Sa., 19.12.2015

Verkehrsclub Deutschland (VCD) fordert Tempo 30 auf Stapenhorststraße Protestaktion nach Unfall

Etwa 50 Radfahrer haben an der Protestaktion teilgenommen.

Etwa 50 Radfahrer haben an der Protestaktion teilgenommen. Foto: Hans-Werner Büscher

Bielefeld (WB/hu). Nach dem Unfall auf der Bielefelder Stapenhorststraße, bei der am Donnerstagmorgen eine Radfahrerin (37) lebensgefährlich verletzt worden ist, fordert der Verkehrsclub Deutschland (VCD) die Aufhebung der Radwegbenutzungspflicht und Tempo 30 auf der Stapenhorststraße.

Mit einer Protestaktion, an der etwa 50 Menschen teilnahmen, machte der VCD am Samstag auf seien Forderungen aufmerksam.

Zum Abschluss der Kundgebung, für die die Polizei die Stapenhorststraße für etwa 30 Minuten stadteinwärts ab der Kreuzung Weststraße abgesperrt hatte, radelten die Teilnehmer geschlossen bis zum Polizeipräsidium an der Kurt-Schumacher-Straße und wieder zurück.
Einige Autofahrer reagierten mit Unverständnis auf die Aktion.

Kommentare

unfähige Behörde schafft untauglichen Radfahrstreifen

Leider ist in der StVO nicht alles geregelt. Die Lücken schließt die Rechtsprechung durch Auslegung.
Um als Radler keine Mitschuld im Falle eines Unfalls durch unachtsam geöffnete Autotür zu bekommen, haben Gerichte einen lichten Abstand Radler-parkendes Fahrzeug von wenigstens einem Meter als ausreichend angesehen. Wenn man an der Unfallstelle so fährt, ist man wohl bereits links der Trennlinie zur Fahrbahn auf der Fahrbahn. Insofern zeigt die rote Fläche hier den zu meidenden Straßenteil an.
Ich gehe davon aus, dass die zuständigen Behörden die einschlägigen Urteile, die ihre Arbeit beeinflussen, kennen. Ich als Laie, aber interessierter Radfahrer kann diese ohne Schwierigkeiten finden. Vielleicht ist die Behörde ja auch nicht interessiert....
Der unbedarfte Radler, der sich an die Regeln halten will und auf dem Radfahrstreifen verbleibt trotz geparkter Fahrzeuge dicht daneben wird in eine Falle geführt, die hier zugeschlagen hat. Vorhersehbar.
Nur leider werden Behörden für solchen gefährlichen Unfug seltenst bis nie mit zur Verantwortung gezogen.
Und leider hat nicht jeder Führer eines KFZ verstanden, dass eine trennende Linie keinen Sicherheitsabstand beim Überholen von Radfahrern von wenigstens 1,5 Meter, ebenfalls von Gerichten so festgelegt, ersetzt. Die Folge ist, ebenfalls vorhersehbar, das An- oder Überfahren von Radfahrern, die unverhofft die Trennlinie überqueren. Wie bei diesem Unfall unverschuldet und ungewollt.
Wenn da kein Platz ist für fließenden und ruhenden Verkehr, hat der ruhende Verkehr zu weichen.

Mehr Sicherheit für den Radverkehr

Schuld hat nur jemand, wenn er bewusst und gezielt gegen besseres Wissen handelt. Hier gibt es nur Unfallbeteiligte, welche durch ihre Beteiligung an dem Unfall körperlichen und/oder psychischen Schaden erlitten haben.
Fakt ist, dass uns Radfahrern diese und ähnliche lebensgefährlichen Situationen auf einigen Bielefelder Straßen nur allzu gut bekannt sind. Ein versierter Radfahrer ignoriert an der Stapenhorststraße den benutzungspflichtigen Radweg und fährt mit einem ausreichenden Sicherheitsabstand zu den parkenden Autos auf der Fahrbahn. Meine Erfahrung ist, dass Autofahrer meistens auf mich als „schwächeren“ Verkehrsteilnehmer genügend Rücksicht nehmen und mich nicht gefährden. Da allerdings nicht alle Radfahrer so selbstsicher sind, begeben sie sich schnell in Lebensgefahr oder fahren erst gar nicht mit dem Rad. Deshalb sind die Straßenverhältnisse so zu ändern, dass alle Verkehrsteilnehmer/innen ausreichend berücksichtig werden. Hier hat die Stadt Bielefeld als Mitglied im Verbund der Fahrradfreundlichen Städte und insbesondere das Amt für Verkehr eine besondere Verantwortung.

Natürlich hat der Autofahrer die nötige Umsicht vermissen lassen und der Busfahrer hat ziemlich sicher den Sicherheitsabstand beim Überholen vermissen lassen. Das ändert allerdings nichts an der minderwertigen Ausführung des Radweges der solche häufigen Fehler (Autotür) nicht vermeidet oder gar das dichte Überholen (Bus) durch die suggerierte räumliche Trennung provoziert.

Für mich wiegt der Fehler der in aller Ruhe am Schreibtisch gemacht wurde in diesem Fall schlimmer, weil vorhersehbar, als die Fahrlässigkeit die man leider nie sicher wird verhindern können. Vor allem weil darin auch eine gewisse Mentalität bei der Priorisierung von Sicherheit der einen Verkehrsteilnehmer im Verhältnis zur Leichtigkeit der anderen zu erkennen ist.

Nix Radweg...

...die Schuld trifft in einem solchen Fall einzig und allein denjenigen, der ohne sich voher zu versichern, die Autotür öffnett. Und gerade weil es hier auf der Stapenhorststr. für alle Verkehrsteilnehmer schlechte Bedingungen gibt, ist die Aufmerksamkeit und Vorsicht aller besonders gefordert.

Unfallursache ist vor allem der Radweg. Er ist zu schmal (vgl. VwV-StVO), hält die Sicherheitsabstände zu den parkenden Fahrzeugen nicht ein und animiert beim Überholen die Sicherheitsabstände zu den Radlern zu missachten. Die Stapenhorststraße ich nüchtern betrachtet nicht breit genug für Fahrbahn, Radweg, Parkbuchten und Gehweg nebeneinander. Das lässt sich vorurteilsfrei mit einem Blick in die Vorschriften und einem Zollstock feststellen.

Im Übrigen ganz ohne das was wirklich ekelhaft ist: Diese Verallgemeinerungen.

Kampfradler ! Ekelhaft ?

Im Verhältnis Autofahrer-Radfahrer ist der Radfahrer zweifelsohne in der schlechteren Position, da er der schwächere Verkehrsteilnehmer ist. Im Verhältnis Radfahrer-Fußgänger ist der Radfahrer zweifelsohne in der stärkeren Position, da der Fußgänger der schwächere Verkehrsteilnehmer ist. Ich wurde kürzlich in einer Fußgängerzone - obwohl offensichtlich mit Gehstützen unterwegs - von einem Kampfradler fahrend von hinten, nachdem er kurz "Vorsicht" gerufen hatte, mit einem derartig knappen Sicherheitsabstand überholt, so daß ich fast gestürzt wäre. Es ist schon seltsam: Die, die fast den Schaden anrichten, die Kampfradler, reagieren mit Unverständnis. Warum meinen sie, sie hätten mit all dem nichts zu tun und machen sich nicht selten feige aus dem Staub, wenn sie Mist gebaut haben. Das ist ekelhaft.

Unverständnis? Ekelhaft!

Es passiert immer wieder und ist ein Klassiker unter den Fahrradunfällen. Ich rufe deshalb dazu auf: Fahrradfahrer aller Städte vereinigt Euch. Nehmt Euch den Platz, der Euch zusteht. 1,50 m seitlicher Abstand. Der gilt sowohl für den Radfahrer zum parkenden Auto als auch für den überholenden Autofahrer zum Radfahrer. Es ist schon seltsam: Die, die den Schaden anrichten, die Motorisierten, reagieren mit Unverständnis. Warum meinen sie, sie hätten mit all dem nichtst zu tun und machen sich nicht selten feige aus dem Staub, wenn sie Mist gebaut haben. Das ist ekelhaft. Und der Klimawandel geht ihnen komplett am Allerwertesten vorbei, obwohl sie ihn tagtäglich eifrig befeuern. Da kommt berechtigt Unverständnis auf...

7 Kommentare

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