Sa., 08.07.2017

Videoüberwachung filmt mit – Staatsanwaltschaft klagt vier Männer an Werkstattchef soll Brand inseiner Firma beauftragt haben

Großer Feuerwehreinsatz am Vormittag des 1. März in einer Kfz-Werkstatt an der Stadtheider Straße: Was zunächst wie ein von einer weggeworfenen Zigarette verursachtes Feuer aussah, entpuppte sich wenige Wochen später als Brandstiftung.

Großer Feuerwehreinsatz am Vormittag des 1. März in einer Kfz-Werkstatt an der Stadtheider Straße: Was zunächst wie ein von einer weggeworfenen Zigarette verursachtes Feuer aussah, entpuppte sich wenige Wochen später als Brandstiftung. Foto: Hendrik Uffmann

Von Jens Heinze

Bielefeld (WB). Wegen großer finanzieller Probleme soll der Betreiber (56) einer Kfz-Werkstatt Mitarbeiter beauftragt haben, einen Brand in seiner Firma zu legen. Die Tat, für die die Versicherung zahlen sollte, wurde jedoch von der Videoüberwachung gefilmt.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 56-Jährigen und seinen drei Mitarbeitern im Alter von 22, 25 und 30 Jahren besonders schwere Brandstiftung, Anstiftung sowie Beihilfe dazu vor. Staatsanwalt Veit Walter hat gegen das Quartett Anklage zur 20. Großen Strakammer des Landgerichtes erhoben. Der Werkstattchef, der 30-Jährige und der 22-Jährige sitzen in Untersuchungshaft. Ihr 25 Jahre alter Komplize befindet sich in Freiheit.

Am Vormittag des 1. März diesen Jahres spielten sich auf dem Betriebsgelände zwischen der Stadtheider- und der Schillerstraße dramatische Szenen ab. Polizeiangaben zufolge sollen die 22 und 25 Jahre alten Mitarbeiter hochentzündliche Bremsreiniger-Flüssigkeit in dem Betrieb verschüttet haben.

Der 30-Jährige soll das chemische Gemisch dann angezündet haben. Dabei geriet die Kleidung eines Werkstatt-Praktikanten in Flammen, der wohl zufällig zum Opfer wurde und mit der Tat nichts zu tun gehabt haben soll. Der damals 17-Jährige rannte ins Freie, wo ein Arbeitskollege die Flammen löschte.

Werkstattchef soll illegal Wohnraumverschläge vermietet haben

Weiteres Opfer wurde ein am Tattag 59-jähriger Syrer, der mit Frau und Kindern in der Firma lebte. Der Werkstattchef soll in dem von ihm angemieteten Gebäude illegal Wohnraumverschläge an Asylbewerber vermietet haben. Die syrische Familie hauste in einem Verschlag neben der Brandstelle. Der Vater erlitt bei dem Brand – 35 Feuerwehrleute waren im Löscheinsatz, es entstand ein geschätzter Schaden von mehr als 100 000 Euro – eine Rauchgasvergiftung.

Dem Vorwurf des ermittelnden Staatsanwaltes Veit Walter zufolge soll der Werkstattbetreiber angeordnet haben, den Brand wie ein Unglück aussehen zu lassen. So hieß es auch zunächst unmittelbar nach Ende der Löscharbeiten, eine von einem Kunden achtlos weggeworfene Zigarette habe das Feuer verursacht.

Alibi soll geplant gewesen sein

Auch sein Alibi soll der Werkstattchef geplant haben. So hielt er sich den Angaben der Staatsanwaltschaft zufolge nicht in seiner Firma auf, als seine Mitarbeiter den Brand gelegt haben sollen.

Was der wegen Betruges und anderer Taten bereits vorbestrafte 56-Jährige offenbar nicht berücksichtigt hatte:  Die Videoüberwachung seiner Firma lief weiter, als in der Werkstatt gezündelt wurde, um die Versicherung zu betrügen. WESTFALEN-BLATT-Informationen zufolge soll der Chef selbst Kripoermittlern das Filmmaterial von der Tat übergeben haben.

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