Do., 03.08.2017

Cartoonist geht mit seinem Programm »Shit happens« auf Tour Ralph Ruthe: »Ich möchte das Lachen hören«

Cartoonist Ralph Ruthe kommt mit seinem Programm »Shit happens« auch nach Paderborn und Bielefeld.

Cartoonist Ralph Ruthe kommt mit seinem Programm »Shit happens« auch nach Paderborn und Bielefeld. Foto: Oliver Schwabe

Paderborn/Bielefeld (WB). Cartoonist Ralph Ruthe tourt mit seinem Programm »Shit happens« durch Deutschland, Österreich und die Schweiz. Er gastiert auch in Paderborn und Bielefeld. Was die Zuschauer dort erwartet, verrät der Bielefelder im Interview mit Sebastian Schwake.

Herr Ruthe, Sie kommen aus Bielefeld: Was verbinden Sie mit Ostwestfalen?

Ralph Ruthe: Das ist meine Heimat, hier fühle ich mich Zuhause. Ich bin in Bielefeld geboren und hatte mehrfach die Möglichkeit und auch Gründe, woanders hinzuziehen, zum Beispiel nach Hamburg. Aber am Ende hat doch immer wieder Bielefeld gewonnen, weil das Gefühl, Zuhause zu sein, durch nichts zu ersetzen ist. Und das habe ich hier.

Als Cartoonist auf der Bühne – warum und was ist für Sie das Schöne daran?

Termine

Ralph Ruthe und seine Band »We Are Linus« gastieren am 12. November (19 Uhr) in der Paderhalle Paderborn sowie am 19. und 20. Januar 2018 (jeweils 20 Uhr) in der Stadthalle Bielefeld. Für alle drei Auftritte gibt es Karten in den Geschäftsstellen des WESTFALEN-BLATTS, telefonisch unter 0521/52 99 640 oder hier im Netz.

Ruthe: Die Frage nach dem Warum stellt sich für mich nicht. Ja, ich bin Cartoonist, aber mein Antrieb ist die Komik, mein Humor. Ich bringe Menschen zum Lachen, und das tue ich für die meisten durch Bilder. Aber diejenigen, die denken, dass ich nur zeichne, die haben sich wahrscheinlich noch nicht so viel mit dem auseinandergesetzt, was ich sonst noch so treibe. Ich mache auch Videos. Und darin spreche ich meine Figuren und schreibe die Drehbücher dazu selbst. Für mich ist der Schritt zu einem eigenen Bühnenprogramm naheliegend, weil ich das Bedürfnis hatte, in kleine Rollen zu schlüpfen. Mir war es wichtig, dass ich das, was ich meinen Figuren in die Sprechblasen schreibe, auf der Bühne selbst darstellen kann. Und mir ist es wichtig, das Lachen der Menschen zu hören. Als Cartoonist sitzt man Zuhause an seinem Arbeitsplatz und macht einen Cartoon, stellt ihn ins Internet und sieht am Gefällt-mir-Button, dass die Leute Spaß haben, aber die direkte Reaktion, das Lachen der Leute, dass bekommt nur der Komiker auf der Bühne – und das wollte ich mir abholen.

»Shit happens« heißt Ihr Programm. Worauf können sich die Besucher freuen?

Ruthe: Es gibt auf jeden Fall viel zu lachen. Es ist eine kleine Werkschau. Technisch gesehen ist es eine Multimediashow. Es ist eine Mischung aus Stand-up-Comedy, Kino, Musik und Lesung. Das alles bringt dem Zuschauer am Ende nah, was ich mache und wie ich auf meine Ideen komme. Vor allem bekommen die Zuschauer aber ganz viele neue Videos zu sehen. Die Leute, die in meine Show kommen, kennen meine Figuren aus dem Internet oder von Youtube, sie bekommen aber in der Show viel Material zu sehen, was es im Internet nicht gibt. Und es gibt eine Signierstunde, die ich erst beende, wenn jeder, der sich anstellt, auch seine Zeichnung bekommt. Dafür lohnt es sich, in die Paderhalle zu kommen.

In einer Werbeparodie bekommt Komiker Mario Barth sein Fett weg. Woher stammt die Idee dazu und gab es eine Reaktion von Mario Barth?

Ruthe: (lacht) Ich selbst sehe überhaupt kein Fernsehen und bekomme deswegen auch kaum Werbung mit. Wenn ich eine neue Werbeparodie machen möchte, mache ich einen Aufruf bei Facebook und frage: Leute, welche Werbung nervt am meisten? Dann lasse ich mir diese Werbung zukommen. Da war auch die Mario-Barth-Werbung dabei. Die schrie einfach danach, parodiert zu werden. Tatsächlich hat Mario Barth reagiert. Er bietet an, sich in einem meiner nächsten Videos selbst zu sprechen, aber ich sage es mal charmant, das wäre mir jetzt nicht so ein Anliegen.

Ihre Cartoons erobern nicht nur Charts, sondern auch die Kurznachrichtendienste – was bedeutet das für Sie?

Ruthe: Grundsätzlich möchte man als Künstler, dass die Menschen mitkriegen, was man macht. Das liegt in der Natur der Sache. Natürlich freue ich mich, wenn die Leute meine Videos auf Youtube sehen, weil dort Werbung geschaltet ist, und ich mit der Werbung Geld verdiene. Das passiert bei WhatsApp nicht. Ich habe mir ein zweites Standbein gesucht, die Liveshow. Und wenn sich die Leute per WhatsApp meine Videos anschauen und dann in meine Liveshow kommen, profitiere ich davon. Ich kann es nicht verhindern, dass Leute die Videos hin- und herschicken, aber ich habe mit meinem Bühnenprogramm das beste daraus gemacht.

Woher bekommen Sie die Ideen für ihre Comics?

Ruthe: Für mich stellt sich auch diese Frage nicht. Ich habe Ideen und neige dazu, alles mit Humor zu sehen. Deswegen habe ich mir eine Arbeit gesucht, bei der ich Leute zum Lachen bringe. Dass es nun Cartoons sind, war ein glücklicher Zufall, weil ich auch zeichnerisches Talent habe. Ansonsten wäre ich Autor geworden oder Bühnenkomiker oder komischer Schauspieler. Ich sitze nicht da und suche verzweifelt nach Ideen, sondern nehme mir Zeit, lasse die Ideen kommen und schreibe sie auf. Das fällt mir am leichtesten. Ich könnte jemanden gebrauchen, der mir das ganze Zeichnen abnimmt (lacht).

Wie lange benötigen Sie für einen Comic?

Ruthe: Für einen Ein-Bild-Witz brauche ich für Zeichnung mit Farbe zwei, zweieinhalb Stunden. Beim Ausdenken kommt es darauf an, manchmal habe ich sofort eine gute Idee, manchmal muss ich noch daran schrauben, und manchmal muss ich auch noch mal den Text verändern.

Sie haben mehr als eine Million Facebook-Fans, produzieren hauptsächlich Clips und Werke fürs Netz und Zeitungen/Magazine. Warum nicht fürs Fernsehen?

Der Facebook-Post wird geladen

Ruthe: Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Fernsehredakteure das, was man als Künstler macht, als erstes verändern wollen. Wenn man versucht, das glatt zu bügeln, weil es jedem Gefallen soll, dann kommt da belangloser Mist raus – und das mag ich nicht. Ich mache es genauso, wie ich es selbst witzig finde und habe damit Millionen von Menschen erreicht. Da scheint also irgendetwas richtig gut funktioniert zu haben. Momentan gibt es wieder ein paar Themen, bei denen mich Leute angesprochen haben, doch Fernsehen zu machen. Aber ich will noch nicht zu viel verraten, weil ich noch nicht weiß, wohin das führt. Es geht dabei aber nicht um lineares Fernsehen, das kann ich schon mal sagen. 

http://ruthe.de

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Mehr zum Thema

Anzeige


http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5051913?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2516093%2F2198387%2F2513179%2F