Sa., 14.01.2017

Mutmaßliche mehrfache Vergewaltigung hat es nicht gegeben Gericht spricht drei Bielefelder frei

Foto: dpa

Bielefeld/Detmold (WB/upf). Am Ende waren es sexuelle Eskapaden, aber keine Vergewaltigung. Drei Bielefelder mussten sich vor dem Landgericht Detmold verantworten, und sie gingen mit einem Freispruch nach Hause. »Moralisch haben Sie sich nicht mit Ruhm bekleckert«, sagte der Richter den Angeklagten. Aber strafrechtlich sei ihnen nichts vorzuwerfen.

Zugetragen hatte sich die mutmaßliche Mehrfach-Vergewaltigung an Weiberfastnacht vergangenen Jahres. In Schloß Holte-Stukenbrock hatte eine damals 21 Jahre alte Detmolderin mehrere junge Männer kennengelernt, die sie schließlich nach Hause fahren wollten. Am Donoperteich in Detmold endete die Fahrt: Drei der vier Männer aus Bielefeld hatten dort, zum Teil gleichzeitig, Oral- und Geschlechtsverkehr mit der jungen Frau. Sie zeigte die Männer noch in der gleichen Nacht wegen Vergewaltigung an.

Auf der Anklagebank im Landgericht saßen ein 26-Jähriger, ein 28-Jähriger und dessen 27-jähriger Bruder, der jedoch lediglich der Beihilfe beschuldigt wurde, weil er das Auto gefahren hatte. Der Vierte im Bunde wird noch per Haftbefehl gesucht, er ist vorläufig untergetaucht. Die drei Angeklagten ließen sich zur Sache nur knapp über ihre Verteidiger ein: Es sei tatsächlich zu sexuellen Handlungen gekommen, hieß es unisono – allerdings ohne Gewaltanwendung gegenüber der 21-Jährigen und jeweils einvernehmlich.

Vorsätzliche Handlung der Angeklagten »nicht zu erkennen«

Ob dies so stimmte, versuchte die Kammer bei der Befragung des mutmaßlichen Opfers herauszufinden. Gut zweieinhalb Stunden saß die junge Frau im Zeugenstand, nachdem die Öffentlichkeit ausgeschlossen worden war, um ihr eine Aussage zu intimen Details vor Publikum zu ersparen. Danach fasste Richter Karsten Niemeyer das Ergebnis zusammen: Die Darstellungen der jetzt 22-Jährigen bei der Polizei und vor Gericht seien nicht konstant, eine vorsätzliche Handlung der Angeklagten mittlerweile »nicht mehr zu erkennen«.

So sei die Zeugin zum Beispiel von der Aussage abgerückt, Gegenwehr geleistet und um Hilfe geschrien zu haben. Eine psychiatrische Gutachterin, die die junge Frau im August untersucht und nun in der Verhandlung weiter beobachtet hatte, stellte fest, dass diese unter einer Persönlichkeitsstörung leide. Sie habe offensichtlich das Erlebte aufgrund ihres psychischen Zustandes, wohl auch unter Alkoholeinfluss am Abend des Vorfalls, anders wahrgenommen als es sich faktisch abgespielt habe. In einer Form von Autosuggestion neige die 22-Jährige dazu, für Dinge im Nachhinein eine für sie plausible Erklärung zu finden.

Entschädigung für Untersuchungshaft

Möglicherweise habe sie geglaubt, vergewaltigt worden zu sein, obwohl sie sich gegen den Sex mit den drei Männern nicht gewehrt habe. Die Kammer zog dazu auch einen Ton-Mitschnitt eines Handys als Beweismittel heran: Darauf, so der Richter, sei die Stimme der Frau unmittelbar nach den sexuellen Handlungen zu hören, ihre Wortwahl lasse nicht auf eine Vergewaltigung schließen.

Alle drei Angeklagten wurde folgerichtig freigesprochen und erhalten für die zum Teil mehrere Monate währende Untersuchungshaft eine Entschädigung zugesprochen. Der noch flüchtige Vierte kann damit rechnen, dass gegen ihn keine Anklage mehr erhoben wird. Er werde sich in Kürze den Behörden stellen, sagte ein Angehöriger nach dem Ende des Prozesses.

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