Do., 14.01.2016

Sozialdezernent Ingo Nürnberger bestätigt WESTFALEN-BLATT-Bericht – Sicherheitsmaßnahmen werden geprüft Sexuelle Übergriffe und Gewalttaten beim Jugendkarneval

Bei der städtischen Karnevalsparty im Ringlokschuppen wird es oft voll.

Bei der städtischen Karnevalsparty im Ringlokschuppen wird es oft voll. Foto: Mike-Dennis Müller

Von Jens Heinze

Bielefeld (WB). Einen Tag lang hat die Stadtverwaltung geschwiegen, dann gab es die Bestätigung für den am Dienstag veröffentlichten Exklusivbericht dieser Zeitung: Ja, beim Bielefelder Jugendkarneval in den Jahren 2014 und 2015 gab es Gewalt unter jungen Männern und sexuelle Übergriffe auf Minderjährige.

Das erklärte am Mittwoch der städtische Sozialdezernent Ingo Nürnberger. Der vom kommunalen Jugendamt, der Bezirksvertretung Mitte des Stadtrates und dem hiesigen Jugendring veranstaltete Karneval werde trotzdem in diesem Jahr wie üblich am Rosenmontag, 8. Februar, in der Diskothek Ringlokschuppen stattfinden, sagte er.

Zuvor solle über eventuell notwendige weitere Sicherheitsmaßnahmen nachgedacht werden. Zwei Türsteher hatten in der Dienstagsausgabe dieser Zeitung schwere Vorwürfe erhoben: Es sei der Öffentlichkeit verschwiegen worden, dass es im Jahr 2014 Prügeleien unter jungen Migranten gegeben habe. Diese Männer sollen zudem jugendliche Besucherinnen der Karnevalsfeier (Eintritt nur von 14 bis 18 Jahren) sexuell bedrängt haben. Im Jahr darauf habe es dann sexuelle Übergriffe von vier anderen Zuwanderern auf junge Frauen gegeben, so die Schilderungen der Türsteher.

Keine Angaben zu den Nationalitäten

»Es gab Vorkommnisse«, räumte nun gestern Sozialdezernent Nürnberger ein. Zehn Jugendliche seien im Jahr 2014 nach massiven Pöbeleien und gewalttätigen Übergriffen von Polizisten und Sicherheitsdienst-Mitarbeitern vor die Tür des Ringlokschuppens gesetzt worden. Dass die Randalierer und Schläger auch weibliche Besucher belästigt hätten, wollte der Nürnberger nicht bestätigen. Er machte keine Angaben zu den Nationalitäten der zehn Jugendlichen. Angaben aus Sicherheitskreisen zufolge soll es sich bei der Zehnergruppe um junge Migranten unter anderem kurdischer Herkunft gehandelt haben.

Auch im Jahr 2015 sei es beim Jugendkarneval zu Übergriffen gekommen, sagte der städtische Sozialdezernent. Zwei Jugendliche hätten zwei minderjährige Besucherinnen bedrängt und sexuell belästigt. Die Sextäter hätten versucht, den jungen Frauen in die Hosen zu fassen und an ihre Brüste gegriffen. Auch hier machte der Sozialdezernent keine Angaben zu den Nationalitäten.

Angaben von Augenzeugen zufolge handelte es sich um insgesamt vier Täter: einen Afghanen, einen Albaner und zwei Iraker. Mindestens einer dieser Männer soll sich als 17-Jähriger ausgegeben haben, obwohl er deutlich älter wirkte.

»Das solche Vorfälle nicht schön sind, dass wir die nicht wollen, ist völlig klar«, sagte Sozialdezernent Nürnberger. Gleichzeitig seien schnell Sicherheitskräfte an den Orten der Geschehnisse gewesen. »So traurig, ärgerlich und verstörend solche Vorfälle sind, es ist schnell eingegriffen worden«, lobte Nürnberger Polizei und Sicherheitsdienst. Der Sozialdezernent betonte zur Organisation des Jugendkarnevals: »Wir haben eine Verpflichtung, dass das ordentlich abläuft.«

Sicherheitsmaßnahmen auf dem Prüfstand

Mit Blick auf den am Rosenmontag geplanten Jugendkarneval 2016 kündigte Nürnberger an, die Sicherheitsmaßnahmen für die diesjährige Veranstaltung auf den Prüfstand stellen zu wollen. Was notwendig sei, das werde demnächst mit Vertretern der Polizei, dem Sicherheitsdienst, der Feuerwehr, dem Sanitätsdienst und städtischen Ämtern besprochen.

An Polizeipräsenz werde es jedenfalls nicht fehlen, sagte der Sozialdezernent. Polizeidirektor Dirk Butenuth, Chef der Polizeiinspektion Bielefeld und ihrer drei Wachen, habe »ausreichend Kräfte« zugesagt, versicherte Nürnberger. »Man muss gucken, dass da nichts anbrennt. Es gibt auch Leute von rechts, die das thematisieren wollen.«

Abschließend gab der Sozialdezernent eine Erklärung zu den Geschehnissen von der Silvesternacht im Bahnhofsviertel ab. »Wir wissen noch nicht, was passiert ist. Wir haben ein Rieseninteresse, das aufzuklären«, sagte Nürnberger.

Kommentare

Sehr beschämend !!!

Es ist schon sehr verwunderlich , das solche Angelegenheiten nicht ausreichend bekannt werden.
Man muss dabei aber wissen das die Polizei von ganz oben einen Maulkorb bekommen hat und
aus Angst vor Unannehmlichkeiten nichts weiter geben wird.
Man hätte daraus lernen können und vielen anderen jetzt betroffenen etwas ersparen können.
So hat man es in Kauf genommen das unsere Mädchen und Frauen unbewusst großen Gefahren
ausgesetzt sind.
Leute die unsere Kinder und Frauen angehen gehören sofort bestraft /ausgewiesen , reale Flüchtlinge
gehören unterstützt und ausgebildet um ihre Heimat demnächst wieder aufbauen zu können. Sollten sie hierbleiben ist eine Anerkennung unserer Werte unumgänglich , wer des nicht akzeptiert , muss ebenfalls gehen. Anders werden wir mit der gegenwärtigen Situation nicht fertig..

Helfen ? Sehr gerne / Ausnutzen ? Niemals

Danke an die Redaktion

Schweigen

Mir scheint es, als sei in den deutschen Verwaltungen der Karriereknick vorprogrammiert, wenn die Planzieleder Administration ( Ministerien ) nicht erfüllt werden.
Jeder Landrat, jeder Bürgermeister ist den Einflussreichen wegen der Karriere hörig. Die Verwaltungsbeamten
halten still, damit ihre nächsten Beförderungen oder die Erhöhung ihrer Gehaltsstufen nicht verwehrt werden.

überlegen was man sagen darf, politische selbstzensur

genau so war es früher in der DDR!
Das sollte uns zu denken geben!

Ich glaube fast

es scheint mir so, dass die Verantwortlichen mehr Angst vor der "Instrumentalisierung der Vorkommnisse von Rechts" wie die berechtigte Kritik der Bevölkerung so schön im Neusprech benannt wird haben, als vor den Übergriffen selbst.

Schonungslose Aufarbeitung der Versäumnisse


Offenbar haben die verantwortlichen Akteure in der Verwaltung, in der Polizeiführung und in der Politik noch gar nicht begriffen, dass sie gerade dabei sind, den letzten Rest ihrer Glaubwürdigkeit zu verspielen. Die Bürger verlieren das Vertrauen in ihre Verwaltung, ihre Polizei und ihre politischen Vertreter. Sie glauben ihnen einfach nicht mehr, wenn wieder einmal beteuert wird, dass es keine besonderen Vorkommnisse gegeben hat.
Wenn der Oberbürgermeister jetzt vorschlägt, den Boulevard besser auszuleuchten oder während besonderer Partys eine befristete Videoüberwachung einzusetzen, ist das wohl eher ein Zeichen seiner Hilflosigkeit.
Wir brauchen jetzt ein schonungsloses Aufarbeiten der Versäumnisse in den letzten Jahren. Geschieht dies nicht, treiben sie viele Menschen in die Arme „brauner Rattenfänger“.
Ich bin gespannt, ob die im Stadtrat vertretenen Parteien zu dieser Aufarbeitung den Mut und die Kraft haben.

Damals wurden die Türsteher in der Presse zerfleischt, weil sie eine große Gruppe von Asylbewerber nicht reingelassen haben oder andere größerer Gruppen mit Migrationshintergrund. Ich bin oft im Ringlokschuppen und bin froh, dass die Türsteher GENAU darauf achten wer rein kommt. Es ist nun mal leider so, dass Gruppen ( mit Migrationshintergrund ) oft Stress machen, frech werden wenn nach dem Ausweis verlangt wird. Ich finde es traurig, dass hier viele Menschen hinkommen die leider ihre kriminelle Ader ausleben und die, die sich anpassen oder schon länger hier leben und die Sprache beherrschen, arbeiten etc... werden abgeschoben. Irgendwas läuft in DEUTSCHLAND falsch.

Kritik

Ich erinnere mich noch an die Zeit wo die Security öffentlich an den Pranger gestellt wurde (nicht von dieser Zeitung), weil große Gruppen Flüchtlinge nicht reingelassen wurden!

traurig

Traurig, dass so etwas gerade bei einer Party passiert, die von der Stadt Bielefeld selbst, also von der Bezirksvertretung Mitte / Amt für Jugend und Familie, organisiert wird. Da sieht man wieder mal, dass man so etwas lieber den Profis überlassen sollte.

15 Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Mehr zum Thema

Anzeige


http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/3736084?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2516093%2F2198387%2F2513179%2F