Sa., 16.01.2016

Silvester im Bielefelder Bahnhofsviertel: Ermittlungsgruppe zieht Zwischenbilanz Sechs Frauen melden Sexualtaten

Was geschah in der Silvesternacht am Boulevard? Die Polizei ermittelt.

Was geschah in der Silvesternacht am Boulevard? Die Polizei ermittelt. Foto: Bernhard Pierel

Von Christian Althoff

Bielefeld (WB). Zwei Wochen nach den Silvester-Ausschreitungen auf der Bielefelder Partymeile Boulevard lagen der Polizei am Freitag 18 Anzeigen vor. Und die zeigen: Bielefeld ist nicht Köln.

Eine Ermittlungsgruppe aus 20 Beamten arbeitet die Vorfälle im Moment auf, befragt Zeugen, sichtet Videos. Polizeidirektor Dirk Butenuth, von Polizeipräsidentin Dr. Katharina Giere mit der Klärung des Silvester-Geschehens beauftragt, zog am Freitag eine Zwischenbilanz. Butenuth: »Nach Befragung der Polizisten, die in der Nacht auf dem Boulevard eingesetzt waren, bleibt es bei unserer Schätzung, dass sich dort etwa 150 Menschen mit Migrationshintergrund aufhielten.«

Einige von ihnen, die nicht in Diskotheken hineingelassen worden seien, hätten von der Polizei erwartet, dass die ihnen den Zutritt ermöglicht, was natürlich nicht machbar gewesen sei. »Später haben dann 50 bis 60 Migranten dreimal versucht, mit Gewalt in den Elephant-Club zu gelangen.« Die Türsteher hätten das verhindern können, zum Teil mit Unterstützung der Polizei. Zu den Nationalitäten der Männer habe man keine gesicherten Angaben. Der Migrationshintergrund sei aber offensichtlich gewesen, einige hätten den Türstehern Asylbewerberpapiere vorgezeigt.

Vorfälle am Boulevard und im »Forum«

»Bisher haben sich sechs Frauen gemeldet, die angaben, von Tätern sexuell bedrängt worden zu sein«, sagte der Polizeidirektor. Von ihnen hätten fünf eine Anzeige erstattet. Eine Frau gab an, ein Mann habe sie am Boulevard genötigt, eine sexuelle Handlung zu dulden. Vier Frauen schilderten, sie seien begrapscht worden – Übergriffe, die als Beleidigung auf sexueller Basis gelten.

Drei dieser Fälle sollen am Boulevard geschehen sein, der vierte in der Disco »Forum« an der nahen Meller Straße. Nach Polizeiangaben beschrieben alle Frauen die Täter als »Männer mit Migrationshintergrund«. Außerdem wurden zehn Diebstähle angezeigt, und zwar von Handys und Portemonnaies. Vier Nordafrikaner zwischen 19 und 29 Jahren nahm die Polizei in diesem Zusammenhang vorläufig fest. Sie waren aus Duisburg, Versmold und Hövelhof nach Bielefeld gekommen.

Polizei am Wochenende präsent

Polizeidirektor Dirk Butenuth sagte, dass die Polizei auch an diesem Wochenende von 22 bis 6 Uhr im Bielefelder Bahnhofsviertel sein werde, »und zwar mit einer ganz erheblichen Zahl von Beamten, unter anderem von der Bereitschaftspolizei«. Zum einen wolle man einer selbsternannten Bielefelder Bürgerwehr, die am Boulevard Streife gehen wolle, genau auf die Finger sehen, zum anderen werde man für die Sicherheit der Nachtschwärmer sorgen.

Wie lange die Polizei an Wochenenden so viele Polizisten ins Bahnhofsviertel schicken wird, lässt sich noch nicht sagen. »Wir beurteilen die Lage jede Woche von Neuem«, sagte Dirk Butenuth.

Zeugen oder Opfer aus der Silvesternacht können sich weiter unter 0521/5454471 melden.

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