, längst an der Fakultät beheimatet, mit seiner Antrittsvorlesung vorgestellt.

 Wachsmuth, in Rehren bei Rinteln geboren, studierte an der TU Hannover Mathematik mit dem Nebenfach Informatik. Nach der Promotion (1980) ging er für zwei Jahre an die Northern Illinois University, USA, war von 1983 bis 1986 an der Universität Osnabrück und anschließend zwei Jahre Gastforscher bei IBM.

 1989 nahm er einen Ruf nach Bielefeld an. »Künstliche Intelligenz« ist das Forschungsgebiet von Ipke Wachsmuth, der Mitinitiator zweier Sonderforschungsbereiche war, das Exzellenzcluster zur »Kognitiven Interaktionstechnologie« (Citec) mitaufbaute – es befasst sich mit der Mensch-Maschine-Kommunikation – und der 31 Nachwuchswissenschaftler promovierte. Darüber hinaus war er ein sehr engagierter geschäftsführender Direktor des Zentrums für interdisziplinäre Forschung.

 Das alles fasst den Menschen Wachsmuth aber nicht: Er ist Informatiker, hat den Avatar »Max« geschaffen – eine virtuelle Figur, mit der man kommunizieren kann – und kann auf 359 Publikationen zurückblicken. Aber er ist alles andere als ein »Nerd«, der außer Technik keine Interessen hat.

 »Als das CorLab der Universität eingerichtet wurde, war das für mich wie damals, als ich am 6. September 1970 auf Fehmarn Jimi Hendrix gesehen habe«, erzählt er. Das Datum weiß er noch genau, weil er ein Archivgedächtnis hat. Im Garten darf er zwar nicht arbeiten – der ist das Refugium seiner Frau –, dafür ist Wachsmuth, Vater von drei Kindern und fünffacher Großvater, gerne auf Norderney. Dort hat er eine Wohnung, die er mit einem Roboter teilt: Er nennt ihn »Staubi« – was verrät, dass es ein Staubsauger ist.

 Wachsmuth, dessen Musikinstrument die Maultrommel ist, ist Autonarr: Lange ist er Alfa Romeo gefahren, seit einigen Jahren schwört er auf seinen Maserati mit einem für Informatiker »sprechenden« Kennzeichen. Auch die Frage nach seinem Alter beantwortet er wie ein Informatiker: »Eine Million«. Die Erklärung folgt: 64 wird als Binärzahl mit einer 1 und sechs Nullen dargestellt.

 In seiner auch für Laien alles andere als langweiligen Abschiedsvorlesung schlug er nachdenkliche Töne an, befasste sich mit ethischen Fragen der Robotik: Wenn Maschinen, auch wenn sie menschenähnlich gestaltet sind, in der Pflege eingesetzt werden: Wo bleibt dann die Würde der Betreuten, wo die Zuwendung?

 Die Frage nach den sozialen kognitiven Systemen und sozialer Interaktion wird auch Wachsmuths Nachfolger, der ein »Eigengewächs« der Uni ist, beschäftigen: Stefan Kopp leitet bereits eine Arbeitsgruppe zu diesen Fragen und wird diese Forschungen an der Technischen Fakultät fortsetzen.

Kommentare

"s/Maultrommel/Mundharmonika/g" wie die Informatiker es gerne formulieren würden - das Instrument der Wahl ist und bleibt nämlich Wachsmuths Mundharmonika, nicht die Maultrommel.

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