Mi., 16.12.2015

Bielefelder Kompressoren-Hersteller setzt sich ehrgeizige Ziele – neue Halle geplant Boge schaltet den Turbo ein

Platz-, kosten- und energiesparend: Die Boge-Geschäftsführer Wolf D. Meier-Scheuven (links) und Thorsten Meier sind stolz auf den neu entwickelten High-Speed-Turbo-Kompressor. Gerade startete das Unternehmen mit der Serienproduktion.

Platz-, kosten- und energiesparend: Die Boge-Geschäftsführer Wolf D. Meier-Scheuven (links) und Thorsten Meier sind stolz auf den neu entwickelten High-Speed-Turbo-Kompressor. Gerade startete das Unternehmen mit der Serienproduktion. Foto: Oliver Schwabe

Von Bernhard Hertlein

Bielefeld (WB). Am Donnerstag wird Boge für seinen »High Speed Turbo« (HST)-Kompressor mit dem OWL-Innovationspreis ausgezeichnet. Mit diesem  Rückenwind  will das Bielefelder Familienunternehmen seinen Umsatz bis 2020 um mehr als 50 Prozent auf 200 Millionen Euro steigern.

Schon in diesem Jahr erzielt Boge mit 130 (Vorjahr: 121) Millionen Euro einen neuen Umsatzrekord. Dabei läuft die Serienproduktion des auf der Industriemesse in Hannover vorgestellten neuen HST gerade erst an. Bisher sind, so erklärte der geschäftsführende Gesellschafter und Präsident der Industrie- und Handelskammer, Wolf D. Meier-Scheuven, erst 20 Prototypen im Kundeneinsatz. Doch lägen schon jetzt 250 Bestellungen vor. Da gleichzeitig auch die Nachfrage nach den konventionellen Kolben- und Schraubenkompressoren aus Bielefeld steige, bestehe dringender Platzbedarf.

Im Januar will Meier-Scheuven, der 40 Prozent der Anteile am Unternehmen hält, gemeinsam mit drei weiteren Familiengesellschaftern über den Bau einer neuen Halle entscheiden. Unklar ist noch der Standort. Am aktuellen Stammsitz in Bielefeld scheint ein größerer Neubau nicht möglich. Anders bei einer Tochterfirma, die im sächsischen Großenhain Komponenten herstellt. Allerdings kommt, so der zweite Geschäftsführer Thorsten Meier, auch ein anderer Standort in Bielefeld und im näheren Umland in Frage.

Boge zählt nach eigenen Angaben in Deutschland zu den Top 3 in der Druckluft-Branche. Die Geschäfte der Konkurrenz hätten 2015 bestenfalls stagniert. Um 2020 den anvisierten Umsatz von 130 Millionen erwirtschaften zu können, erhöhte sich die Beschäftigtenzahl von 700 auf 750. Davon arbeiten 450 in Bielefeld, 25 mehr als im Jahr 2014.

Export in 120 Länder

Knapp zwei Drittel des Boge-Umsatzes entfallen auf das Ausland. Insgesamt exportieren die Druckluft-Experten in 120 Länder. Dabei erfüllten die Märkte in China, wo die Bielefelder 60 Mitarbeiter in einem Montagewerk beschäftigen, sowie Russland und Brasilien die Erwartungen nicht. Besser habe sich das Geschäft in Spanien und Italien entwickelt, sagte Meier-Scheuven.

Bei dem Turbo-Kompressor, in dessen Entwicklung Boge in den vergangenen zwei Jahren insgesamt zehn Millionen Euro investiert hat, handelt es sich Meier zufolge um eine vollständige Neuentwicklung. Dabei werde die Druckluft öl- und berührungsfrei erzeugt. Schon das spare Verschleiß und Wartungsarbeiten, die nach Unternehmensangaben sonst beim normalen Kompressor in zehn Jahren noch einmal 100 Prozent des Anschaffungspreises verschlingen. Vor allem aber komme der HST mit 30 Prozent weniger Energie aus. Bei dem neuen Verfahren drehen sich die mit Magnetkraft angetriebenen Impeller mit bis zu 2000 Umdrehungen in der Sekunde.

Die größte Nachfrage nach dem ölfreien Verfahren komme zum Start aus der Lebensmittel- und der Arzneibranche sowie aus Lackierbetrieben. Geplant sind drei Baugrößen. Starten will Boge mit 220 Kilowatt (kw). Die Kompressoren für 55 bzw. 110 kw sollen aber noch im Verlauf des Jahres 2016 folgen.

Der Bedarf nach zusätzlicher Produktionsfläche rührt Meier-Scheuven zufolge auch aus der wesentlich größeren Produktionstiefe. So habe Boge die Motoren und Frequenzumrichter für den HST nicht nur neu entwickelt. Sie würden auch selbst hergestellt. Das habe den positiven Effekt, dass die Turbo-Kompressoren nicht von Wettbewerbern leicht kopiert werden könnten.

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