Mi., 13.09.2017

Online-Journalist Richard Gutjahr spricht bei Itelligence-Kongress »Digitalisierung erst am Anfang«

Itelligence-Vorstandschef Norbert Rotter (links) erläutert Journalist und Blogger Richard Gutjahr die Funktionsweise einer 3D-Brille, mit der sich verschiedene Ansichten von Objekten und Informationen anzeigen lassen.

Itelligence-Vorstandschef Norbert Rotter (links) erläutert Journalist und Blogger Richard Gutjahr die Funktionsweise einer 3D-Brille, mit der sich verschiedene Ansichten von Objekten und Informationen anzeigen lassen. Foto: Bernhard Pierel

Von Oliver Horst

Bielefeld (WB). Der digitale Wandel ist in vollem Gange – die größten Umwälzungen durch die Digitalisierung stehen aber erst noch bevor. Das sagt Richard Gutjahr. Der Journalist und Blogger sprach am Dienstag beim IT-Dienstleister Itelligence.

Der Bielefelder SAP-Spezialist peilt für 2018 die Umsatzmilliarde an – inklusive 60 Millionen Euro aus dem von ihm verantworteten Südostasien-Geschäft des Mutterkonzerns NTT Data. Im laufenden Jahr will Itelligence mit weltweit 6000 Mitarbeitern 860 Millionen umsetzen. Das kündigte Vorstandschef Norbert Rotter zum Auftakt des zweitägigen Fachkongresses mit 460 Teilnehmern an.

»Vieles ist noch Zukunftsmusik, vieles aber auch schon sehr nah«

Künstliche Intelligenz noch stärker in Unternehmensprozesse zu bringen und dabei Lösungen zu entwickeln, die sich an die Menschen anpassen und nicht andersherum, nennt Rotter als Ziel. Dabei drehe sich das Geschäft vom Anbieter- zum Nachfragemarkt. Der Umsatzanteil eigener Lösungen dürfte sich in den nächsten Jahren von heute fünf auf dann 50 Prozent steigern, sagt Rotter. »Vieles ist noch Zukunftsmusik, vieles aber auch schon sehr nah.«

Dass aus Visionen Wirklichkeit werden kann, verdeutlichte Gutjahr. Der Kommunikator von 1967 aus der TV-Serie »Star Trek« sieht den Klapphandys der 2000er verblüffend ähnlich. Roboter sind in Lagerhallen inzwischen weit verbreitet und auch das autonome Fahren funktioniert. Welche Folgen Innovationssprünge haben können, wird am Smartphone sichtbar. Dessen Siegeszug ist maßgeblich dafür verantwortlich, dass – am Beispiel der USA – zwischen 2007 und 2017 die Umsätze mit Fotoapparaten um 66 Prozent, mit MP3-Playern um 87 , mit Navis um 80 und mit Videokameras um 93 Prozent eingebrochen sind.

»Das Rohöl der Zukunft sind Daten«

Die Umwälzungen werden auch deutlich bei den zehn weltweit wertvollsten Unternehmen: 2007 dominierten Energiekonzerne und Banken, 2017 sind es sechs Internet- und Telekommunikationskonzerne. »Das Rohöl der Zukunft sind Daten«, sagt Gutjahr. Er ist überzeugt, dass die Digitalisierung einen massiven Schub mit der nächsten Mobilfunkgeneration 5G erfährt. Sie verspricht schnelleren Internetzugang als heutige DSL-Leitungen. Damit wird das Internet zum mobilen Echtzeit-Begleiter. »Dann gibt es kein Halten mehr«, sagt Gutjahr.

»Die letzten 20 Jahre waren nur die Ouvertüre der nächsten bahnbrechenden Entwicklung wie einst der Buchdruck oder die Dampfmaschine.« Das Zusammentreffen von fünf Schlüsselfaktoren mache die große Revolution wahrscheinlich: Die Digitalisierung einer Vielzahl von Geräten, die globale Vernetzung der Menschen, höhere Bandbreiten, die Automatisierung von Prozessen sowie die Nutzung künstlicher Intelligenz. Gutjahr: »All das wird zusammen für den großen Knall sorgen, die Gesellschaft völlig verändern.« Die Macht des Internets zeige sich allein daran, dass Gerhard Schröder »noch Bild, Bild am Sonntag und die Glotze zum Regieren brauchte. Trump braucht nur Twitter«, sagt Gutjahr.

»Die analoge und die digitale Welt sind eins und lassen sich nie wieder trennen. Mensch und Maschine kooperieren.« So arbeiteten beim Onlinehändler Amazon in den USA 125 000 Menschen und 100.000 Roboter zusammen. Gutjahr: »Nur wer jetzt seine Hausaufgaben macht und sich auf den Wandel einstellt, wird in zehn Jahren noch am Markt sein. Nicht der Stärkste überlebt, sondern derjenige, der sich am besten anpasst.«

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