Mo., 08.09.2014

Staats- und Verfassungsschutz haben ein- und ausreisende Salafisten im Blick Drei Männer aus OWL kämpfen für IS

Tarik S. aus Bielefeld kämpft für die Gruppe »Islamischer Staat«.

Tarik S. aus Bielefeld kämpft für die Gruppe »Islamischer Staat«. Foto: Spiegel TV Magazin

Bielefeld/Bonn (WB/as). Sechs Männer aus OWL sollen sich der Gruppe »Islamischer Staat« (IS) angeschlossen haben. »Bei drei Personen sind wir sicher, dass sie im Nordirak oder Syrien kämpfen. Alle drei gehören zur Szene der Herforder Assalam-Moschee«, sagt der Bielefelder Kriminalhauptkommissar Ulrich Buchalla.

Dschihad und Salafismus sind in Ostwestfalen angekommen. Spätestens seit den Angriffen auf Jesiden in Herford und dem nach Syrien ausgereisten Bielefelder Tarik S., der den Kampfnamen Ibn Osama al-Almany trägt, sind die Behörden in Alarmbereitschaft.

»Wir stellen eine zunehmende Zahl Ausreisender und Ausreisewilliger fest. Mein Gefühl sagt mir, dass wir auf einer Kanonenkugel sitzen und die Polizei nur einen Quadratzentimeter der Oberfläche kennt«, sagt Kriminaloberrat Thomas Hochhaus.

Der Leiter des Staatsschutzes in OWL nahm auch an der Tagung in Bonn teil. »Wir haben täglich mit Salafismus zu tun. Hilferufe von besorgten Eltern und Lehrern gehen auch bei uns ein, wenn sich ein junger Mensch verändert, radikalisiert oder verschwindet«, berichtet Hochhaus.

1800 Salafisten in NRW

Salafismus sei ein neues Feld. Kontakte zu Moscheegemeinden hätte die Polizei bislang meistens wegen häuslicher Gewalt gehabt. Das sei nicht mehr der einzige Grund. In der Salafistenszene beobachtet die Polizei einen Strategiewechsel. »Der Koran wird in den Fußgängerzonen nicht mehr an angemeldeten Ständen, sondern mobil verteilt. Damit wir die Personendaten nicht ermitteln können«, sagt Thomas Hochhaus.

1800 Salafisten wohnen in Nordrhein-Westfalen, 140 sollen über das Drehkreuz Türkei ausgereist sein, mindestens 50 befinden sich in Syrien. Das sind die Zahlen, die Burkhard Freier nennt. »Die Radikalisierten sind zu 90 Prozent männlich, haben einen Migrationshintergrund und einen deutschen Pass«, fasst der Leiter des Verfassungsschutzes NRW zusammen. Der Inlands-Extremismus wachse schnell. Der Krieg in Syrien werde in der Szene zu etwas stilisiert, das man tun muss.
»Da müssen wir helfen und eine Alternative zum Dschihad bieten. Wir müssen jetzt um die jungen Leute kämpfen. Das sind die Ausreisenden von morgen.

Derzeit bekämpfen wir nur das Symptom«, erläutert Freier und weiß um die Hemmschwellen: »Das Umfeld bemerkt etwas, traut sich aber nicht, die Sicherheitsbehörden zu informieren.« Das Hauptaugenmerk liege auf Ein- und Ausreisen. »Dabei sind wir auf Informationen der Nachrichtendienste angewiesen«, sagt Freier. auch auf die der NSA.

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