Mi., 19.10.2016

Beratungsstelle »Nadeschda« arbeitet in Erstaufnahmeeinrichtung Bielefeld Hilfe für missbrauchte Frauen

Sozialpädagogin Mira von Mach (links) und Pfarrerin Birgit Reiche.

Sozialpädagogin Mira von Mach (links) und Pfarrerin Birgit Reiche. Foto: Bärbel Hillebrenner

Herford (WB/epd). Die Herforder Beratungsstelle »Nadeschda« betreut zunehmend Frauen, die als Flüchtlinge Opfer von Menschenhandel zur sexuellen Ausbeutung geworden sind. Durch eine Förderung der Bundesregierung habe »Nadeschda« die Arbeit mit diesen Frauen ausbauen können, sagte die Leiterin der Beratungsstelle, Pfarrerin Birgit Reiche.

Die von der Evangelischen Frauenhilfe in Westfalen getragene Einrichtung unterstützt in Ostwestfalen-Lippe jährlich bis zu 50 betroffene Frauen und deren Kinder durch psychosoziale Hilfen und Begleitung im Asylverfahren. Etwa die Hälfte der Betroffenen sei von außerhalb der Europäischen Union auf dem Asylweg nach Deutschland gekommen, erklärte Reiche. Darunter seien Frauen aus Westafrika, die in Italien Opfer von Menschenhandel geworden seien. Andere stammten aus den Kriegs- und Krisengebieten im Nahen Osten. Frauen seien auf ihrem Fluchtweg besonders gefährdet, unabhängig davon, ob sie allein reisten oder mit Familien. Durch die Projektmittel könne »Nadeschda« regelmäßig in der Erstaufnahmeeinrichtung für Asylbewerber in Bielefeld präsent sein. Zwei Mitarbeiterinnen stünden dort für persönliche Gespräche zu Verfügung. Außerdem mache eine Broschüre in elf Sprachen, darunter auch Arabisch und Farsi, Frauen auf ihre Rechte und das Hilfsangebot aufmerksam.

Im November beginnt die Fortbildung des Personals der Erstaufnahmeeinrichtung und der Zentralen Unterbringungseinrichtungen Bielefeld. Opfer von Menschenhandel hätten Anspruch auf Unterbringung außerhalb der Gemeinschaftsunterkünfte, weil sie dort in besonderer Gefahr seien, sagte Pfarrerin Reiche. »Nadeschda« stelle Wohnungen bereit und vermittle in Notfällen auch die Aufnahme in Frauenhäuser.

Für Frauen im Asylverfahren bemühe sich die Beratungsstelle um Termine bei speziell ausgebildeten Entscheidern des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge in Bielefeld oder Dortmund. Die Projektmittel der Bundesregierung seien zunächst bis Dezember befristet, sagte die Leiterin von »Nadeschda«. Man hoffe aber darauf, dass die Arbeit auch im kommenden Jahr unterstützt werde. »Nadeschda« bedeutet im Russischen »Hoffnung«. Unter diesem Titel bietet die Herforder Frauenberatungsstelle seit 1997 Opfern von Zwangsprostitution Hilfe an. Die Mitarbeiterinnen informieren auch in Schulen über Menschenhandel.

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