Sa., 12.08.2017

Demenz-Wohngruppe des DRK in Sennestadt macht gute Erfahrungen mit Kuscheltier Roboter-Robbe taut Kranke wieder auf

Für Lieselotte Küster (links) ist Roboter-Robbe Paro eine willkommene Abwechslung. Pflegedienstleiterin Nadine Salmann ist begeistert, wie die Bewohner der DRK-Demenz-Wohngruppe auf das Hochtechnologie-Plüschtier reagieren.

Für Lieselotte Küster (links) ist Roboter-Robbe Paro eine willkommene Abwechslung. Pflegedienstleiterin Nadine Salmann ist begeistert, wie die Bewohner der DRK-Demenz-Wohngruppe auf das Hochtechnologie-Plüschtier reagieren. Foto: Kerstin Sewöster

Bielefeld (WB/kw). Die Robbe Paro sucht den Blickkontakt, reagiert auf Ansprache mit wohligem Fiepen und dreht den Kopf, wenn sie gestreichelt wird. Paro ist ein Roboter im Plüschpelz und kann dabei helfen, mit Menschen in Kontakt zu kommen, die sich aufgrund ihrer Erkrankung isoliert haben.

Die Roboter-Robbe ist zurzeit in der Demenz-Wohngruppe des Deutschen Roten Kreuzes in Sennestadt stationiert. Und Pflegedienstleiterin Nadine Salmann ist begeistert darüber, wie aufmerksam die Bewohner der Gruppe auf Paro reagieren.

»Ich hatte selbst erst Vorbehalte«, sagt sie, aber manche Bewohner bekämen regelrecht ein Strahlen im Gesicht, wenn sie Paro auf dem Schoß hätten. Lieselotte Küster zum Beispiel nimmt den Plüsch-Roboter gerne auf den Arm, streichelt ihn und spricht mit ihm. Aber auch Patienten, die sich weniger gut artikulieren könnten, reagierten positiv.

In Beschäftigungsangebote integrieren

»Die Robbe kann ein Schlüssel sein, kann helfen, Demenzkranke aus ihrer Isolierung herauszuholen«, kommentiert Michael Beimdiek, Geschäftsführer beim DRK Soziale Dienste OWL gGmbH. Wichtig sei dabei die Akzeptanz der Mitarbeiter. »Die Robbe erspart keine Zeit, sondern sie kostet welche«, betont Beimdiek. Es mache keinen Sinn, den Plüschroboter dem Bewohner auf den Schoß zu setzen, aber sie könne in Beschäftigungsangebote integriert werden.

Die Robbe als Roboterhülle hat sich dabei bewährt, weil Hunde oder Katzen bei manchen Patienten negativ besetzt seien. Eine Robbe sei neutral, persönliche schlechte Erfahrungen mit diesem Tier hätten die Patienten nicht. Und sie entspreche dem Kindchenschema mit ihrem runden Kopf und den großen Augen. Aber Paro reagiere auch auf negative Gefühle. Bei aggressiven Patienten und grober Handhabung zeige sie sich unterwürfig, weiß Beimdiek aus der Praxis.

Zum ersten Mal in Sennestadt

Seit 2013 arbeitet die DRK Soziale Dienste OWL gGmbH, die allein in Bielefeld neun Demenz-Wohngruppen betreibt, mit Paro. Je nach Bedarf könne der Roboter in die Wohngruppen ziehen. Erstmals macht er jetzt Station in Sennestadt.

5000 Euro kostet das plüschige Hochtechnologie-Kuscheltier, das in Japan entwickelt wurde. Der Einsatz von Robotern in der Pflege ist dort schon viel weiter. Auch beim DRK arbeitet man mittlerweile mit elektronischen Assistenz-Systemen. Zum Einsatz kommen dabei Tablets oder Smartphones, die möglichst niedrigschwellig zu bedienen sind. Sie kommen aktuelle in zwei DRK-Objekten mit Servicewohnen zum Einsatz. »Das sind noch Testläufe« wie Geschäftsführer Beimdiek betont. Mit Hilfe der Assistenzsysteme sollen zum Beispiel Vitalwerte wie Blutdruck, Sauerstoffversorgung und EKG abgefragt werden. Es werden aber auch Fragen nach dem Wohlbefinden gestellt oder die Medikamenteneinnahme nachgefragt.

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