Fr., 02.12.2016

Groteske Diskussionen in der AfD Ostwestfalen-Lippe – Vier Vorstandsmitglieder treten zurück »Haarproben von Pretzell«

Wohin führt Landeschef Marcus Pretzell die AfD? Vier Funktionäre aus Ostwestfalen-Lippe traten am Mittwoch zurück.

Wohin führt Landeschef Marcus Pretzell die AfD? Vier Funktionäre aus Ostwestfalen-Lippe traten am Mittwoch zurück.

Von Christian Althoff

Bielefeld (WB). Die Machtkämpfe in der nordrhein-westfälischen AfD nehmen groteske Formen an. Im Bezirksverband Detmold, der Ostwestfalen-Lippe umfasst, wird kolportiert, Funktionäre hätten sich Haarproben des Landesvorsitzenden Marcus Pretzell besorgt.

AfD-Mitglieder bestätigten am Donnerstag dem WESTFALEN-BLATT, dass dieses Gerücht im Zusammenhang mit zwei regionalen Funktionären im Umlauf und Gegenstand innerparteilicher Diskussionen sei. Haarproben kann man benutzen, um Drogentests durchzuführen. Einer der Funktionäre bestritt auf Anfrage, behauptet zu haben, er besäße Haarproben. Der andere war nicht zu erreichen.

Aus E-Mail-Verkehr, der dieser Zeitung vorliegt, geht hervor, dass Pretzell das Gerücht seit Wochen kennt. Er erklärte gestern: »Ich kann Ihnen nicht sagen, ob jemand Haarproben von mir hat.« Der AfD-Landesvorsitzende kündigte an, Menschen anzuzeigen, die ihn mit Drogen in Verbindung brächten. Weiter wollte er sich nicht äußern.

Zerrissenheit der nordrhein-westfälischen AfD

Die Gerüchte zeigen die derzeitige Zerrissenheit der nordrhein-westfälischen AfD. Erst am Mittwoch waren vier Vorstandsmitglieder des Bezirksverbands Detmold (460 Mitglieder) zurückgetreten. Während Schatzmeister Karl-Heinz Teget­hoff aus Paderborn »persönliche Gründe« angab, verließen Sonja Schaak (Lippe), Leo Bartsch (Herford) und Ralf Klocke (Herford) den Vorstand nicht lautlos. Sie werfen einigen Funktionären »Filz und Seilschaften« vor.

Im Fokus haben sie vor allem den AfD-Bezirkssprecher Udo Hemmelgarn aus Gütersloh. Und darum geht es: In den 15 Wahlkreisen Ostwestfalen-Lippes nominierten die AfD-Kreisverbände ihre Kandidaten für die Landtagswahl 2017 – im Wissen, dass sich die wenigsten Kandidaten auf der Landesliste wiederfinden werden.

Sonja Schaak: »Herr Hemmelgarn hatte vom Bezirksvorstand das Mandat bekommen, darüber zu verhandeln, wie viele Plätze Ostwestfalen-Lippe auf der Landesliste bekommt. Tatsächlich aber hat er eigenmächtig dem Landesverband gleich vier Namen für die Liste genannt, ohne dass die Basis in Ostwestfalen-Lippe eine Chance gehabt hätte, mitzureden. Ein völlig undemokratisches Verfahren.«

Hinter den Kulissen intrigiert?

Von den vier von Hemmelgarn ins Spiel gebrachten Kandidaten kamen nach AfD-Angaben Markus Wagner (Bad Oeynhausen) auf Platz 4 der Landesliste, Thomas Röckemann (Minden) auf Platz 16, und Johannes Brinkrolf (Gütersloh) auf Platz 24. Ab einem Landtagswahlergebnis von etwa zwölf Prozent für die AfD könnten voraussichtlich alle drei in den Landtag einziehen. Hemmelgarn sagte am Donnerstag, er habe die vier vorgeschlagen, weil sie die einzigen gewesen seinen, die damals zur Verfügung gestanden hätten. Das bestreiten die zurückgetretenen Vorstandsmitglieder.

Der zurückgetretene Ralf Klocke sagte: »Wir sind als AfD angetreten, um demokratischer und ehrlicher zu sein.« Diese Ziele würden jetzt verraten. Leo Bartsch erklärte, Hemmelgarn habe außerdem hinter den Kulissen intrigiert, um ihn als Kandidaten des Kreisverbands Bielefeld zu verhindern. Hemmelgarn steht parteiintern auch in der Kritik, weil er zu den Organisatoren einer Veranstaltung mit dem »Reichsbürger« Arne Hinkelbein gehören soll.

Protest gegen mutmaßliches Vernichten von Wahlstimmen

Mit ihrem Rücktritt wollen Schaak, Klocke und Bartsch auch dagegen protestieren, dass die Partei das mutmaßliche Vernichten von fünf Wahlstimmen für die NRW-Landesliste in Werl nicht zum Anlass nimmt, die Wahl zu wiederholen.

Dieser Vorgang war am Mittwoch Thema eines Gesprächs zwischen dem Landeswahlleiter und dem AfD-Landeschef Marcus Pretzell. Während die AfD anschließend mitteilte, alles sei geklärt, erfuhr das WESTFALEN-BLATT, dass der Landeswahlleiter das nicht so sieht.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Mehr zum Thema

Anzeige


http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4472534?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2516093%2F2198387%2F2513179%2F