Sa., 09.08.2014

Stimmung emotional – einige Festnahmen – Polizeibeamtin verletzt +++ mit Video 6500 Jesiden demonstrieren

Am Kesselbrink angekommen: 6500 Jesiden nahmen an der Demonstration teil.

Am Kesselbrink angekommen: 6500 Jesiden nahmen an der Demonstration teil. Foto: Hans-Werner Büscher

Von Hendrik Uffmann und unseren Nachrichtendiensten

Bielefeld (WB/epd/dpa). 6500 Jesiden haben am Samstag in Bielefeld gegen die Verfolgung und Ermordung von Mitgliedern ihrer Glaubensgemeinschaft durch die Terror-Organisation »Islamischer Staat« (IS) im Nordirak demonstriert.

Aufgerufen zu der Kundgebung hatten zahlreiche Jesidische Organisationen in Deutschland. Die Teilnehmer kamen aus Bielefeld und der Region, aber auch aus dem gesamten Bundesgebiet. Unter ihnen waren viele Familien, Frauen und Kinder.

Sprechchöre und Plakate

In Sprechchören in kurdischer und deutscher Sprache und auf Transparenten forderten sie ein Ende der Gewalt gegen die Jesiden und auch gegen Christen im Nordirak. »Das ist kein Krieg sondern Völkermord«, »Stoppt IS«, »Rettet die Christen«, stand auf Plakaten. In den Tagen zuvor hatte es Demonstrationen in Herford (2500 Teilnehmer) und in Detmold (600) gegeben.

Die Abschlusskundgebung auf dem Kesselbrink. Foto: Hans-Werner Büscher

Versammelt hatten sich die Teilnehmer ab dem Vormittag auf dem Gelände an der Radrennbahn im Osten Bielefelds. Um kurz nach 14 Uhr machte sich der Demonstrationszug dann auf den Weg über die Heeper Straße bis ins Zentrum zum Kesselbrink. Dort gab es dann eine Abschlusskundgebung. 

Salafisten in Herford

Die Polizei hatte sich in Bielefeld mit einem großen Aufgebot vorbereitet, nachdem am Mittwoch Jesiden in Herford angegriffen worden waren. Sie hatten ein Plakat mit einem Demonstrationsaufruf gegen die Verfolgung der Jesiden im Irak in ein Schaufenster geklebt. Daraufhin wurden sie von sechs Männern angegriffen. Zwei von ihnen werden von Sicherheitsbehörden als Top-Salafisten eingestuft.

Auf der Flucht

Über eine halbe Million Menschen sind vor der Gewalt im Nordirak auf der Flucht, darunter bis zu 100.000 Christen. Die radikal-sunnitische Terrorgruppe verfolgt vor allem Christen, Schiiten und Jesiden. Zigtausende Jesiden harren derzeit von der Außenwelt abgeschlossen im Sindschar-Gebirge aus. Am Samstag griffen Kampfjäger der USA Stellungen der Milizen im Nordirak an.

Von der Radrennbahn führte der Weg über die Heeper Straße in die Innenstadt. Foto; Hans-Werner Büscher

Vor dem Start war eine Frau zusammengebrochen nachdem sie die Nachricht erhalten haben soll, das Familienmitglieder im Irak von Islamisten ermordet worden seien. 

Großeinsatz für die Polizei. Foto: Hans-Werner Büscher

Die Polizei begleitete die Kundgebung mit einem Großaufgebot. Eine Einheit mit sechs Pferden der Reiterstaffel aus Dortmund, mehrere Einsatzhundertschaften vor allem aus dem Rheinland, ein Hubschrauber der Fliegerstaffel aus Dortmund und fast alle verfügbaren Einheiten der Bielefelder Polizei waren im Einsatz.

Tumultartige Auseinandersetzung und Festnahmen

Zum Abschluss der Kundgebung kam es zu Ausschreitungen. Ein Bielefelder Pärchen wurde attackiert. Die Frau hatte eine kritische Bemerkung gemacht, daraufhin wurden sie von Jesiden angegriffen. Als die Polizei einschritt, wurden die Beamten mit Wasserflaschen beworfen, dabei erlitt eine Polizistin leichte Verletzungen. Nur durch ein massives Polizeiaufgebot konnte die Situation entschärft werden.

Bei einer Fahrzeugüberprüfung fand die Polizei bei einem Versammlungsteilnehmer eine scharfe Schusswaffe. Der Mann wurde festgenommen. In einem anderen Auto entdeckte die Polizei fünf Menschen mit Schutzbewaffnung. Auch diese Personen wurden festgenommen.

Die Stimmung war schon beim Start an der Radrennbahn emotional.

Dr. Ali Khalaf: Auf das Leid der Jesiden aufmerksam machen

Die Lage der Menschen in der Region um das Sindschar-Gebirge nahe der Grenze zur Türkei sei verzweifelt, sagte Dr. Ali Khalaf, Zahnarzt aus Herford und Mit-Organisator der Demonstration. Er hatte nach eigenen Worten noch am Morgen mit Menschen in der Region telefoniert. »Seit heute kommt die humanitäre Hilfe der USA an, aber sie reicht bei weitem nicht«, sagte Khalaf am Samstag.

Die Demonstration habe das Ziel, die deutsche Bevölkerung auf das Leid der Jesiden aufmerksam zu machen und die Bundesregierung zu bewegen, sich für die Verfolgten einzusetzen. Notwendig sei die Einrichtung einer Sicherheitszone und die Versorgung der Menschen mit Lebensmitteln und Wasser.

Sigrid  Beer: »Humanitäre Katastrophe«

Mehr als eine Million Menschen, die ihre Heimat verloren hätten und jetzt im Irak unterwegs seien, seien eine »humanitäre Katastrophe«, erklärte die parlamentarische Geschäftsführerin der NRW-Grünen, Sigrid Beer, auf der Kundgebung. Sie mahnte mehr Hilfen der Bundesregierung an. Jetzt müsse ein humanitärer Korridor aufgebaut werden, damit sich die eingeschlossenen Flüchtlinge in Sicherheit bringen könnten, sagte Beer, die auch Mitglied der Kirchenleitung der westfälischen Kirche ist. 

Kirsten Potz: »Wir dürfen nicht schweigen zu Gewalt und Terror«

»Wir dürfen nicht schweigen zu Gewalt und Terror«, erklärte auch die Pfarrerin der westfälischen Kirche, Kirsten Potz. »Frieden kann es aber nur geben, wo Religionsfreiheit herrscht und die Menschenrechte gewahrt werden«, unterstrich die Bielefelder Referentin beim Amt für Mission, Ökumene und kirchliche Weltverantwortung (MÖWe) der westfälischen Kirche.

Die Theologin rief dazu auf, auch hierzulande für den Schutz von Minderheiten und Andersgläubigen einzutreten. Deutschland müsse zudem die Flüchtlinge, die hierherkämen, »mit offenen Armen aufnehmen, viele mehr als bisher«.

Kommentare

Es waren auch sehr viele Christen an der Demo beteiligt. Alle Minderheiten und Gegner der ISIS werden auf unvorstellbare Art und Weise vernichtet. Das ist Völkermord und das im 21. Jahrhundert. Sowas darf nicht zugelassen werden.

Hallo

Hallo brüder und Schwestern
Ich wollte sagen danke das ihr viele in Bielefeld wart
Es gibst eine yeziden seite in Facebook und die heißt:

Ein yezide bleibt ein Yezide

Da steht viel über yeziden
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2 Kommentare

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