Di., 17.01.2017

Verstoß gegen das Waffengesetz: Ultra soll mit zu der Chaos-Nacht beigetragen haben Hannover-Fan vor Gericht

Foto: Polizei

Bielefeld (WB/uko). Ultras und Hooligans des damaligen Fußball-Erstligisten Hannover 96 haben Anfang Dezember 2015 in Bielefeld eine Spur der Verwüstung hinterlassen. Jetzt steht einer der mutmaßlichen Chaoten vor dem Bielefelder Amtsgericht – wegen eines Verstoßes gegen das Waffengesetz.

Die 96-Kicker verloren am 15. Spieltag der Saison 2015/16 mit 1:3 bei Schalke 04 und der Verein torkelte weiter dem späteren Abstieg entgegen. Für die so genannten »Fans« der Niedersachsen war die Rückfahrt in die Heimat in der Nacht zum 5. Dezember 2015 eine passende Gelegenheit, sich mit Gewalt ein Erfolgserlebnis zu verschaffen. Im Regionalzug von Dortmund nach Bielefeld randalierten die vermeintlichen Fußball-Fans und verwüsteten die Zugabteile mit Erbrochenem, Kot und Urin. Zigaretten wurden auf den Sitzen ausgedrückt, Feuerlöscher geleert und Waggons beschmiert. Die Deutsche Bahn bezifferte den Schaden später 20 000 Euro.

Noch schlimmer kam es aber dann in Bielefeld. Hier hatten die 150 Hannoveraner eine Wartezeit von knappt 90 Minuten auf den Anschlusszug. Rund um den Hauptbahnhof schwärmten die Ultras aus, griffen sogar Polizeibeamte an. Dabei waren die wenigen Beamten des Wach- und Wechseldienstes des Bielefelder Polizeipräsidiums in einer prekären Situation. Niemand hatte mit der Eskalation von Gewalt in dieser Nacht gerechnet. Erst als Beamte der umliegenden Polizeibehörden hinzugezogen werden konnten, normalisierte sich die Lage. 17 Hannoveraner wurden festgenommen, darunter auch der mehrfach in Zusammenhang mit Fußballspielen vorbestrafte Niklas V. Er wurde mit drei 96ern auf der Brunnenstraße festgesetzt.

In seiner Tasche fanden die Polizisten eine Signalschusswaffe. Eben mit einem solchen Gerät war Leuchtmunition auf Polizeibeamte abgeschossen worden. Munition hingegen fand man bei dem 24-jährigen VW-Arbeiter nicht. Die Munition hatte der mit V. befreundete Tischler André S. mit sich geführt. Und deshalb bestritt der Verteidiger des Arbeiters nun vor dem Amtsgericht den Vorwurf, sein Mandant habe einen »vorsätzlichen Verstoß gegen das Waffengesetz « begangen. V. sei nicht bewusst gewesen, dass ein derartiges Gerät unter die entsprechenden Paragraphen falle.

Dass er das Signalschussgerät mit sich geführt hatte, das bestätigte V. Warum, dazu wollte er keine Fragen beantworten. V. war erst im Oktober und im November 2016 wegen Landfriedensbruchs und wegen der gefährlichen Körperverletzung verurteilt worden. Diese Urteile sind bereits rechtskräftig, müssten aber in eine Verurteilung in Bielefeld einbezogen werden. Das Amtsgericht Bielefeld will nun in einem neuen Termin alle in der Nacht mit den Vorfällen befassten Polizeibeamten als Zeugen zu einem neuen Termin laden.

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