Mi., 30.08.2017

Autobiografie und Biografie über das Leben von Thomas Middelhoff Der tiefe Fall füllt zwei Bücher

Thomas Middelhoff im Jahr 2014 im Landgericht Essen: Rund um den Prozess, an dessen Ende die Verurteilung zu drei Jahren Gefängnis stand, drehen sich zwei bald erscheinende Bücher.

Thomas Middelhoff im Jahr 2014 im Landgericht Essen: Rund um den Prozess, an dessen Ende die Verurteilung zu drei Jahren Gefängnis stand, drehen sich zwei bald erscheinende Bücher. Foto: dpa

Von Oliver Horst

Bielefeld (WB). Der Fall des Thomas Middelhoff vom schillernden Multimillionen-Manager zum insolventen Häftling ist der Stoff für zwei Bücher. Am 7. September wird eine Autobiografie des inzwischen 64-Jährigen unter dem Titel »A 115 – Der Sturz« erscheinen. Für den 5. Oktober ist zudem die Veröffentlichung der Biografie »Middelhoff: Abstieg eines Star-Managers« geplant.

Die Lebensgeschichte von »Big T« und vor allem die turbulenten vergangenen Jahre dürften in beiden Büchern weidlich ausgebreitet werden: Machte Middelhoff einst mit Millionendeals von sich reden, ging es zuletzt um Ermittlungen, Prozesse, Untersuchungshaft, die Verurteilung zu drei Jahren Haft wegen Untreue und Steuerhinterziehung, die Privatinsolvenz, die Scheidung und die laufende Phase als Freigänger.

Der steile Aufstieg und rasante Abstieg des früheren Chefs des Gütersloher Medienkonzerns Bertelsmann und des inzwischen insolventen Karstadt-Mutterkonzerns Arcandor hat viele Episoden. Eine spektakuläre Flucht aus dem Essener Justizgebäude über ein Garagendach, um wartenden Journalisten zu entgehen, gehört dazu. Selbst um die Filmrechte hat ein TV-Produzent schon gebuhlt.

»A 115 – Der Sturz«

Jetzt schreibt Middelhoff selbst über sein Leben. Auf 320 Seiten. Der Titel »A 115 – Der Sturz« ist angelehnt an die Bezeichnung seiner Zelle in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Essen, in der er direkt nach der Verurteilung für mehr als fünf Monate saß. Auf dem Cover, das Middelhoffs Silhouette hinter dem Schatten eines Gitters zeigt, ist von einem »autobiografischen Bericht« die Rede.

Der Verlag Langen Müller spricht von einem »Buch über Gefangenschaft und Freiheit und die Abgründe des deutschen Justizsystems«. Mehr ist bislang nicht zu erfahren. Der Verlag setzt auf Geheimhaltung.

Middelhoff soll offenbar handschriftlich alles festgehalten haben, was ihm nach der Verurteilung im November 2014 widerfuhr. Noch im Gerichtssaal wurde er verhaftet, obwohl das Urteil nicht rechtskräftig war – wegen Fluchtgefahr. Er kam in eine Einzelzelle, wurde anfangs dauerhaft überwacht, weil Suizidgefahr befürchtet wurde.

Absturz »ohne Reue und ohne Sympathien«

Der Schlafentzug soll eine Autoimmunkrankheit zum Ausbruch gebracht haben. Seit Mai 2016 arbeitet er tagsüber als Hilfskraft in einer Behindertenwerkstatt in Bielefeld-Bethel. Nachts schläft der Freigänger in der JVA Bielefeld-Senne.

In »Middelhoff: Abstieg eines Star-Managers« schreibt derweil »Handelsblatt«-Reporter Massimo Bognanni über einen Absturz »ohne Reue und ohne Sympathien«. Das Buch im Campus-Verlag soll 288 Seiten dick sein. Kaum ein Manager sei in der Öffentlichkeit so zum Symbol für Gier und Größenwahn geworden wie Middelhoff. Der Vita des Ex-Managers war bereits der Protagonist im Buch »Johann Holtrop« von Rainald Goetz nachempfunden.

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