So., 16.07.2017

Marburger Bund befragt Mitglieder – Studie über Risiken für Patienten fehlt Klinikärzte arbeiten 52 Stunden

Symbolbild.

Symbolbild. Foto: dpa

Von Dietmar Kemper

Bielefeld (WB). In der ARD-Serie »In aller Freundschaft« schauen Ärzte wie Dr. Heilmann nie auf die Uhr und arbeiten notfalls bis zum Umfallen. In der Realität ist das nicht so extrem, aber die Arbeitszeiten sind offenbar trotzdem lang. Das ergab eine Befragung durch die Ärztegewerkschaft Marburger Bund.

»Ärzte arbeiten im Schnitt 52 Stunden in der Woche, die Bereitschaftsdienste nicht mitgerechnet«, sagte Hans-Albert Gehle, der Landesvorsitzende für Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz, in Bielefeld. Das sei vielen zu viel. Die meisten Mediziner wünschten sich stattdessen eine Arbeitszeit von gut 39 Stunden. Der Marburger Bund hat 6000 Ärzte befragt.

Das Arbeitszeitgesetz schreibt für angestellte und beamtete Ärzte 40 Stunden vor und außerdem, dass sie nur für kurze Zeit maximal 48 Stunden arbeiten dürfen. Diese Regelung soll Mediziner vor Übermüdung schützen. Wer länger als 40 Stunden in der Klinik ist, hat Anspruch auf Freizeitausgleich oder, wenn das nicht möglich sein sollte, auf Geld. Unterschreiben Ärzte eine sogenannte Opt-out-Regelung, können oder müssen sie länger arbeiten als die vorgesehenen 40 Stunden.

Elf Stunden lang operiert?

In Bielefeld berichtete ein Arzt der auf Orthopädie spezialisierten Auguste-Viktoria-Klinik in Bad Oeynhausen, er habe am Freitag elf Stunden lang operiert. Sind lange Arbeitszeiten ein Risiko für die Patienten? »Wir haben keine Statistik, die zeigt, dass ein Arzt, der 60 Stunden arbeitet, mehr Fehler macht als seine Kollegen«, sagte Theodor Windhorst aus Bielefeld, Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe. Bei den Ärzten hat sich der Anteil derer, die in Teilzeit arbeiten, von 15 Prozent im Jahr 2013 auf 24 Prozent stark erhöht.

»Die jüngere Generation der Ärzte will mehr Familie und nicht nur Arbeit«, sagte Michael Helmkamp, der Sprecher des Landesverbandes des Marburger Bundes. Weil sich die Erwartungen an die Arbeit wandeln und die sogenannte Work-Life-Balance wichtiger wird, steigt der Bedarf an Stellen in den Kliniken. Der Marburger Bund sagt, dass 1300 Stellen geschaffen werden müssten, um 1000 ausscheidende Mediziner zu ersetzen. Schon jetzt fehlten 1500 Ärzte in den Kliniken in Nordrhein-Westfalen. Gehle und Windhorst fordern deshalb deutlich mehr Studienplätze für Mediziner. Die Zahl sei in NRW seit 1982 um 36 Prozent zurückgegangen – von 3442 auf 2206.

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