Sa., 22.11.2014

Debatte um »Hooligans gegen Salafisten« erreicht Bielefeld Gewaltopfer distanziert sich von Rechtsdemo

Polizisten einer Einsatzhundertschaft sichern am Samstag vor einer Woche die Kundgebung gegen Islamismus in Hannover. Nach Veranstaltungsende werden vier Bielefelder brutal angegriffen.

Polizisten einer Einsatzhundertschaft sichern am Samstag vor einer Woche die Kundgebung gegen Islamismus in Hannover. Nach Veranstaltungsende werden vier Bielefelder brutal angegriffen. Foto: dpa

Von Jens Heinze

Bielefeld (WB). Vor einer Woche sind nach einer Kundgebung gegen Islamismus in Hannover vier Bielefelder  von einer Gruppe Vermummter brutal attackiert worden. Für diesen Samstag hat ein Rechtsextremer in Hannover eine Demo für die hiesigen Gewaltopfer und gegen linke Gewalt angemeldet. Dagegen wehrt sich das Hauptopfer.

Verdacht auf Gehirnblutung, Schädel- und Rippenbrüche, je drei Stichwunden am Rücken und am Kopf, die Nase gebrochen – nach dem Überfall von 30 bis 40 Personen schwebte ein Bielefelder (45) in Lebensgefahr. Erst am Freitag wurde der Vater eines Grundschülers aus einem Krankenhaus in Hannover entlassen. Das geschah gegen seinen Willen. Den Angaben des 45-Jährigen zufolge wurde ihm signalisiert, man könne angesichts des Aufzugs der rechten Szene und einer Gegendemo der Linken in Hannover nicht für seine Sicherheit garantieren.

Dass sich Rechte sein Schicksal zu eigen machen, dagegen wehrt sich der 45-Jährige. Er räumt ein, früher in der Bielefelder Hooliganszene aktiv gewesen zu sein. Aber: »Ich bin nicht politisch engagiert, ich bin nicht mehr in der Hooliganszene. Die Demo in Hannover war die erste meines Lebens. Ich bin da nur hingefahren, um meine Kumpel aus alten Fußballtagen zu sehen.«

Den Aufzug der Rechten an diesem Samstag empfindet der Bielefelder als »Frechheit«. Und sagt: »Ich distanziere mich davon. Ich möchte, dass die Täter, die versucht haben, mich umzubringen, gefasst werden.«

Die Debatte um die »Hooligans gegen Salafisten« (HoGeSa) hat Bielefeld erreicht. Bislang gebe es wenig gesicherte Erkenntnisse zu diesem relativ neuen Phänomen, erklärte Konfliktforscher Martin Winands am Donnerstagabend bei einer Diskussionsveranstaltung der Grünen. Ole Wolff vom hiesigen Fanprojekt sagte, dass die Hooligangruppe in Bielefeld klein sei. Ein DSC-Fan in HoGeSa-Kluft sei erstmals beim Auswärtsspiel in Münster zu sehen gewesen.

Kommentare

Doppelmoral

Komisch wenn "Großfamilien" sich mal wieder Schlachten bis ins Krankenhaus liefern dann schützt die Polizei die Verletzten...

1 Kommentare

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